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Das „Puppenhaus“ von Schwerin

Nach dem Bau des Hauses Schloßstraße 32/34 wurde die Schloßstraße zum Marienplatz verlängert
Foto: S. Krieg
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Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und öfter ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Diesmal: das Haus Schloßstraße 32/34.
Maximilian Preibisch ist schuld, dass das Gebäude einst „Puppenhaus“ genannt wurde. Der österreichische Bildhauer, der damals in Boizenburg lebte, schuf die Frauenfiguren und Reliefs, die dessen Backsteinfassaden zieren. Diese Kleinode aus blau glasiertem Terrakotta waren für die Schweriner aber nichts weiter als „Puppen“. Dabei lockern die Figuren das strenge Antlitz des Hauses auf und tragen damit zu dessen Charme bei.

Sabine Bock beschreibt das „Puppenhaus“ in ihrem Buch „Schwerin. Die Altstadt“ wie folgt: „Der in seinen Grundformen sehr schlichte Bau erhält durch den ungewöhnlich ausgeformten Dachabschluß, die über dem vierten Vollgeschoß eingefügte kräftige Schautraufe und die rustizierend ausgebildeten Pfeiler im Erdgeschoß ebenso seinen expressionistischen Charakter wie durch die dem ersten Obergeschoß an der sechsachsigen Fassade zur Mecklenburgstraße vorgelagerte verputzte Säulengalerie mit den fünf zwischen die hochrechteckigen Fenster gestellten Plastiken.“

Der Architekt Paul Nehls lehnte sich mit der Gestaltung des Gebäudes an das Chilehaus in Hamburg an. Gebaut wurde dann ab Juni 1927; Bauherr war der Zimmermeister Gustav Niemann. Zuvor mussten aber die zwei alten Fachwerkhäuser in der Kaiser-Wilhelm-Straße (heute Mecklenburgstraße) abgerissen werden. Darin befanden sich bis dahin das Spirituosengeschäft Tede & Schlie sowie die Möbelhalle Warnke. Das Fundament zu legen, war wegen des üblichen Problems in der Schweriner Altstadt ziemlich schwierig: hohes Grundwasser. Im Herbst 1928 war das Haus endlich fertig.

Mit dem Bau begann gleichzeitig der Durchbruch der Schloßstraße zum Marienplatz. Um den Platz zu erreichen, wurden jedoch von 1929 bis 1931 weitere Häuser abgerissen. So verschwand unter anderem ein Teil der damaligen Militärbäckerei.

Von Anfang an befanden sich in dem Backsteinbau sowohl Wohnungen als auch gewerblich genutzte Räume; zum Beispiel hatten in den dreißiger Jahren eine „Wettannahme“ und die „Ausstellung Honig“ dort ihren Sitz. In den sechziger Jahren wurde im Erdgeschoss unter anderem Damenwäsche verkauft.
Inzwischen nutzt die Commerzbank einen Großteil der Fläche; die Filiale zog im August 1996 in das „Puppenhaus“. S. Krieg