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MIT BASILIKUM FING ALLES AN

Biogärtner Dirk von der Ehe setzt Akzente auf Schwerins Frischemärkten
Nur in Spitzenjahren, also bei idealem Wetter, können Biogärtner wie Dirk von der Ehe 80 bis 95 Prozent ihres Gemüses ernten.
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Da haben wir den Salat. Dirk von der Ehe runzelt die Stirn, bückt sich, um die kleinen grünen Blätter zwischen den Fingern zu reiben. Eine Schneckenbande hat sich über den Feldsalat hergemacht. Dabei haben sie ihn das ganze Jahr in Ruhe gelassen. Und jetzt das. Weiter hinten in den Reihen sieht es besser aus. Seine Stirn entspannt sich. Das dürfte reichen, um den großen Appetit der Schweriner auf frisches Grünes zu stillen.
Dirk von der Ehe ist Biogärtner. Nicht einer, der sich im Gewächshaus versteckt, sondern einer zum Anfassen. Wer gern über Schwerins Frischemärkte schlendert, der kennt den großen Mann mit dem freundlichen Gesicht. Sein Name klingt wie der eines Minnesängers. Seine Kunst indes besteht darin, eine grüne Geschmacksvielfalt anzubieten und mit seinen Blumen die Märkte in Farben zu tauchen.
Die Faszination am Gärtnern verfolgt Dirk von der Ehe, 1968 in Nordhessen geboren, seit Jugendjahren.  Auf einem Bauernhof wächst er auf. Dann beginnt er eine Lehre als Gärtner mit der Absicht, später Gartenbau zu studieren. Mehr und mehr interessiert ihn der ökologische Landbau. Er schreibt sich an der Uni ein. Doch beim Kontakt mit Geisteswissenschaftlern lässt er sich infizieren. Ein Philosophie- und Politik-Studium folgt. Dann schlittert er in den Journalismus, aus dem er sich nach einem Jahr wieder herauszieht. „Am Ende des Tages fehlte mir das erfüllende Gefühl, wow, das ist es“, erinnert er sich. Also heuert Dirk von der Ehe als Gärtner bei Demeter in Berlin an, einem Hersteller von Bioprodukten. Schon bald wird ihm klar: Es muss was Eigenständiges sein. Zufällig liest er eine Annonce, in der jemand einen Gleichgesinnten sucht, mit dem er was Neues in Schwerin aufbauen kann. Also macht sich Dirk von der Ehe im Jahr 2003 auf in die Landeshauptstadt. Da völlig unterschiedliche Vorstellungen aufeinander prallen, wird es nichts aus der gemeinsamen Sache. Einen Winter lang überlegt der Neuankömmling, was zu tun ist. Im Frühjahr 2004 legt er los. Auf dreiviertel Hektar Land. Mit seinem größeren Hausgarten, wie er ihn nennt, will er auf Direktvermarktung setzen. Sein Gemüse auf Wochenmärkten feil bieten und Leuten nahe sein. „Ich habe mich schon als Kind sowohl auf dem Land als auch in der Stadt wohl gefühlt“, sagt er. „Die Verbindung reizt mich. Zu den Leuten hingehen zu können, ihnen zu erklären, warum dies und das wächst.“ Hierbei hat Dirk von der Ehe festgestellt, dass die Schweriner gärtnerisch viel aufgeklärter sind als in Westdeutschland. „Man redet auf einem anderen Niveau. Es gibt welche, die haben richtig viel Ahnung.“
Als Dirk von der Ehe vor sechs Jahren das erste Mal auf den Märkten stand, kam er sich selber noch wie ein Anfänger vor. Aufmerksam horchte er, was die Leute begehrten. So wuchs sein Sortiment heran. Stolz ist er inzwischen auf seine neun Sorten Salat. Selbst im Winter versorgt er die Schweriner mit frisch geerntetem Feldsalat. „Die Qualität, die ich habe, sucht man im Einzelhandel vergeblich“, sagt der Wahl-Mecklenburger, der immer wieder feststellt, wie sehr die Kunden heutzutage vom Supermarktgemüse beeinflusst sind. „Ich versuche von den Nährstoffen her sinnvolle und schmackhafte Sorten anzubieten. Trotzdem. Was ins Auge fällt wird gekauft. Kürzlich hatte ich französische Trauben, die schmeckten göttlich, machten optisch aber nicht so viel her. Die hab ich nicht weg gekriegt.“
Doch wie schafft es Dirk von der Ehe, dass sein Tisch immer so reich gedeckt ist? „Um allein einen Markttag vorzubereiten, bin ich mit meinen beiden Mitarbeitern den ganzen Tag mit Ernten beschäftigt“, sagt er. „Auf den Märkten greifen mir dann zwei weitere Mitarbeiter unter die Arme.“ Es gibt viel zu tun. In den langen Gewächshäusern warten Tomaten, Auberginen, Paprika und unzählige Kräuter darauf, gepflückt zu werden. Bei den Topfkräutern hat Dirk von der Ehe ein glückliches Händchen gehabt. Anfangs fing er spielerisch mit Basilikumpflanzen an und dachte, mal gucken, ob du es hinkriegst. Heute bringen sie ihm fast ein Drittel seines Umsatzes ein. Und erst sein Blumenmeer. Allein 50 Sorten Dahlien und ebenso viele Chrysanthemen stehen in seinem Garten.
Wächst ihm nicht manchmal alles über den Kopf. „In Momenten der Schwäche frage ich mich, warum ich das mache. Wegen der knappen Freizeit, habe ich das Trompete spielen an den Nagel gehängt.“ So bleibe wenigstens noch Zeit für seine Frau und Tochter. Am liebsten fahren die drei nach Parchim, um indisch zu essen. Ansonsten bezeichnet sich Dirk von der Ehe, der seit zehn Jahren Vegetarier ist, als schlichten Menschen: „Kartoffeln, Bohnen und Butter - mehr brauche ich nicht. Und das Gemüse, das ich anbiete esse ich meistens roh.“ Zuhause experimentiere seine Frau gerne mit Salaten und er selbst mit Kräutern. Hätte Dirk von der Ehe damals, als er nach Schwerin kam gewusst, was auf ihn zukommt, er wäre wohl wieder umgekehrt, mutmaßt er heute. „Aber ich bereue es nicht. Ich habe das Gefühl, dass ich das Richtige mache.“