Hausgeschichten

Die „Idylle am Ziegelsee“

Das ehemalige Wohnhaus des Dichters Hans Franck in Frankenhorst
Heute gehört Francks umgebaute Villa zum Seehotel Frankenhorst
like-imagelike-image
share email
dislike-imagedislike-image

Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und öfter ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Diesmal: das Haus des Dichters Hans Franck.
In beiden Diktaturen, die Hans Franck erlebte, Nazis und DDR, wurde er staatlicherseits eher geduldet als goutiert. Dabei war Franck, der konservative Schriftsteller, dem Dritten Reich wohlgesonnen und zählte sogar 1933 zu den 88 (!) Unterzeichnern des „Gelöbnis treuester Gefolgschaft“ zu Adolf Hitler.

Er publizierte in den Folgejahren zudem immer wieder auch sehr regimefreundliche Texte. Aber sein ganzes Schaffen passte dann offenbar nicht ins nationalsozialistische Weltbild. So schrieb der Gaupressewart Schulz im November 1933 über die Aufführung von Francks Schauspiel „Scherben“ im Staatstheater: „Ich gebe zum Schluß der Hoffnung Ausdruck, daß dieses Werk auf alle Zeiten vom Spielplan verschwindet und der Jugend nicht wieder die Gelegenheit gegeben wird, ein derartig zersetzend und vergiftend wirkendes Stück ansehen zu müssen.“

Später hielt sich Franck mit politischen Äußerungen weitestgehend zurück. Er genoss sein Leben als Autor, verfasste Romane, Novellen, Biografien, Lyrik. Ludwig Bäte schwärmt im Juli 1954 anlässlich Hans Francks 75. Geburtstag in der Zeitung „Der Demokrat: „Es ist Feld und Wald um ihn, und die Musik erhöht täglich die bukolische Idylle am Ziegelsee. Beides, die Sprache der Heimat und die Musik, formten sein zuchtvolles Deutsch, das stark und schön in die Welt hineinklingt.“

Im Jahr 1924 kaufte der gebürtige Wittenburger ein gut 120.000 Quadratmeter großes Grundstück in Wickendorf (das erst seit 1936 zur Stadt Schwerin zählt). Frankenhorst nannte er sein kleines Reich am Ziegelsee. Der Dichter bewohnte fortan das dort befindliche Gutshaus, das zuvor wahrscheinlich dem Besitzer einer Zementfabrik gehörte, die sich einst gleich in der Nähe befand.
In ihrer Chronik „825 Jahre Wickendorf“ beschreiben die Autorinnen Christine Sernau und Monika Schubert Hans Francks Villa so: „Sie besaß zu Zeiten des Dichters eine rote Ziegelfassade, die mit erhabenen Mus­tern, einer Zackenreihe unter den Fenstern des Obergeschosses und einem weiteren Zahnfries in Höhe des Erdgeschosses versehen war.“ Für den Schriftsteller sei Frankenhorst ein idealer Ort gewesen, „um hier in Liebe zur Kunst, aber auch zur Natur und zur Landwirtschaft zu leben“. Gern spazierte er durchs Grün am See und ließ dabei seine Gedanken schweifen.

Hans Franck gefiel es in Wickendorf so gut, dass er sein geliebtes Frankenhorst auch zu DDR-Zeiten nicht verließ, während seine Tochter Ingrid und sein Sohn Bernd lieber nach Westdeutschland zogen. Allerdings mussten die Francks 1945 kurzzeitig sowjetische Offiziere bei sich wohnen lassen. Auch seine Frau Gretel blieb in Schwerin. Sie starb 1955 und wurde in einem schönen Urnengrab an dem Weg von der Villa zum See beigesetzt. Hans Franck, geboren am 30. Juli 1879, blieb bis zu seinem Lebens­ende am 11. April 1964 auf Gut Frankenhorst und wurde auch dort beerdigt (inzwischen befindet sich die Grabstätte der Eheleute Franck auf dem Alten Friedhof).
Von dem Zeitpunkt an hätten nur der Gärtner samt Familie und die Haushälterin noch dort gewohnt, schreiben Sernau und Schubert. Das Anwesen erbte Francks Tochter und nach ihrem Tod 1966 deren Ehemann, der in Westberlin lebte. Er vermietete die Immobilie an die Stadt Schwerin.

Im Jahr 1976 kaufte ihm die Stadt das Areal samt Gebäuden ab. Das frü­here Dichterhaus wurde umfunktio­niert zur Wache und zur Telefonzentrale für das nebenan befindliche Gäs­tehaus der Bezirksleitung der SED. Dies entstand im ehemaligen Ausflugslokal „Seelust“, das 1929 eröffnet wurde. 1987 hat dort sogar Erich Honecker übernachtet. Aber bereits zirka 1980 begann der Umbau zu einem Ferienheim. Beide Gebäude gehören heute zum Seehotel Frankenhorst, das in den 1990er Jahren in Betrieb ging. Das Hotel lädt regelmäßig zu Hans-Franck-Literaturabenden ein und führt auch eine kleine Hans-Franck-Bibliothek. S. Krieg