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Hier geht die Post ab

Altes Post- und Telegrafenamt prägt noch heute die Mecklenburgstraße
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Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und mehr ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Heute in der Mecklenburgstraße, zu deren schönsten Gebäuden das alte Postamt zählt.

Trara, die Post ist da… Ob die Schweriner im April 1897 dieses Volkslied gepfiffen haben, ist natürlich nicht bekannt. Dabei rollte nicht nur eine Postkutsche an, sondern ein ganzes neues Postamt in der Kaiser-Wilhelm-Straße, der heutigen Mecklenburgstraße, öffnete seine Türen. Die beiden Großherzogtümer Mecklenburg- Schwerin und Mecklenburg- Strelitz bekamen damit für das Post- und Telegrafenwesen einen repräsentativen Bau. 1892 hatte der Geheime Postbaurat Ernst Hake mit den Arbeiten begonnen. Hake, der an der Berliner Bauakademie studiert hatte, war seit 1890 Mitarbeiter des Reichspostamtes in Berlin und ist Architekt mehrerer Postgebäude. In Schwerin entstand ein Haus im mecklenburgischen Neorenaissance-Stil. Geprägt wird es von Schmuckelementen aus rötlichem Pfälzer Sandstein. Säulen, Skulpturen und auch das siebenteilige Mecklenburger Landeswappen zieren die Fassade und geben dem Amt eine würdevolle Ausstrahlung.
Höchster Punkt des Gebäudes ist die Spitze des 44 Meter hohen Telegrafenturms, der über eine eindrucksvolle Stahlgusskonstruktion verfügt und genau 576 Isolatoren beherbergt. Ebenfalls im Turm befindet sich die Postuhr, deren Ziffernblatt einen Durchmesser von zwei Metern hat.

Insgesamt kostete der Bau des Postamtes rund eine Million Mark. Das Herz des Gebäudes ist noch heute die repräsentative Schalterhalle. Auch wenn hier längst eine moderne Einrichtung die alten Eichenholz-Schalter ersetzt, ist der Reiz des historischen Postamtes noch immer spürbar. Im Sommer, wenn viele Urlauber in der Stadt sind, schauen häufi ger Auswärtige hier hinein und staunen über Säulen, Kreuzgewölbe und alte Fenster: „Sie haben hier in Schwerin aber eine schöne Post!“, heißt es dann immer wieder. Einen Verdienst daran hat auch Heinrich von Stephan, der Generalpostdirektor im Deutschen Reich und Mitbegründer des Weltpostvereins. Er hatte Baugelder für das Projekt beantragt und auch die Ausführung begleitet. Stephan wurde dafür sogar das Ehrenbürgerrecht verliehen, was der Schweriner Magistrat allerdings eigenmächtig in Auftrag gab.
Der Leiter des Stadtarchivs Dr. Bernd Kasten weiß, dass diese Ehre damals im Bürgerausschuss auf mächtigen Widerstand stieß – es gibt darüber eine umfangreiche Akte. Stephan selbst konnte die Würdigung nicht mehr entgegennehmen: Er kam im März 1897 ins Krankenhaus, wo er sich wegen einer schweren Diabeteserkrankung ein Bein amputieren lassen musste. Der Ehrenbürgerbrief wurde bei der Eröffnung des Postamtes am 3. April an seinen Vertreter überreicht.
Nur wenige Tage später, am 8. April, starb Stephan. Heute erinnert ein Denkmal vor dem Eingang an den Mann, der das Postwesen entscheidend prägte. Eine weitere Gedenktafel an der Fassade der Hauptpost macht auf ein düsteres Ereignis in der Schweriner Geschichte aufmerksam.
Während des Kapp-Putsches gegen die Weimarer Republik im März 1920 befand sich im Postgebäude ein Stützpunkt der Putschisten. Von hier eröffneten sie am 15. März 1920 das Feuer auf Demonstranten. Auf der Tafel stehen die Namen von 15 Schwerinern, die bei diesem Angriff starben. Der Gedenkort befi ndet sich rechts neben dem Haupteingang.