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Das erste Haus am (Markt)Platze

Schweriner Rathaus wurde mehrfach wieder auf- und umgebaut
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Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und mehr ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Heute im Rathaus, dessen Aussehen sich nach mehreren Stadtbränden und Umbauten immer wieder verändert hat.
Touristen suchen hier Rat – in der Tourist-Information im Erdgeschoss. Die Stadtvertreter beraten – im Demmlersaal in der ersten Etage. Und wer raten möchte, welches Kleid die Braut trägt, weil gerade mal wieder eine Kutsche auf dem Markt parkt, ist hier ebenfalls richtig. Aber das allein macht natürlich noch kein Rathaus aus. Wichtig ist auch, dass es da s Stadtrecht und den Einfluss der Bürger symbolisiert – sozusagen als erstes Haus am (Markt)Platze.
Das Schweriner Rathaus wurde erstmals 1351 erwähnt. Wie dieser mittelalterliche Bau ausgesehen hat, lässt sich heute nicht mit Sicherheit sagen. Ein gotisches Giebelhaus mit Schaugiebeln und Arkadengängen ist eine Annahme. Für die Laubengänge liefert das bestehende Bauwerk allerdings keinen Beweis. „Wir wissen nicht, ob es sie wirklich gegeben hat“, sagt Joachim Schmidt, Abteilungsleiter Denkmalpflege bei der Stadtverwaltung. Fest steht jedoch, dass der Spitzbogen auf der Schlachtermarktseite zu den ältesten Gebäudeteilen des Schweriner Rathauses gehört.
Das Gebäude veränderte sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder. Der mittelalterliche Bau wurde bei Stadtbränden 1531 und 1558 schwer beschädigt. Beim zweiten dieser Brände blieben nur wenige Reste des gotischen Rathauses erhalten. Sie wurden in den Neubau einbezogen, der auf den alten Grundmauern erfolgte und 1567 abgeschlossen wurde. Erneut erhielt das Rathaus zwei repräsentative Giebel zur Ost- und zur Westseite, die vermutlich mit Terrakotten geschmückt waren – das legen zumindest Funde aus Baugruben am Rathaus nahe. Außerdem gab es einen Uhrturm, der 1575 errichtet wurde und das Rathausdach weit überragte. Das war sehr wichtig, denn die Uhr des Rathauses war in vielen Städten die einzige öffentliche Zeitanzeige. Das Schweriner Rathaus als weithin sichtbares Gebäude zeigt ein Merian-Kupferstich von 1640, auf dem Haus und Turm neben dem Dom aus dem Häusermeer ragen. „Allerdings ist auch dieses Aussehen nicht genau belegt, da Merian bei seinen Arbeiten generalisiert hat“, sagt Joa-
chim Schmidt. Der Stich liefert aber eine ungefähre Vorstellung vom Schweriner Rathaus in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.
1651 brach wieder ein Feuer aus. Der wohl verheerendste Stadtbrand zerstörte das Rathaus und 150 weitere Häuser. Der Wiederaufbau fiel bescheidener aus – Prunk konnte sich die Stadt einfach nicht leisten. 1733 gab es dann noch mal eine Erweiterung nach Norden. Ein scheunenartiges Aussehen, das dem Rathaus in dieser Zeit attestiert wurde, weist Joachim Schmidt aber zurück. „Sicher war es ein schlichter Bau, aber auch nicht weniger“, sagt er. Trotzdem musste im 19. Jahrhundert  der spätere Schlossbaumeister Georg Adolph Demmler Hand anlegen. So entstand die heutige Marktfassade im Stil der Tudorgotik – das Schweriner Rathaus hatte wieder sein Gesicht verändert. Der letzte große Umbau erfolgte 1983 bis 1985, als die Rückfront zum Schlachtermarkt zwei neue Backsteingiebel erhielt. Während dieses Umbaus nahm der Schweriner Denkmalpfleger und Historiker Nils Rühberg das Mauerwerk genau unter die Lupe. Ihm ist es zu verdanken, dass die spärlichen Überlieferungen um konkrete Befunde ergänzt werden konnten, die Rückschlüsse auf die ältere Baugeschichte zuließen. Heute ist das Rathaus eines der repräsentativen Gebäude am Markt. Für die Stadtverwaltung ist es allerdings schon lange zu klein: 1998 zog der Oberbürgermeister ins neue Stadthaus am Packhof, im Rathaus wurde jetzt der Sitzungssaal der Stadtvertreter ausgebaut. Der Goldene Reiter auf dem Dach hat dagegen schon länger ein Auge auf das Treiben zu seinen Füßen: Die Figur wurde bereits 1744 aufgestellt.