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„OMA, SING‘ DOCH MAL RICHTIGES DEUTSCH!”

Gästeführerin Ingeborg Thomas hat das Petermännchen-Lied komponiert und getextet
Ingeborg Thomas, 74, liebt Schwerin. Als Gästeführerin zeigt sie den Touristen die schönsten und interessantesten Ecken der Stadt.
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Frau Thomas, warum trifft man Sie häufig verkleidet in der Stadt?
Ich mache seit 2002 im Schloss und seit 2003 auch in der Stadt Gästeführungen. Und da trete ich oft auch kostümiert auf. In meinem Kleiderschrank hängen die Rehnaer Tracht, zwei Hofdamen-Kostüme und eine Nachtwächter-Verkleidung.  

Ist das Gäste führen zu erlernen?
Ja, natürlich. Ich habe einen IHK-Kurs besucht, in dem ich mir zum Beispiel das allgemeine Wissen über Architektur, Bauten und Geschichte der Stadt angeeignet habe. Eingeschlossen darin war auch das Erlernen der entsprechenden Fachbegriffe in englischer Sprache.
Aber man muss auch eine „Ader” dafür haben, neugierige Touristen durch eine schöne Stadt zu führen. Eigentlich begann alles damit, dass ich vor einigen Jahren ausländische Freunde durch Schwerin führte und sie mir dann ein großes Kompliment machten. „You can work as a guide!”, sagten sie zu mir. Also, wenn es nach ihnen ginge, könnte ich als Gästeführerin arbeiten.

Ist es nicht sehr eintönig, den Touristen immer das Gleiche zu erzählen?
Da haben Sie wahrscheinlich ein falsches Bild von uns Gästefüh-rern! Ich werde für die verschiedensten Veranstaltungen und Führungen gebucht. Sehr gut bei Einheimischen und Touristen kommt zum Beispiel der von mir plastisch dargestellte Lebensabriss von der Blumenfrau Bertha Klingberg an. Ich zeige den Leuten - natürlich in der auch von der Blumenfrau getragenen Rehnaer Tracht - Fotos, erzähle Episoden aus dem Leben der Schweriner Ehrenbürgerin und singe Lieder. Da kommt richtig Stimmung auf.
Und genau das möchte ich auch erreichen. Ich will den Leuten sagen: „Nehmt Euch an Bertha ein Beispiel! Diese Frau liebte das Leben!”
Und sie hatte Humor. Es gibt die Episode, in der Bertha Klingberg - sie muss schon um die hundert Jahre alt gewesen sein - eine Ballonfahrt über ihrer Stadt geschenkt bekam und sich staunend über den Rand des Korbes beugte, um auch ja alles sehen zu können. Der Ballonführer ermahnte sie, sich doch nicht so weit hinaus zu lehnen. Sie würde noch hinaus fallen. Worauf die Klingberg antwortete, dass sie sich keinen schöneren Tod vorstellen könne.
    
Ihr Name ist auch eng mit dem Entstehen des Petermännchen-Liedes verbunden. Die Geschichte müssen Sie uns ganz einfach erzählen!  
Ja, die war ganz lustig. Als vor drei Jahren mein Enkel aus Berlin bei mir zu Besuch war, habe ich ihn mit zu einer Führung in das Schloss genommen. Er war fasziniert vom Bild des Petermännchens und auch darüber, was ich alles über den Schlossgeist erzählt habe. Als die Führung zu Ende war, forderte er von mir: „Oma, sing mir mal ein Petermännchen-Lied!”
Ich sang ihm in meiner Not das alte Lied mit dem Text von Rudolf Tarnow vor, das so beginnt: „Wer wannert woll ümmer to nachtslapen Tied as Spök dörch dat Sloß tau Swerin?” Da sagt mein Enkel zu mir: „So‘n Quatsch verstehe ich nicht. Singe doch mal richtiges Deutsch!”
Ja, und dann fielen mir die ersten vier Zeilen sofort ein: „Petermännchen wohnt im Schloss, Petermännchen ist nicht groß, alle Kinder lieben ihn, Petermännchen aus Schwerin.” Mein Enkel drängelte. Das Lied sollte weitergehen. Auf dem Nachhauseweg „bastelten” wir am Text. Daheim angekommen, machten wir gleich mit Gitarrenbegleitung weiter ...
Mein Sohn in Berlin ist Musiker. Er mischte später den musikalischen Hintergrund zu den gesungenen Zeilen. Mittlerweile liegt eine CD mit dem Petermännchen-Lied vor.

Wo wird das Lied gespielt?
Als die CD fertig war, habe ich sie gleich an den Rundfunk geschickt. Dort hatte man jedoch keine Verwendung dafür. Aber mittlerweile ist es zumindest in den Kindertagesstätten sehr bekannt. Die Touristen freuen sich auch immer, wenn es vorgetragen wird. Im Festumzug zur 850-Jahrfeier durfte das Lied natürlich nicht fehlen. In einem Bild des Umzuges tanzten viele kleine Petermännchen zu der Musik.
Man kann die CD übrigens in der Tourist-Information in der Puschkinstraße käuflich erwerben.

Haben Sie einen Lieblingsplatz in Schwerin, an den Sie die Touristen gerne führen?

Der Alte Garten mit seinen repräsentativen Gebäuden drumherum steht da schon ganz oben auf der Liste. Aber mein Tipp ist immer wieder die Schelfstadt mit ihren alten Fachwerkhäusern. Sie wird völlig zu Unrecht von den Touristen nicht so stark frequentiert.