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Wohnen mit Geschichte

Das Haus Burgstraße 2 wurde 1688 gebaut und in den vergangenen zwölf Monaten sorgfältig saniert
Frontansicht der Ecke Burgstraße (l.) und Münzstraße. Foto: S. Krieg
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Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und öfter ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Diesmal: die Burg­straße 2.

Opens external link in new windowIn der vergangenen Ausgabe haben wir geschrieben, das Haus Puschkinstraße 20 sei das älteste der Schelf­stadt. Diesen Titel könnte nun aber doch die Burgstraße 2 tragen. Auf jeden Fall wurde dieses Haus laut Bauforscher Dr. Tilo Schöfbeck bereits 1688 gebaut – und damit zehn Jahre vor seinem eigenen Haus in der Puschkinstraße 20. Jedoch zähle die Burg­­straße 2 noch nicht so richtig zur Schelfstadt, meint Schöfbeck, obwohl sie sich knapp außerhalb der früheren Stadtmauer befindet. Auch hier handelt es sich um ein Fachwerkhaus (eine zu der Zeit stadtuntypische Bauweise) mit dem Giebel zur Straßenseite.
Die Besitzer des Gebäudes an der Ecke zur Münzstraße wechselten über die Jahre relativ oft. Wer der Bauherr war, ist nicht bekannt.

Im Jahr 1726 hieß der Eigentümer jedenfalls Samann, es folgten Kneffel (1740) und Behncke (1745). 41 Jahre später übernahm der Kaufmann Phillip Christian Friedrich Lüss das Haus, das 1826 seine Witwe Christiane Sophie Marie Lüss erbte und gleich an Lucie Meister verkaufte.
1839 ging die Immobilie in den Besitz von Tischlermeister Christian Niendorff über, der es 1850 an den Korbmacher Heinrich Stender ver­äußerte. Nächster Eigentümer war ab 1893 der Schuhmachermeister Chris­tian Jacobs. Und 1909 kaufte Paul Töpperwien die Burgstraße 2; er gründete dort seine Druckerei.
Er war nicht der Erste, der dort im Druck-Gewerbe tätig war, denn bereits 1835 erhielt der aus Rostock stammende August Wilhelm Sandmeyer an diesem Standort eine Drucklizenz.

Aber die Druckerei Töpperwien, in der teils über 20 Gesellen arbeiteten, hielt sich wesentlich länger; sie wurde bis zum Jahr 2000 betrieben, zuletzt vom Töpperwien-Erben Walter Mäde. Die Töpper­wiens und später ihre Nachfahren wohnten über den Werkstatträumen. Nachdem Mäde das Geschäft aufgegeben hatte, verkaufte er sein Haus jedoch an Frank Dittmann. In dem Haus lebte dann eine Familie mit fünf Töchtern, die vor einiger Zeit dort ausgezogen ist. Seit 2015 gehört die Burgstraße 2 einem Wismaraner mit Herz für his­torische Bauten. (Er hatte zuvor schon das Nachbarhaus Puschkinstraße 30 erworben.)
Das Haus bestand in seiner wesentlichen Struktur bis Mitte des 19. Jahrhunderts – bis der Korbmacher Stender Hand anlegen ließ. Schöfbeck schreibt dazu in seinem bauhistorischen Gutachten: „Dieser begann vermutlich umgehend mit einer Entkernung und einem umfassenden Durchbau des Althauses, das straßenseitig um ein Geschoss mit flachem Satteldach darüber erhöht und zur Erweiterung gen Osten um einen L-förmigen Neubau erweitert wurde. (…) Offenbar bestand großer Platzbedarf, denn man entschloss sich beim Althaus zusätzlich zur Überbauung der Traufgasse (Tüsche) im gesamten Obergeschoss – eine abenteuerliche Konstruktion, die straßenseitig erst während der (…) Entkernungsarbeiten wiederentdeckt wurde.“

Die erwähnten Entkernungsarbeiten waren der Teil der umfangreichen Sanierung des Hauses. Der jetzige Besitzer hatte das Schweriner Bauproject Stefan Hill damit beauftragt. „Eine besondere Herausforderung“, sagt Hill, „war, das Obergeschoss ebenfalls nutzbar zu machen. Es hatte eine Höhe von nur 1,65 Meter.“ Der erfahrene Bauingenieur fand auch dafür eine elegante Lösung – alles in Einklang mit den Denkmalschutz-Vorgaben. Etwa 2.500 Euro pro Quadratmeter habe die Sanierung am Ende gekostet.
Auf insgesamt 375 Quadratmetern Nutzfläche sind nun nach einem Jahr Bauzeit sechs schöne Wohnungen entstanden, eine davon sogar barrierefrei. Ursprünglich war es geplant, im Erdgeschoss ein kleines Geschäft einzurichten. Hill sagt: „Ich fand die Idee charmant, in den Räumen, wo mal Bücher gedruckt wurden, einen kleinen privaten Buchladen zu eröffnen. Dies ließ sich leider nicht realisieren.“
Aber die Nachfrage nach den Wohnungen sei von vornherein groß gewesen. Und die künftigen Mieter können dann von sich behaupten, in einem der ältesten Häuser Schwerins, vielleicht sogar dem ältesten der Schelf­stadt, zu wohnen. S. Krieg