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Kulissenhaus und Werkstatt

Nebengebäude des Theaters im Tappenhagen war einst das „Hoftheater-Decor-Magazin“
Die Athene-Figur (oben zwischen den Fenstern) zierte das alte Theater, bis es abbrannte. Foto: S. Krieg
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Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und mehr ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Heute im Blick: das sogenannte Kulissenhaus des Mecklenburgischen Staatstheaters.

Ulrich Altermann ist mit dem Begriff „Kulissenhaus“ erstmal gar nicht einverstanden. Für ihn, den Malsaal-Vorstand, handelt es sich vielmehr ganz schlicht um das „Werkstattgebäude“. Ja, das passt schon, sind dort doch die Tischlerei des Theaters und der Malsaal inklusive Deko- und Polsterabteilung untergebracht. Das Kulissenhaus, sagt Altermann, sei doch der moderne Trakt da drüben. Altermann deutet auf den Anbau an der Rückseite des Theaterhaupthauses. Dieses „Dekorationsmagazin“ entstand in den Jahren 1984 bis 1987. Es beherbergt unter anderem auch den Kostümfundus.

Das eigentliche, das alte Kulissenhaus in der Straße Tappenhagen, nur wenige Meter vom Großen Haus entfernt, wurde schon etwa um das Jahr 1885 errichtet. Höchstwahrscheinlich lagen dem Bau Pläne von Georg Daniel zu Grunde, der sich wiederum an dem Stil des neu gebauten Demmler-Theaters, des heutigen Mecklenburgischen Staatstheaters, orientierte. Das alte Theater brannte am 16. April 1882 nieder. Erhalten geblieben ist eine Skulptur der Athene, die nach dem Brand in die Westfassade des Kulissenhauses eingearbeitet wurde und noch heute von dort zum Theaterhauptgebäude herüberblickt.
An der Stelle, wo seinerzeit das Kulissenhaus entstand, wurden kurz zuvor drei Wohnhäuser abgerissen. Das Backsteinhaus bildete damals das Endes einer Häuserzeile – bis zu DDR-Zeiten einige angrenzende Bauten abgerissen wurden. Jetzt steht das Kulissenhaus frei.

Die Adressenzuordnung variierte übrigens über die Jahre. Inzwischen zählt der Bau zum Tappenhagen, während er davor zur Glaisinstraße gehörte. Im „Wohnungsanzeiger von Schwerin 1902“ ist als Adresse noch Kleiner Moor 4 angegeben, und genannt wurde das Gebäude darin auch nicht Kulissenhaus, sondern „Hoftheater-Decor-Magazin“.
Am 10. August 1967 brannte es innen samt Dachstuhl nahezu vollständig aus. Ein Jahr und drei Monate später war das Magazin neu ausgebaut und wurde dem Theater wieder übergeben.
Derzeit beherbergt das Haus im Erdgeschoss die Tischlerei; die Thea­termaler nutzen die zweite und dritte Etage, und im Spitzboden wird genäht und gepols­tert.
Das Kulissenhaus ist Landeseigentum und steht unter Denkmalschutz. Stefan Krieg