11.12.2012

Hausgeschichten PR-Anzeige

Ersparnis-Anstalt erzählt Geschichte

Sparkassengebäude in der Puschkinstraße ist das Schweriner Stammhaus des Kreditinstituts
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Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und mehr ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Heute in der Puschkinstraße, wo die „Ersparnis-Anstalt“ den Schwerinern seit dem 19. Jahrhundert bei Geldangelegenheiten zur Seite steht.

Von Sockeln an der Fassade schauen sie auf die Vorübergehenden: die Wohltätigkeit, die Arbeitsamkeit und die Sparsamkeit – Tugenden, die der Bürger mit diesem Haus verbinden sollte. Daneben die lebensgroßen Figuren von Bauer und Handwerker, die zeigen, um wen es hinter diesen Wänden geht: um den „kleinen Mann“, der sein Geld klug verwalten und mehren sollte. Das Gebäude in der Puschkinstraße 2-4 ist in Schwerin das Gründungshaus der Sparkasse. Hier, in der „Ersparnis-Anstalt“, sollten auch „minder Begüterte Gelegenheit erhalten, ihre geringen Ersparnisse vorteilhaft zu nutzen“. So formulierte es Justizrat Ernst Johann Wilhelm von Schack, der in Mecklenburg-Schwerin der Sparkassenidee auf die Füße half. 1821 unterzeichnete Großherzog Friedrich Franz I. die erste Satzung der „Ersparnis-Anstalt“ zu Schwerin, deren Gründungskapital Regierungsbeamte und namhafte Bürger zur Verfügung gestellt hatten.
Zuerst war das Kassenlokal im Hofmarschallamtsgebäude untergebracht, das sich in der heutigen Schlossstraße befand. Doch diese Räume wurden schnell zu klein. Außerdem musste zum Schutz von Geld und Wertpapieren eine ständige Nachtwache eingerichtet werden. Nächste Adresse war ab 1835 das Rathaus, bevor 1857 endlich ein eigenes Gebäude bezugsfertig war.
Dieses entstand in Nachbarschaft der Schelfkirche an der Ecke Lindenstraße/Königsstraße (heute Puschkinstraße), wo die Ersparnis-Anstalt mehrere baufällige Häuser kaufte und die Grundstücke neu überplanen ließ. Beauftragt wurde Theodor Krüger, der sich in Schwerin später auch als Architekt der Paulskirche einen Namen machte. Er entwarf ein repräsentatives Bauwerk mit reich geschmückter Fassade, das aber gleichzeitig auch nach den modernsten Sicherheitsstandards der Zeit ausgestattet war. So erhielt zum Beispiel die Schatzkammer zusätzlich verstärkte Wände und eine gewölbte Deckenkonstruktion. Repräsentativ und modern ging es auch in den folgenden Jahrzehnten weiter: Ende des 19. Jahrhunderts wurden in dem Gebäude eine Zentralheizung für die Geschäftsräume und ein Haustelegraph installiert. Getäfelte Wände im Direktorenzimmer, ein Buntglas-Fens-ter im Treppenhaus und weitere Details kamen ebenfalls hinzu.
Heute beherbergt das Haus in der Puschkin-Straße eine von acht Sparkassen-Geschäftsstellen in Schwerin. Wenn Geschäftsstellenleiterin Angelika Barczewski durch die historische Kassenhalle geht, freut sie sich, dass so viel von der einstigen Pracht erhalten geblieben oder wieder zum Vorschein gekommen ist. „In Zeiten der DDR war dieses Gebäude innen total verbaut“, erzählt sie. Verschiedene Sanierungsmaßnahmen brachten nach 1990 innen und außen den alten Glanz zurück. Und so kommt es heute häufiger vor, dass plötzlich Touristen in der Kassenhalle stehen, die keine Beratung wünschen, sondern nur mal gucken wollen. „Viele werden durch die Figuren an der Fassade auf das Gebäude aufmerksam“, weiß Angelika Barczewski. Der Bildhauer Carl Georg Ludwig Wiese, der auch an der Ausschmückung des Schweriner Schlosses beteiligt war, schuf sechs der Statuen aus Zementguss. Die siebente auf dem Pfeiler neben dem Eingang Puschkinstraße kam 1901 dazu. Sie stammt aus der Werkstatt von Hugo Berwald, von dessen Werken in Schwerin unter anderem das Denkmal für Großherzogin Alexandrine im Grünhausgarten und den Brunnen „Rettung aus Seenot“ vor dem Bahnhof erhalten sind. Weitere Figurengruppen befinden sich im Vestibül hinter dem einstigen Haupteingang in der Lindenstraße. Auch diese drei Reliefs halten für Eintretende moralische Ertüchtigungen wie den Sinnspruch  „Spare in der Zeit, so hast du in der Not“ bereit.
Und wenn auch die Menge der Details die Entscheidung fürs schönste unmöglich macht: Ganz besonders mag Geschäftsstellenleiterin Angelika Barczewski die alte Standuhr in der Kassenhalle. Ihr Schlagen begleitet wie der Klang der Glocken der benachbarten Schelfkirche seit Jahren Kunden und Mitarbeiter von Ersparnis-Anstalt und Sparkasse durch den Tag.