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Tanzsaal mit Seeblick

Der Strandpavillion in Zippendorf ist schon seit fast 90 Jahren eine idyllische Adresse
Aufnahme aus den 1960er-Jahren Quelle: Stadtarchiv
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Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und mehr ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Heute am Alten Garten, an dessen Nordseite eine Schatzkammer für Kunst aus mehreren Jahrhunderten steht.

Ein weiteres „Schloss“ neben dem prachtvollen Fürstensitz im Burgsee? Das muss den Schwerinern im Jahr 1922 dann doch etwas zu viel des Guten gewesen sein – sie tauften das frisch errichtete „Strandschloss“ an der Zippendorfer Promenade kurzerhand in ein harmloses „Strandschlösschen“ um. Nichtsdestotrotz eroberte der kleine, romantische Bau im aufstrebenden Bade- und Kurort Zippendorf die Herzen der Erholungssuchenden. Für Käffchen und Kuchen mit Musik war er im Auftrag des Schweriners August Lau erbaut worden, federführend dessen Lieblingsarchitekten Brentrup und Nehls. Man saß auf der Terrasse, ließ den Seewind die Sinne lüften und den Blick schweifen über das großartige Panorama, das der See an dieser Stelle noch heute als Kulisse bereitstellt.
Der Musiklehrer Lau hatte in der Stadt mit diversen ehrgeizigen Projekten von sich reden gemacht. Nachdem er 1889 nach Schwerin gekommen war, tat er sich zunächst musikalisch um; mit Lockenmähne und großem gezwirbelten Bart war der Mann auch äußerlich stets eine Erscheinung. 1904 begann er seine gastronomische Karriere mit der Marienhalle am Marienplatz, später betreibt er das Restaurant Paulshöhe und findet schließlich den perfekten Platz für seinen Pavillon am Ufer des Schweriner Sees. Private Geldgeber sind – obwohl Lau schon fürs „Geldverbrennen“ bekannt ist –
von den Schilderungen des Bauherren überzeugt.
Doch so beliebt das kleine Idyll in Strandnähe ist, Inflation, zwei miserable Sommer und die daraus resultierenden Einbußen führen schließlich lassen August Lau aufgeben. Hotelbesitzer Friedrich Schwarz übernimmt 1925 und eröffnet das „Strandschloss“ als Tanz-Café mit kleinem Restaurantbetrieb. Der nächste Besitzerwechsel im Pavillon folgt bereits fünf Jahre später: Hermann J. Abraham, der schon die benachbarte „Strandperle“ besitzt, übernimmt – beide zusammen werden im Volksmund bald „Abrahams Schoß“ genannt. In den 1930er-Jahren wird Gastwirt Joachim Dürkopp neuer Strand-Schlossherr, danach ist das Häuschen einige Jahre an Alfred Kempke verpachtet, bevor in den 50ern ein HO-Restaurant einzieht.
Die Wende bringt dem Pavillon schließlich wieder neue Besitzer: Die Erbengemeinschaft Dürkopp baut an, das Gebäude wird an ein China-Restaurant verpachtet. Die Nachfahren von Hermann J. Abra-
ham erhalten im Jahr 2000 das Gebäude zurück, bevor es 2003 – zum vorläufig letzten Mal in seiner Geschichte – weiterverkauft wird, diesmal an die Eheleute Schneider. Heute betreibt Gastronomin Anita Bötefür den „Strandpavillon“, der längst kein „Schloss“ mehr sein will, als Veranstaltungshaus ohne eigene gastronomische Einrichtung. Besonders für Hochzeitsfeiern ist das Haus beliebt. Direkt auf Kies gebaut, steht der denkmalgeschützte Pavillon noch immer zu großen Teil wie am ersten Tag. Zwar musste die großzügige Terrasse, wie sie auf alten Aufnahmen zu sehen ist, im Laufe der Zeit weichen. Aber der romantischen Stimmung an diesem Ort, die wie selbstverständlich Einzug hält, sobald man sich dem Gebäude nähert, tut das keinen Abbruch.

SCHWERIN live dankt Rainer Blumenthal vom Stadtarchiv und Hans-Hermann Schulz für ihr umfangreich zur Verfügung gestelltes historisches Wissen.