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Pfeifenmacher mit Liebe zum Meer

Roland Kirsch stellt in Wittenförden hobbymäßig hochwertige Tabakspfeifen her
Roland Kirsch pafft bei der Arbeit in seiner Werkstatt gern mal ein bisschen Tabak aus einer selbst hergestellten Pfeife. Foto: S. Krieg
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Alles fing damit an, dass Opens external link in new windowRoland Kirsch eine Pfeife und Tabak geschenkt bekam. Das war im Jahr 2000, die Berliner Tabakmanufaktur Planta bedankte sich bei ihm damit nochmal extra für die Anfertigung eines Messestands. „Ich habe also angefangen, hin und wieder, eine Pfeife zu paffen – und bin dann auf den Geschmack gekommen“, sagt Kirsch, der bis dahin nur Zigaretten rauchte und vielleicht mal eine Zigarre.
„Ich habe mir dann weitere Pfeifen gekauft. Gekauft und gekauft. Ich konnte kaum noch an Pfeifen vorbeigehen“, sagt er schmunzelnd. Er schätzt, dass seine Sammlung, gekaufter Tabakspfeifen so um die 200 Exemplare umfasst. Aber wie das so ist, wenn man sich für eine Sache wirklich begeistert: Man steigt immer tiefer ins Thema ein, informiert sich auch im Internet. „Ich habe mich erstmal schlau gemacht, wie die Pfeifen gepflegt und gereinigt werden und bin dabei auch auf ein Video über die Herstellung von Pfeifen gestoßen. Da war für mich klar: Das will ich auch versuchen“, blickt Kirsch zurück.

In der Garage seines Hauses in Wittenförden richtete er sich nach und nach eine Werkstatt ein, besorgte sich Maschinen, Werkzeuge, Materialien. Eine Menge Holz lagert dort nun – sorgfältig nach Herkunft und Sorte geordnet, von Baumheide (Bruyère) über Moor-Eiche bis Olive, das meis­te davon Wurzelholz. Über Holz und Holzverarbeitung weiß Roland Kirsch aber schon lange sehr gut Bescheid.
Geboren wurde der 65-Jährige in Hildburghausen (Thüringen), wo er nach der Schule einen Beruf in der Holzbranche lernte. Kurz darauf diente er in der NVA, stationiert war er in Rostock, also unweit der Küste. „Ich bin bis dahin noch nie an der Ostsee gewesen. Das Meer fand ich so toll, und dazu noch die schöne norddeutsche Landschaft. Da habe ich mir gedacht, hier bleibst du“, erinnert sich Kirsch. Er zog nach Laage, wo er für die LPG Tischlerarbeiten erledigte.

Von 1980 bis 1983 qualifizierte er sich zum Meister für Holztechnik. Später baute er zusammen mit seiner Frau ein Haus in Wittenförden und leitete bis 2003 in Schwerin eine Tischlerei. Nachdem er dort ausgestiegen war, kaufte er sich in Parchim seine eigene Tischlerei, die ihm noch heute gehört. Inzwischen ist zwar sein Sohn Daniel dort Geschäftsführer, aber ganz rausgezogen hat sich der Senior aus dem Unternehmen längst nicht. „Ich besorge zum Beispiel Material und betreue mehrere Baustellen“, sagt er.
Nach seinen Arbeitstagen, die in der Regel bis 17 Uhr dauern, kann er es kaum erwarten, in seine heimische Pfeifen-Werkstatt zu kommen. Täglich verbringt er etwa vier Stunden zwischen Schleifpapier, Bohrern, Sägen und jeder Menge Wurzelholz-Blöcken. Insgesamt dauere es durchschnittlich ungefähr acht Stunden, bis eine Pfeife fertig ist.
Im Jahr 2013 hatte er an einem Pfeifen-Workshop beim Traditionsbetrieb Kallenberg in Tabarz teilgenommen. Daraufhin gelangen ihm die selbst gebauten Pfeifen immer besser. Seine ersten Pfeifen verkaufte er auf Messen in Hamburg, Speyer und München. Der Erste, der bei ihm über die Website eine Pfeife orderte, war ein Mann aus Bayern. Bei Kirschs Online-Geschäft half ihm auch ein Tabakspfeifen-Guru, der sich auf einem Youtube-Kanal mit dem Thema befasst und die Qualität von Kirsch-Pfeifen lobte.

Insgesamt, schätzt der Wittenfördener, habe er bis jetzt rund 60 Pfeifen verkauft. „Ich muss damit aber nicht groß Geld verdienen“, betont er. „Viel wichtiger ist mir die Anerkennung, die ich bekomme.“ Schon jetzt freut er sich auf die Messe für Hobby-Pfeifenbauer am 6. Mai in Lohmar, wo er seine kleinen Kunstwerke präsentieren wird. Als Besucher war er schon mal da. „Das Schöne dort ist die Gemeinschaft. Keiner hebt sich heraus, alle duzen sich und plaudern entspannt über Tabak und Pfeifen“, sagt Kirsch.