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nah Am Wasser gebaut

Schweriner Seglerheim lockt Wassersportler und Urlauber gleichermaßen
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Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und mehr ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Heute im Bootshaus des Schweriner Segler-Vereins von 1894, das Wassersportler und Urlauber gleichermaßen lockt.

Wenn manche Besucher des neuen Seglerheims sagen „Was so ein paar Eimer Farbe doch ausmachen“, dann muss Bernhard Kaatz schmunzeln. „Das wäre teure Farbe gewesen“, sagt der Schatzmeister des Schweriner Segler-Vereins. Denn das Haus, das dem 1924 errichteten Bootshaus wie ein Ei dem anderen gleicht, ist ein kompletter Neubau. Gleichzeitig zeigt der manchmal auftretende Irrtum aber auch, wie gut dieser Neubau gelungen ist. Das Gebäude auf der kleinen Insel „Schwanenhorst“, unmittelbar vor der Marstallhalbinsel, ist in der Vereinsgeschichte Bootshaus Nummer 3 und entstand 1998/99. „Der Vorgängerbau war während der Jahre der DDR völlig heruntergekommen“, erzählt Vereinsmitglied Burkhard Richter. „Besonders die hier ab 1968 stattfindenden Beat-Veranstaltungen hatten dem Gebäude den Rest gegeben.“ Die Holzböden, die auf Balken lagen, waren dabei regelrecht durchgetanzt worden und auch sonst hatte der Zahn der Zeit, zusammen mit Wind und Regen, dem Holzhaus zugesetzt. Nach der Wende war schnell klar: Eines der schönsten Bootshäuser Deutschlands war nicht mehr zu retten.
Doch wo sollte jetzt die theoretische Ausbildung der jungen Segler stattfinden, wo die Clubabende und wo die Planung und organisatorische Begleitung von Regatten? Ganz zu schweigen von dem Café: Gleich nach der Eröffnung des Seglerheims  am 28. September 1924 war die seeseitige Terrasse zum beliebten Treffpunkt geworden. „Wir wussten natürlich auch, dass diese Anlage eine Perle ist“, sagt Bernhard Kaatz. So schulterten Verein, Stadt und Land gemeinsam den 2,4 Millionen DM teuren Neubau – in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege. Die Fachwerkfassade zur Seeseite beispielsweise kam – wenngleich nur vorgesetzt – zurück. Der Fahnenmast krönt wie eh und je das Gebäude und sorgt dafür, dass die Vereinsflagge schon vom Wasser aus gut zu sehen ist. Und während sich andere Vereine hinter Zäunen verschanzen, heißt es im Seglerheim: Betreten erwünscht. So genießen die Wassersportler gemeinsam mit den Schwerinern und ihren Gästen dieses herrliche Fleckchen Erde. Wer einmal auf der Terrasse gesessen und bei einem Glas Bier oder Wein den dahingleitenden Booten zugesehen hat, weiß, wovon die Rede ist.
Einfach war der Neubau nicht. Denn ob Theater, Schloss oder Marstall: Schwerin steht in diesem Bereich auf Pfählen. Das Seglerheim macht da keine Ausnahme. 64 Pfähle rammten die Mitarbeiter der beauftragten Spezialfirma 16 Meter tief in den Boden, bevor das Gebäude überhaupt in die Höhe wachsen konnte. Im Innern durfte der Zuschnitt verändert und den neuen Herausforderungen angepasst werden. So gibt es neben der Gaststätte zum Beispiel einen Klubraum,
einen Schulungsraum, Umkleideräume und den Trockenraum, der eigentlich ein „Nassraum“ ist, wie Burkhard Richter sagt. Hier trocknen in der Saison die Anzüge der Kinder und Jugendlichen, die im Verein trainieren.
Mit insgesamt 430 Mitgliedern ist der Verein der größte Segelclub in Mecklenburg-Vorpommern. Und auch als Wirtschaftsfaktor in der Region ist er nicht zu unterschätzen. So lockt allein das Seglerheim jedes Jahr zahlreiche Urlauber nach Schwerin. Vier Doppelzimmer und eine Ferienwohnung laden hier zum Urlaub am See ein. Die Zimmer heißen „Rakow“ und „Rüter Horn“ und „Goldburg“ – benannt nach Untiefen auf dem Schweriner See. Dann gibt es noch das Kaiser-Zimmer, das auch für Meetings und Veranstaltungen vermietet wird und dessen Name nichts mit dem Regenten zu tun hat. „Der Kieler Yachtclub hat einen Kaisersaal, der seinen Namen wirklich nach Kaiser Wilhelm trägt“, erzählt Burkhard Richter. Und weil der 1. Vorsitzende des Schweriner Segler-Vereins zu diesem Zeitpunkt Dirk Kaiser hieß, befanden die Sportler, dass ein Kaiser-Zimmer auch zu ihrem Domizil gut passen würde.
Gäste, die einmal übernachtet haben, kommen meist wieder. Kein Wunder: Vom Seglerheim sind es nur wenige Minuten bis zum Schloss, die Anreise mit dem eigenen Boot ist kein Problem. Nachts plätschern die Wellen ein Schlaflied und am Tage ist es auf Schwanenhorst eigentlich viel zu schön, um je wieder abzureisen.