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Ein Wahrzeichen für den Schlossgarten

Irmela Grempler hat in den vergangenen Jahren den Aufbau des Jugendtempels koordiniert
Dr. Irmela Grempler
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Am Freitag vor Weihnachten um 16 Uhr schloss Dr. Irmela Grempler ihr „Tempelbüro“. Es war der Tag, an dem der Verein der Freunde des Schweriner Schlosses den neuen Jugendtempel im Schlossgarten offiziell ans Land übergeben hatte. Das heißt aber nicht, dass er damit für Irmela Grempler ad acta gelegt ist: Eine Informations- und Spendentafel am Tempelberg und ein Faltblatt sollen in diesem Jahr entstehen, außerdem gibt es die Idee für einen Sonderstempel, eine Tafel an der Bushaltestelle und dann müsste auch noch die Homepage wieder auf den aktuellen Stand gebracht werden ...

„Dieses Jahr habe ich mit dem Tempel noch gut zu tun“, sagt die 65-Jährige, die in den zurückliegenden Jahren zu den treibenden Kräften für den Wiederaufbau der kleinen Rotunde gehörte. „Ich glaube, ich war auf der Tempelbaustelle häufiger als auf der meines eigenen Hauses“, sagt die Pinnowerin. Und weil sie außerdem immer wieder für die Spendensammlung die Werbetrommel rührte und das Projekt in Schwerin und Umgebung zum Thema machte, kommt es jetzt vor, dass Freunde und Bekannte sagen: „Ich habe mir neulich deinen Tempel angesehen.“

„Dein Tempel“, das klingt schon gut. Aber Irmela Grempler will das Bauwerk gar nicht für sich beanspruchen. Sie hat sich zusammen mit vielen anderen dafür stark gemacht, weil sie der Meinung ist, dass der offene Pavillon die Gesamtwirkung des Schlossgartens, der in diesem Bereich englischer Landschaftspark ist, unterstreicht. Im 19. Jahrhundert war es in adligen und begüterten Kreisen der letzte Schrei, einen eigenen Tempel zu besitzen. Die Bauwerke waren gestalterische Elemente in Gartenanlagen und dienten als Aussichts- und Ruhepunkte. „So wie es heute heißt: Habt ihr einen schönen Wintergarten’, sagte man damals wahrscheinlich: ,Ihr habt aber einen schönen Tempel’“, lacht Irmela Grempler.

Sie kennt den Ehrgeiz, ein schwieriges Projekt anzupacken und zu einem guten Ende zu bringen. Als Referatsleiterin für Querschnitts- und Bauaufgaben in der Landtagsverwaltung war Irmela Grempler viele Jahre für die Koordinierung von Bauprojekten im und ums Schloss zuständig. Zu ihren Sorgenkindern gehörte Anfang der 90er-Jahre die Orangerie. „Eine meiner ersten Aktionen im Frühjahr 1991 war, den Orangeriehof mit schwarzer Folie auslegen zu lassen und den Umgang zu sperren“, erinnert sie sich. Die marode gusseiserne Konstruktion der Pflanzenhäuser musste mit Balken abgestützt werden, aus Rissen in der Balustrade wuchsen die ersten Bäumchen. Die Kostenschätzung für eine Sanierung belief sich auf 30 Millionen DM.

Irmela Grempler und viele Gleichgesinnte warben bei den Landtagsmitgliedern dafür, den einzigartigen Anbau zu erhalten. Die sagten ja zur Sanierung, aus der dann gleich das erste große Spendenprojekt erwuchs: „Die Treppen, die vom Umgang auf den Hof führten, gab es nicht mehr und sie waren daher auch kein Teil des Sanierungsplans“, erzählt die Baufachfrau. Dank einer großzügigen Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist es heute möglich, ausgiebig und von oben nach unten und unten nach oben auf der Orangerie zu lustwandeln. Oder die Viktorien. Die Statuen zweier Siegesgöttinnen des Bildhauers Christian Rauch waren nicht erhalten, für die Herstellung der historischen Blickachse jedoch von Bedeutung – der nächste Anlass für eine ambitionierte Spendensammlung. „Vom ersten Telefonat bis zur Enthüllung der Viktorien hat es etwa sieben Jahre gedauert“, erinnert sich Irmela Grempler.

Ein langer Atem. Der gehört zu ihren Stärken. „Ich bin auf dem Land aufgewachsen, da waren Durchhaltevermögen, Beharrlichkeit und Improvisationstalent gefragt“, erzählt die aus Pastin bei  Sternberg stammende Frau. Für den Jugendtempel ein Segen. Nachdem der Wiederaufbau zur Bundesgartenschau nicht geklappt hatte, schlossen Kreishandwerkerschaft, Schlossverein und der Betrieb für Bau und Liegenschaften 2010 eine Kooperation mit dem Ziel, wieder einen Pavillon auf dem Tempelberg zu errichten. „In diesem Zusammenhang ist unbedingt Gerd Güll zu nennen, der sich sehr für das Projekt engagiert hat“, sagt Irmela Grempler.

2012 stieg die Kreishandwerkerschaft aus und für den Schlossverein stand die Frage: Machen wir es – oder nicht? Irmela Grempler sagte wieder ja und ließ sich auch von Sätzen wie „Das schaffen wir nie“ nicht entmutigen. „Mein Mann hat in diesem Zusammenhang sogar einen eigenen Begriff geprägt: Wenn jemand anrief und ich nicht da war, sagte er: Meine Frau tempelt“, erzählt die Mutter zweier erwachsener Söhne.

Überhaupt sieht sie neuerdings Tempel über Tempel – der Blick ist geschärft. „Kürzlich sogar im Rockefeller Estate im Hudson Valley im Staat New York“, sagt sie. Dorthin reiste sie mit dem ­Friendship Force Club Schwerin, einem Verein, der das Kennenlernen von Menschen in verschiedenen Ländern fördert und in dem sie Mitglied ist.

Inzwischen ist die 65-Jährige offiziell Rentnerin. Auf den Kalender hat das keine Auswirkungen. Der bleibt voll. Und auf einen Termin freut sich Irmela Grempler ganz besonders: Voraussichtlich am 1. Mai 2015 soll der Jugendtempel offiziell übergeben werden.

Katja Haescher