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Schweriner See immer im Blick

Schon früher sehr lehrreich: Im Gebäude der Naturschutzstation befand sich einst eine Schule
Die Biologin Dr. Birgitta Tremel leitet die Naturschutzstation Zippendorf seit 2002.Fotos: SN live
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Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und mehr ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Heute: die Naturschutzstation Zippendorf.

Schon vor über 250 Jahren lernten hier, mit wundervollem Blick über den Schweriner See, Kinder lesen, schreiben und rechnen: Das Gebäude am Strand, kurz hinter der Ecke Bosselmannstraße wurde 1750 als Dorfschule errichtet. Und auch heute noch geht es an dieser Stelle viel um Wissensvermittlung. Im Mittelpunkt stehen inzwischen aber nicht mehr die klassischen Unterrichtsfächer, sondern in erster Linie die Tiere und Pflanzen unserer Region.

Als Naturschutzstation wird das Haus seit 1990 genutzt. Und bis 1920, als Zippendorf eingemeindet wurde, gehörte es nicht mal zur Stadt Schwerin. Nach seiner Errichtung war es zunächst Teil der Gemeinde Plate. Unterrichtet wurden dort von 1785 bis 1825 nicht nur Schüler aus Zippendorf, sondern auch aus dem benachbarten Mueß. Trotzdem waren es so wenige, dass ein einziger Lehrer genügte.

Im Jahr 1900 bezogen ein Fuhrmann und der Lehrer Fritz Fiencke mit ihren Familien die nicht als Schule genutzten Räume. Ein Jahr später übernahm die Lehrerfamilie Adolf Parge eine der Wohnungen. In den Kriegsjahren beherbergte das Gebäude vorübergehend keine Schule, sondern erst wieder 1945. Von da an jedoch durften die Lehrer nicht mehr mit im Haus wohnen. Aber immerhin gab es dort erstmals Toiletten.

Zwanzig Jahre später war vorübergehend ein Kindergarten drin, und von 1972 bis 1990 wurde hier, Am Strand 9, der Zweckverband „Erholungswesen an den Schweriner Seen“ verwaltet.

Der wundervolle Schweriner See spielt bis heute die Hauptrolle in der seit 1990 an dieser Stelle bestehenden Naturschutzstation. Zunächst wurde sie von der Stadt Schwerin selbst betrieben, 2002 übernahm der Verein „Naturschutzstation Zippendorf“ den Betrieb. Mittelpunkt ist die Ausstellung „Lebensraum Schweriner See“. Gezeigt werden darin viele heimische Tierarten – teils lebendig (Fische in Aquarien) und teils präpariert (zum Beispiel Wasservögel, Biber und Otter) – aber unter anderem auch ein Modell des Schweriner Sees.

Die Biologin Dr. Birgitta Tremel, die die Station leitet, ergänzt: „Inzwischen sind bei uns zudem die Bienen ein großes Thema. Wir bieten für Kindergruppen zum Beispiel das Projekt ‘Zu Besuch bei der Bienenkönigin‘ an.“ Anfang der neunziger Jahre wurde auf dem Grüngelände hinter der Station ein Bienenhaus aufgebaut, gegenüber steht ein „Insektenhotel“ aus Ziegeln und Naturmaterialien, in dem Wildbienen nisten. Ein Labor mit Mikroskopen, eine Werkstatt sowie eine Solaranlage gehören ebenfalls zur Station.

Hauptsächlich nehmen Grundschul- und Kindergartengruppen die Projektangebote des Vereins wahr – von „Keschern am Schweriner See“ bis „Wald­rallye“. Aber selbst Erwachsene kommen dorthin, um mehr über die Natur in und um Schwerin zu erfahren.

Die Ausstellung mit dem Tier-Diorama, den Info-Tafeln und anderen Exponaten kann auch einfach nur so besichtigt werden (täglich, außer freitags). Und ein Seminarraum steht für Veranstaltungen zur Verfügung. Im November findet in der Naturschutzstation das traditionelle Apfelfest statt. Bereits am Wochenende 27. und 28. September werden wieder Pilze ausgestellt.

Aber wer weiß, was im kommenden Jahr aus der Naturschutzstation wird: Die Stadt hat deren Betrieb neu ausgeschrieben. Auch der Verein „Naturschutzstation Zippendorf“ hat sich darum beworben. Stefan Krieg

naturschutzstation-schwerin.de