Hausgeschichten

Neues Zuhause für Flamingos

Die wohl schönsten gefiederten Bewohner des Schweriner Zoos wohnen seit Oktober ganz modern
Das neue Haus ermöglicht den Zoobesuchern gute Einblicke.
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Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und öfter ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen (und manchmal von Tieren). In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Diesmal: das Flamingohaus im Zoo Schwerin.

Sie sind wohl die schönsten Vögel im Zoo: Mit ihrem pink- bis orangefarbenen Gefieder sind die Kubaflamingos schon von Weitem zu sehen. Aber die Tiere fallen nicht nur durch ihr Äußeres auf. Zoodirektor Tim Schikora spricht auch von der „spannenden Biologie“ der Flamingos mit ihren seltsam geformten Schnäbeln, dem interessanten Körperbau und der ungewöhnlichen Weise, wie sie zu ihrer Farbe kommen.

Und dann stehe da auch noch das Thema bedrohte Art. Die Kubaflamingos selbst seien derzeit nicht gefährdet, aber einige andere Flamingo­arten. Was aber auch die Schweriner Flamingos jederzeit betreffen kann, ist die Vogelgrippe.
Im Winter 2016/17 war ein entsprechender Virus in Deutschland unterwegs. In dieser Zeit mussten alle Vögel dauerhaft in Ställen untergebracht werden, auch die im Zoo. Das ließ sich im Falle der Flamingos mit ihrem alten Haus nur sehr schlecht realisieren. Tim Schikora erinnert sich: „Wir standen vor der Wahl, mit der Flamingohaltung aufzuhören oder ein neues Flamingohaus zu bauen.“ Erstes kam nicht in Frage, also wurde umgehend mit der Planung einer neuen Heimstatt für die prächtigen Vögel begonnen.

Die passende Fläche war schnell gefunden: unweit des Haupteingangs und nahe des bestehenden Vogelteichs. „Die Herausforderung“, sagt der Zoodirektor, „bestand nun aber in der Gründung bei dem schwierigen Baugrund.“ Heißt wie so oft bei Bauvorhaben in Schwerin: wasserreiche Bodenschichten. Das Haus steht jetzt auf großen Brunnenringen und 16 Betonpfählen.
Nach etwa einem halben Jahr Bauzeit war das Gebäude im Oktober 2019 fertig. Gekostet hat es 145.000 Euro. Neunzig Prozent der Summe stammt aus EU-Fördermitteln (EFRE), weitere etwa fünf Prozent sammelte der Zoo per Crowdfunding, den Rest finanzierte der Zoo aus eigener Tasche.

Das Haus hat eine Grundfläche von 50 Quadratmetern, ungefähr die Hälfte davon nimmt ein Indoor-Teich ein. Zum Tierbereich zählen außerdem eine kleine, teils schilfbepflanzte Landfläche mit weichem Erdboden und ein Futterbecken. Hinzu kommt noch eine Küche, die von den Pflegern auch zur Versorgung anderer Tiere genutzt wird.

Der Raum für die Flamingos ist in Anthrazit gehalten, weil vor diesem Hintergrund die Tiere am besten zur Geltung kommen. Durch die großen Fens­ter dringt viel Tageslicht in das Haus, die Besucher können die Flamingos gut beobachten – und andersrum: Die scheuen Vögel sehen die Leute frühzeitig kommen und erschrecken nicht, wenn plötzlich jemand an der Glasscheibe vor ihnen steht.

Die Bewohner nutzen ihr neues Zuhause aber nur in der kalten Jahreszeit; im Frühling und Sommer bleiben sie dauerhaft draußen. Gewärmt werden sie über Infrarot-Wärmeplatten an der Decke. „So beheizen wir nicht den Raum, sondern das Objekt, in dem Fall den Flamingo“, sagt Schikora. Die Beleuchtung wird über LED-Lampen mit einem speziellen, für Vögel angenehmen Lichtspektrum realisiert. Unter anderem aus hygienischen Gründen ist das Haus nur für 30 Vögel zugelassen. „Noch wohler würden sie sich fühlen, wenn sie 40 oder 50 wären“, sagt Schikora. „Flamingos stehen gern dicht gedrängt beieinander.“ Zurzeit umfasst die Gruppe 19 Tiere. S. Krieg