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Haus am Hügel: die Waldburg

Vor 127 Jahren wurde der Bau als Villa Sophie errichtet, viele kennen ihn noch als Gaststätte
Im linken Teil des prachtvollen Gebäudes befindet sich eine Wohnung, im rechten eine Anwaltskanzlei. Foto: S. Krieg
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Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und öfter ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Diesmal: die alte Waldburg.

Viele Schweriner kennen die Waldburg noch als einen Ort der gehobenen Gastronomie. Dabei ist das Haus in der Schlossgartenallee 70 nur vergleichsweise kurze Zeit eine Gaststätte gewesen.
Gebaut wurde das prächtige Gebäude nahe des Schweriner Sees 1889 noch als Villa Sophie und acht Jahre später in Villa Waldburg umbenannt. Erster Besitzer war der Geheime Justizrat Ernst Friedrich Albrecht von Koppelow. Ihm wurde das etwa 560 Quadratmeter große Grundstück Anfang Mai jenes Jahres per Schenkungsbrief zugesprochen. Noch im selben Monat erhielt er die Baugenehmigung.
Das Erste, was stand, war der charakteristische Turm; die anderen Gebäudeteile wurden nach und nach hinzugebaut.

Im Jahr 1922 kaufte das Finanzminis­terium Mecklenburg-Schwerin die Villa und veräußerte sie zwei Jahre später an den Händler Carl Hagen; er zahlte für die Immobilie umgerechnet knapp 20.000 Euro. 1925 ließ Hagen den Gebäudekomplex nochmals ausbauen und erweitern. Aber kurz vor Weihnachten verkaufte er seine Villa an einen gewissen Paul Asbeck. Nach dessen Tod blieb seine Witwe noch eine Weile Besitzerin der Villa. Drei Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs wurde die Waldburg gründlich saniert.
1967 übernahm die damalige Kommunale Wohnungsverwaltung die Villa treuhänderisch.

Im Oktober 1976 erfolgte die nächste große bauliche Erneuerung, die zog sich eine Weile hin, schließlich sollte aus dem Wohnhaus ein Restaurant werden. Hinzu kamen Grillhütten auf dem Außengelände. Im Februar 1979, neunzig Jahren nach dem Bau, eröffnete in der Waldburg die zum Getränkekombinat gehörende Gaststätte. Im Juni 1981 wurde sie um ein Gartenrestaurant ergänzt. Noch elf weitere Jahre widmete man sich in der Waldburg der Gastronomie – aber 1992 war Schluss, und der schöne Bau in der Schlossgartenallee, Ecke Franzosenweg, stand leer.

Sieben Jahre rührte sich auf dem Hügel gegenüber des NDR-Landesfunkhauses nicht viel – bis 1999 der Rechtsanwalt Volker Godejohann die Waldburg inklusive des direkt umliegenden Grundstücks ersteigerte. Das gesamte Flurstück zieht sich aber bis kurz vor den Schweriner See herunter und umfasst knapp 4.800 Quadratmeter. Nachdem die Eigentumsverhältnisse geklärt waren, kaufte Godejohann im Jahr 2000 auch dieses Areal dazu – plus Kiosk und einen unmittelbar hinter der Waldburg befindlichen Winkelbungalow.
Der Kiosk wurde entfernt und die Waldburg im Jahr 2003 umgebaut. Wegen des Denkmalschutzes durfte jedoch nicht viel verändert werden. Immerhin ließ der neue Besitzer einen Teil des Gebäudes abreißen und neu bauen, in dem anderen wurden neue Decken und Wände eingezogen sowie eine neue Treppe eingebaut.

Jetzt ist die Waldburg funktionell zweigeteilt: Im Trakt mit dem Hauptturm befindet sich eine Wohnung, in dem anderen die Kanzlei der Rechtsanwälte Volker Godejohann und Thomas Morawiak; einige Räume sind untervermietet. S. Krieg