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Das Wohnhaus Des Baumeisters

Georg Adolf Demmler war der Erste, der auf dem neu gewonnen Boden am Pfaffenteich baute
Das Demmler-Haus, von der Arsenalstraße am Pfaffenteich-Südufer aus gesehen Foto: S. Krieg
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Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und mehr ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Heute: das Demmler-Haus am Pfaffenteich.

Damals zählte das Gelände am Südufer des Pfaffenteichs nicht zum Stadtkern, ja es war nicht mal so richtig Stadt. Mitte des 19. Jahrhunderts wollte der Großherzog dies ändern: „Sein ganzes Interesse […| wandte Paul Friedrich sehr bald dem […] Erweiterungsplane zu, der eine Umbauung des Pfaffenteiches im Süden und Westen vorsah“, schreibt Dr. Wilhelm Jesse in seiner „Geschichte der Stadt Schwerin“. Der Plan wurde auch zügig umgesetzt.
Bei der Aufschüttung eines Damms von der Friedrichstraße (damals „Neue Straße“) bis zur Trasse der heutigen Arsenalstraße „hob sich die Modde des Teiches und bildete bald neuen Boden“ (Jesse). Dieses Areal konnte schon bald bebaut werden. Kein Geringerer als Georg Adolf Demmler begann damit – sehr zur Freude Paul Friedrichs, der den Baumeister schon mehrfach aufgefordert hatte, sich in Schwerin ein eigenes Wohnhaus zu errichten.

Wenige Tage vor seinem Tod im März 1842 schenkte der Großherzog dem Architekten das Baugrundstück und genehmigte auch die Baupläne. Demmler kaufte noch ein angrenzendes Grundstück in der Poststraße (heute Mecklenburgstraße) dazu und begann im Juni 1842 zu bauen. Das Nebenhaus war im Oktober 1843 fertig, das Haupthaus im November 1844. Ein Wintergarten verband die beiden Gebäudeteile.
Zunächst bewohnte er das Haus zusammen mit seiner Frau selbst, vermietete es jedoch ab Juli 1851, weil beide mehrere Jahre durch Europa reisten. Das Erdgeschoss allerdings wurde von vornherein für gewerbliche Zwecke genutzt. Unter anderem boten ein Kaufmann, ein Uhr- und ein Schuhmacher dort ihre Dienste an.

Als Demmler 1857 wieder in Schwerin war, ließ er das Haus umbauen, dies dauerte bis 1858. An der Pfaffenteichseite kamen ein Turm und ein Erker hinzu; ein zweiter Turm entstand um die Ecke in der Poststraße.
Der Baumeister wohnte bis zu seinem Tod im Januar 1886 selbst in dem Haus, obgleich er ab 1862, als seine Frau verstorben ist, Teile des Gebäudes vermietete.
Das Haus durfte nach seinem Ableben nicht verkauft werden, so hatte Demmler es in seinem Testament verfügt. Stattdessen hat man es seinem Wunsch gemäß in die Demmlersche Familienstiftung übernommen. Umgebaut wurde dann jedoch des öfteren (wahrscheinlich erstmals Anfang des 20. Jahrhunderts), vor allem zum Zwecke der Ladeneinrichtung. 1961 wurde die Fassade an der Hermann-Matern-Straße (heute Mecklenburgstraße) neu geputzt und teils restauriert. Die untere Etage nutzte zu DDR-Zeiten lange das Herrenbekleidungsgeschäft Meyer.

1993 ließen die neuen Besitzer, die Familie Karsten, das Demmler-Haus umfangreich sanieren. Inzwischen wird das Gebäude in erster Linie durch Firmen genutzt, unter anderem eine Bäckerei, ein Foto-Fachgeschäft, eine Versicherung, eine Personalvermittlung, Steuerberater und ein Friseur. S. Krieg