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Tenor und Marathon-Mann

Mitbegründer des Fünf-Seen-Laufs, Shanty-Sänger, doppelter Vereinsvorsitzender: Joachim Knipp
Rentner Joachim Knipp (66) engagiert sich auf vielfältige Weise ehrenamtlich. Foto: S. Krieg
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1976 war das Jahr, in dem Waldemar Cierpinski zum ersten Mal Marathon-Olympiasieger wurde – und in dem der gleichaltrige Schweriner Joachim Knipp den Laufsport für sich entdeckte. „Eigentlich wollte ich nur etwas abnehmen“, sagt der heute 66-Jährige. Aber die erste Runde um den Faulen See wurde für ihn fast wie der Lauf in ein neues Leben.
Schon ab 1978 nahm er DDR-weit an Ranglistenläufen teil, rannte teils auch Bergstrecken mit. Der Rennsteiglauf 1979 beeindruckte ihn ganz besonders: „5.000 Leute, die 50 Kilometer laufen – der Wahnsinn. So was in der Art müssen wir in Schwerin auch machen“, haben wir uns gesagt. „Wir“, das waren erstmal nur Knipp und dessen alter Freund Dietmar Büch, der mit ihm die Strecke auf dem Thüringer Höhenweg absolvierte.

In der hiesigen Läuferszene kamen die beiden mit ihrer Idee nicht weit – bis Dietrich Barthel zu ihnen stieß, der gleich „Feuer und Flamme“ für den Gedanken war. Er wurde Leiter des Organisationsbüros für das Sport-Event, das seine Erfinder Fünf-Seen-Lauf nannten. Der erste fand im Jahr 1985 statt, und Joachim Knipp zählte zu den Organisatoren der Veranstaltung.

Beruflich war der Hobbysportler damals übrigens für die Partei tätig, also nicht für die Partei, sondern für die National-Demokratische Partei Deutschlands (NDPD). Bereits 1968, als 19-Jähriger, war er der Blockpartei beigetreten; fünf Jahre später übernahm er dort zum ersten Mal einen hauptamtlichen Posten.
Zuvor studierte er an der TU Dresden drei Jahre lang Verarbeitungs- und Verfahrenstechnik, wobei ihm der Abschluss verwehrt blieb. Danach arbeitete er noch als Bauarbeiter, Papiermaschinengehilfe und Wirtschaftsprüfer, bevor er in der NDPD unter anderem Kreis-Sekretär und politischer Mitarbeiter des Bezirksverbandes wurde. Parallel fernstudierte er von 1975 bis 1979 Staats- und Rechtswissenschaften.
In der Wendezeit hatte sich die Sache schnell erledigt.

Von 1990 bis 1994 verdiente er sein Geld bei einem Hamburger Adressbuch-Verlag. Die Bezahlung war gut, dennoch sehnte er sich  nach Veränderung. Von 1994 bis 1998 studierte er zum dritten Mal, diesmal – direkt – an der Hochschule Bremen, Fachbereich Sozialwesen. Nun Diplom-Sozialpädagoge arbeitete er dann von 1998 bis 2001 als Integrationsberater der Agentur der Wirtschaft, half dort im Rahmen eines Modellprojekts, Schwerbehinderte ins Arbeitsleben einzugliedern. Die Aufgabe sei sehr komplex gewesen und daher eine große berufliche Herausforderung, sagt er.
Danach wurde er auf andere Art herausgefordert: Er leitete für das Kloster Dobbertin in der Nähe von Parchim ein Pflegeheim für Alkoholabhängige und bis zum Renteneintritt 2013 eine Tagesstätte für Suchtkranke in Ludwigslust, eine Aufgabe, die ihm sehr am Herzen lag – so sehr, dass er sich heute noch ehrenamtlich in der Suchtkranken-Hilfe engagiert.

Zeit für sein sportliches Hobby blieb ihm trotzdem immer; er lief sogar mehrere Marathons. Inzwischen kann Knipp jedoch nicht mehr mitlaufen; dies wäre eine zu große Belastung für seine beiden künstlichen Hüftgelenke. Eine angeborene Fehlstellung habe man erst 2005 erkannt, danach folgte die OP. „Beim Brocken-Marathon 2004 habe ich gemerkt, dass etwas nicht stimmt – ich habe überraschend schlecht abgeschnitten“, sagt er. Der Arzt sei jedenfalls nachher verwundert gewesen, dass Knipp die vielen Läufe überhaupt ausgehalten habe.

Seit 2013 ist er Vorsitzender des 2001 gegründeten Opens external link in new windowFünf-Seen-Lauf-Vereins und stellvertretender Leiter des Organisationsbüros. Als solcher hat er diesmal besonders viel zu tun, da für das Lauf-Event reichlich umstrukturiert werden muss.

Und das ist nicht der einzige Verein, in dem Joachim Knipp Verantwortung übernimmt: Erst 2010 in den legendären Chor Opens external link in new windowDe Schweriner Klönköpp eingetreten, wurde er zwei Jahre später gleich Vorsitzender des Klönköpp-Vereins.
Als junger Bursche habe er bereits im Schulchor gesungen, aber es brauchte einige Jahrzehnte und seinen alten Bekannten Gerd Maaß, bis er wieder Mitglied eines Chors wurde. Die beiden kennen sich vom Laufen, und Maaß, der schon länger ein „Klön­kopp“ ist, brauchte Knipp nicht lange zu überreden, auch Teil des Ensembles zu werden.
De Schweriner Klönköpp treten etwa 30 bis 50 Mal jährlich auf. Ihr Repertoire umfasst 85 Lieder, vor allem Shantys. Ob Knipp ein Lieblingslied hat? „Ich singe besonders gern das Lied ‘Santiano‘“, sagt der Tenor, „einen Shanty von ungefähr 1850.“ S. Krieg