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Im Glanz französischer Renaissance

Das Neustädtische Palais gehört zu den Prachtbauten der Schelfstadt
Hausherrinnen: Justizministerin Uta-Maria Kuder (re.) und Staatssekretärin Birgit Gärtner (li.)
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Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und mehr ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Heute in der Puschkinstraße, wo das Neustädtische  Palais aus der Geschichte Schwerins und der Schelfstadt erzählt.

Als Herzog Friedrich Wilhelm 1705 die „Declaration von Anbau- und Extendierung der bey der Alten Residentz-Stadt und Vestung Schwerin nahe anliegenden bisher so genannten Schelfe“ verfügte, war der Weg für ein neues Stadtviertel frei. Entlang der heutigen Puschkinstraße entstanden nun die ersten Häuser. Der Herzog winkte sogar mit „Fördermitteln“, indem er potenziellen Bauherren kostenloses Bauholz und einen Baukostenzuschuss in Aussicht stellte.  Er selbst kaufte für seinen Bruder Christian Ludwig ein Grundstück mit mehreren Gebäuden, aus denen nach einem Umbau ein standesgemäßer Wohnsitz für den Prinzen wurde. Dieser sogenannte Prinzenhof stand an der Stelle des heutigen Neustädtischen Palais’ und wurde neuesten Erkenntnissen zufolge auch in die Planung des Witwensitzes für Prinzessin Charlotte Sophie integriert. Deren Gemahl, Erbprinz Ludwig zu Mecklenburg, war 1778 verstorben. Im Jahr darauf hatte Hofbaumeister Johann Joachim Busch mit der Planung einer backsteinernen Dreiflügelanlage nach französischem Vorbild begonnen. Charlotte-Sophie, die ihren Mann um 22 Jahre überleben sollte, bewohnte dieses Witwenpalais bis zu ihrem Tod 1810.
Glanzvolle Zeiten brachen auf der Schelfe an, als Hofbaurat Demmler das Palais zwischen 1847 und 1849 im Auftrag von Großherzog Friedrich Franz II. zum provisorischen Residenzschloss umbaute. Jetzt entstand auch der Festsaal. Demmler, der in der gleichen Zeit auch am Umbau des Schweriner Schlosses arbeitete, schuf für beide Prachtbauten reich dekorierte Repräsentationsräume. Als 1913 der berühmte Goldene Saal im Schloss durch einen Brand vollständig zerstört wurde, bewahrte fortan der „kleine Bruder“ in der Schelfstadt die Erinnerung an diesen Schatz.

Apropos Schatz: Purer Luxus entfaltete sich, als das Neustädtische Palais im 19. Jahrhundert noch einmal sein Gesicht veränderte. Diesmal war es Hermann Willebrand, der für Erbgroßherzog Friedrich Franz, den späteren Großherzog Friedrich Franz III., und seine Frau Anastasia ein fürstliches Domizil schuf. Das reich verzierte Mansardendach und die im französischen Renaissancestil gestaltete Fassade zur heutigen Puschkinstraße zeugten nach außen von einer Pracht, die sich auch im Innern fortsetzte. Hier entstand das reich verzierte Goldene Treppenhaus. Außerdem ließ Anastasia, Enkeltochter des russischen Zaren Nikolaus I., das Palais mit französischen Möbeln und Tapeten ausstatten. Horrende Rechnungen sollen überliefert sein.

1883 starb Großherzog Friedrich Franz II. Jetzt zog seine Witwe und Stiefmutter Friedrich Franz III., die zu diesem Zeitpunkt erst 33-jährige Großherzogin Marie, in das Palais. Sie lebte hier bis 1920 und die Schweriner sprachen bald nur noch vom „Marienpalais“. Anschließend ging das Gebäude in Staatsbesitz über. Jetzt diente es zur Unterbringung verschiedener Behörden, darunter der Verwaltung der Mecklenburgischen Energieversorgung.
1947 wurde das Marienpalais „Maxim-Gorki-Haus“ und Ort politischer und geselliger Veranstaltungen. So mancher Schweriner kann sich noch an seine Jugendweihe im „Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft“ erinnern. Im Festsaal stand jetzt eine Rednertribüne mit Hammer und Zirkel im Ährenkranz und auf der Bühne junge Leute in Rüschenbluse, Blazer und Fönfrisur, die das Jugendweihe-Gelöbnis leierten. Mit dem Einbau der Bühne und dem Umbau des Palais zum Kulturhaus hatte der Architekt Robert Heun die historischen Strukturen des Hauses tiefgreifend verändert.

Erst wenige Jahre liegt der jüngste Wandel zurück:  Seit 2006 ist das Palais Sitz des Justizministeriums von Mecklenburg-Vorpommern. Das prächtige Gebäude in Schwerins „Neustadt“ erstrahlt nun im alten neuen Glanz. Hinzugekommen ist ein moderner Anbau, der das historische Haus um weitere Büros und Besprechungsräume ergänzt. Schlichte moderne Formen und reich verzierte „Erbstücke“ aus der langen Geschichte ergänzen sich dabei aufs Beste. Bau- und kunstgeschichtlich bedeutsame  Räume wie der Goldene Saal sind wieder hergestellt. Der repräsentative Raum steht seit 2008 allen Schwerinern zur Verfügung. Hier finden Konzerte, Ausstellungen und andere Veranstaltungen statt. Für die denkmalgerechte Sanierung erhielt der Betrieb für Bau- und Liegenschaften im Rahmen des Landesbaupreises 2010 einen Sonderpreis. Und mehr noch: Die Erhaltung und Nutzung des denkmalgeschützten Neustädtischen Palais’ bewahrt nicht zuletzt 300 Jahre Stadtgeschichte.