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Kulturforum im Herzen der Stadt

Schleswig-Holstein-Haus ist ein Ort des lebendigen Austauschs
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Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und mehr ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Heute in der Puschkinstraße 12, wo das Schleswig-Holstein-Haus seine Türen für alle Kulturliebhaber der Stadt öffnet.

Schleswig-Holstein mitten in Mecklenburg- Vorpommern? Da kommen viele Besucher ins Grübeln. „Das ist aber gar nicht schlimm, denn daraus ergeben sich viele Anknüpfungspunkte für Gespräche“, freut sich Mitarbeiterin Anja Staroske. Sie plant und koordiniert die Veranstaltungen in Schwerins Kulturforum, das in den vergangenen Jahren mehr als 200 kleineren und größeren Ausstellungen Raum gegeben hat.
Beinahe hätte es diesen inspirierenden Ort nie gegeben. Als sich in den 1980er-Jahren die Initiative „Rettet die Schelfstadt“ gründet, um den Stadtteil vor dem drohenden Abriss zu bewahren, sehen deren Mitstreiter für das Gebäudeensemble in der Puschkinstraße kaum noch eine Chance. Das 1984 enteignete und dem „VEB Kommunale Wohnungsverwaltung“ zugeordnete Haus ist zu diesem Zeitpunkt nahezu unbewohnbar. 1989 zieht hier auch die letzte Mieterin aus. „Wer Fotos aus dieser Zeit sieht, ist überrascht, was aus dem Gebäude geworden ist“, sagt Heidrun Hamann, Leiterin des Schleswig- Holstein-Hauses, das so heißt, weil die Rettung buchstäblich in letzter Sekunde aus diesem Bundesland kam. Der damalige Ministerpräsident Björn Engholm bot im Dezember 1989 den Städten Schwerin, Rostock und Neubrandenburg Unterstützung bei der denkmalgerechten Sanierung je eines Gebäudes an, das danach kulturell genutzt werden sollte – ein Glücksfall für die heutige Landeshauptstadt.
Als 1995 das Schleswig- Holstein-Haus eröffnet wurde, bewunderten die Schweriner ein modernes Kulturforum, das den Charme vergangener Zeiten bewahrt hat. Spuren früherer Jahrhunderte sind noch heute im Haus zu fi nden. Dazu gehören die alten Kellergewölbe, eine geschnitzte Balkeninschrift im Eingangsbereich und die alte Backsteinwand im Saal. „Früher war dies ein richtiger Konzer t saa l mit einer Empore. Die Deckenhöhe und die Raumaufteilung hat sich natürlich im Laufe der Zeit mehrfach geändert“, sagt Anja Staroske. Früher – das war in diesem Fall im späten 18. Jahrhundert, als Joachim Levin von Barner als Hofmeister in herzogliche Dienste tritt und an der Rückseite des „ Oertzen-Palais“ einen Festsaal errichten lässt. In acht quadratischen Aussparungen, die noch heute in der Wand zu sehen sind, steckten vermutlich die Balken der Musikerempore.
Die Geschichte des Hauses reicht aber viel weiter als bis ins 18. Jahrhundert zurück. Es ist Schwerins Gründer Heinrich der Löwe, der die südliche Schelfe und damit auch das Grundstück des heutigen Schleswig-Holstein-Hauses an Bischof Berno überträgt. 1586 lässt Domdekan Otto von Wackerbarth an der Stelle eines im 15. Jahrhundert abgerissenen Bischofshauses seinen Schweriner Amtssitz errichten. Aus dieser Zeit stammen der Keller und die Schnitzerei im Torpfosten, die das Wappen von Ottos Frau Anna darstellt. Die Familie Wackerbarth wohnt 100 Jahre in dem Gebäude, weitere Besitzer folgen. In den Jahren 1736 bis 1747 gehört das Anwesen dem Landrat von Oertzen, der hier ein barockes Palais errichten lässt, in das er die alte Bausubstanz einbezieht. In der folgenden Zeit entsteht im Haus der Kirchnersche Gasthof „für Vornehme“, später ist es höhere Töchterschule. Sogar Geschichte wird hier geschrieben: 1835 gründet der Gelehrte Friedrich Lisch im Gasthof den Verein für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Sein Bildnis hängt heute im Gartensalon, wo sich unter den Augen des Prähistorikers manchmal sogar Paare das Ja-Wort geben. Somit ist zu den vielen Funktionen des Schleswig- Holstein-Hauses auch die des Standesamtes gekommen.
Rund 100 Veranstaltungen im Jahr finden in dem Kulturforum statt, darunter Lesungen, Vorträge und Seminare. Zu den mehr als 200 Ausstellungen seit 1996 kamen 236.000 Besucher und wenn es nach Heidrun Hamann, Anja Staroske und anderen Mitstreitern geht, sollen viele weitere folgen. Ziel ist es dabei immer, das Schleswig-Holstein-Haus zu einem Ort lebendigen Austauschs zu machen. „Wir sind kein Museum“, sagt Heidrun Hamann. „Die Vielfalt ist unser Profil.“

Veranstaltungstipps:

24. Februar, 19.30 Uhr:
Friedrich Dönhoff „Die Welt ist so,
wie man sie sieht“ - Erinnerungen
an Marion Dönhoff
3. März, 19.30 Uhr:
Inge Jens „Unvollständige Erinnerungen“