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Horsti, einziger Tagesvater

Horst Homann könnte seine Altersteilzeit ganz in Ruhe verbringen, arbeitet aber lieber noch als Tagespflegeperson
Horst Homann mit vier von acht Kindern, die er derzeit zusammen mit seiner Frau Marlies betreut. Foto: SN live
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Tagespflegeperson ist der offizielle Begriff, aber viel zu sperrig, deswegen bezeichnet sich Horst Homann selbst lieber als Tagesvater – analog zum Begriff Tagesmutter. Und die Kinder nennen ihn sowieso nur Horsti. Aber nicht allein für die Kinder ist der Schweriner etwas Besonderes, sondern überhaupt für unsere Stadt: Während es hier inzwischen schon mehrere Kindergärtner gibt, ist Homann derzeit der einzige Tagesvater.

Der 63-Jährige befindet sich seit drei Jahren in der sogenannten passiven Phase der Altersteilzeit seines Jobs im öffentlichen Dienst. Der tägliche Umgang mit den Mädchen und Jungen im Alter um die zwei Jahre hält ihn jedoch ziemlich aktiv. Ihr Horsti tobt und turnt und spielt mit ihnen – und das, so oft es geht, an der frischen Luft. Allein ist er dabei jedoch nicht. Homann betreibt die, wenn man so will, kleine private Tagesstätte zusammen mit seiner Frau Marlies. Sie hat bereits vor neun Jahren als Tagesmutter angefangen. Als er in Altersteilzeit ging, unterstützte er sie erstmal mehr oder weniger nebenbei. Horsti fand schnell Gefallen an der Arbeit mit den Knirpsen und absolvierte daher vor zwei Jahren eine Ausbildung zur Tagespflegeperson.

Zur Zeit betreuen die Homanns acht Kinder. Da gilt es auch, sich fit zu halten. Für den Tagesvater kein Problem: Er fährt viel Fahrrad (unter anderem jeden Tag zur Arbeit), spielt Badminton und segelt ab und zu.

Beide Tageseltern arbeiteten früher mal auf dem Telekommunikationssektor, sie bei der Telekom, er im Innenministerium. Marlies Homann sagt, sie wolle den Rest ihres Erwerbslebens nur noch mit einer Arbeit verbringen, die ihr Spaß macht. Und diesen Job habe sie endlich gefunden. Ihrem Mann geht es ähnlich: „Das Schöne an dieser Arbeit ist, dass man die sprachlichen und körperlichen Entwicklungserfolge der Kinder täglich mitbekommt. Man sieht auch, wie sie immer selbständiger werden.“ Und dann fügt er schmunzelnd hinzu: „Ich glaube, die Kinder lieben ihren Horsti.“

Die kleinen Racker spielen, lernen, essen, malen, singen und schlafen in einer innerstädtischen Wohnung, die das Ehepaar zur Tagesstätte umgestaltet hat. Das Essen wird hier jeden Tag frisch zubereitet. Die Zutaten dafür kaufen Marlies und Horst zuvor meist zusammen mit den Kindern auf dem Markt.

Im Wesentlichen erledigen die Tagesmutter und der Tagesvater ihre Aufgaben von Basteln bis Windelwechseln gemeinsam, aber einige haben sie aufgeteilt. Er berichtet, dass sie zum Beispiel die Eingewöhnung in der Regel allein übernimmt – und zieht nebenbei einen Ordner aus dem Regal. „Hier, die Portfolios der Kinder, dafür bin ich zuständig“, sagt er. In der Mappe finden sich Bilder, die die Kleinen gemalt haben, und Fotos, die ihren Alltag abbilden. Viele Entwicklungsschritte werden hier festgehalten.

Wie unterscheidet sich nun die Erziehung bei Marlies und Horst von der in einer herkömmlichen Kita? Nicht sehr, sagt der Tagesvater, allerdings: „Dadurch, dass wir hier weniger Kinder haben, können wir individueller auf sie eingehen. Wir lassen den Kindern dabei so viele Freiheiten wie möglich, aber Regeln müssen sie trotzdem lernen.“ Stefan Krieg