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Der Kapitän, der eigentlich keiner ist

Im Porträt: René Moeller, Schiffsführer bei der Weißen Flotte in Schwerin
René Moellers Stammschiff ist die „Lübz“, aber manchmal ist er auch mit anderen Schiffen unterwegs. Hier sitzt er auf dem Deck der „Elfriede“. Foto: SN live
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Er hatte Fernweh, aber es gab vor der Wende für DDR-Bürger nicht viele Möglichkeiten, die Welt kennen zu lernen. Eine war die Seefahrt, und so wollte der junge Schweriner René Moeller unbedingt zur Handelsflotte. Mit dem Überqueren von Nordsee oder Pazifik wurde es leider jedoch nichts. Mit der Schifffahrt aber schon.
„Du weißt ja, wie das war seinerzeit“, sagt er, „wenn du – wie ich – Verwandte im Westen hattest, konntest du einen Job bei der Handelsmarine im Prinzip abhaken. Aber mir bot man nach der Ablehnung wenigstens als Alternative an, bei der Deutschen Binnenreederei in Berlin zu lernen. Habe ich eben das gemacht.“

Wenn schon nicht die Weltmeere, dann doch zumindest auf dem Wasser, habe er sich gesagt – und wurde Matrose der Binnenschifffahrt. Vom Fahren her sei das im Prinzip das selbe wie bei der Seeschifffahrt, meint er. Nach seiner zweijährigen Lehre, die 1989, also kurz vor dem Umbruch, begann, wechselte der Schweriner zur Niedersächsischen Verfrachtungsgesellschaft mit Heimathafen am Mittellandkanal bei Hannover.
Woche für Woche transportierte er zusammen mit seinen Kollegen etwa 2.200 Tonnen Steinkohle aus dem Ruhrgebiet in die niedersächsische Landeshauptstadt. Das Schiff war 80 Meter lang, hatte 800 PS und schob einen etwa ebenso langen Zusatzbehälter vor sich her. „Jeden Montag spätestens um sieben Uhr mussten wir beim Kraftwerk sein“, erinnert er sich. „Und wir kamen nie zu spät, egal wie die Verkehrsbedingungen waren.“

Nach drei Jahren war für René Moeller Schluss mit Kohle fahren, seine Stelle fiel der Rationalisierung zum Opfer. Zum Glück für ihn war jedoch ein Job in Schwerin bei der Opens external link in new windowWeißen Flotte frei, den er gern annahm.
„Da war ich auf einmal nicht nur Matrose, sondern musste noch so viel anderes an Bord erledigen – vom Tellerwaschen bis zur Motorenwartung“, sagt er über sein erstes Engagement bei dem Unternehmen, das 1995 begann – und nur ein Jahr später bereits endete. Er, der Binnenschiffer, hatte sich die Tätigkeit bei der Flotte ganz anders vorgestellt. Er zog es vor, zum Fliesenleger umzuschulen.

Als solcherart Handwerker arbeitete er bis Ende 2001, dann ging sein Arbeitgeber in Konkurs, und er musste sich wieder nach einem Erwerb umsehen. Ein alter Freund holte ihn dann Anfang 2002 zurück zur Weißen Flotte. Am Tätigkeitsfeld hatte sich im Grunde nichts geändert. „Aber jetzt“, sagt Moeller, „wusste ich ja, worauf ich mich einlasse.“

Zwei Jahre später kam der Geschäftsführer Paul Sproß auf ihn zu und fragte, ob er nicht Lust habe, sich zum Schiffsführer zu qualifizieren. René Moeller überlegte nicht lange: Klar hatte er Lust. Er bildete sich also weiter und darf sich nun nach bestandener Prüfung Kapitän nennen – na gut, nicht offiziell, denn formal wird dieser Titel bei der Weißen Flotte nicht verwendet.

Zunächst übernahm er die „Berlin“, jetzt ist sein Stammschiff die „Lübz“, das größte Schiff bei der Weißen Flotte in Schwerin. Deren technischen Daten hat er schnell parat: 40 Meter lang, 5,10 Meter breit, zweimal 98 PS, Platz für 250 Personen. Mit der „Lübz“ oder, wenn es sich so ergibt, auch mal mit einem anderen der Motorschiffe fährt er sowohl Rund- als auch Chartertouren. Die Seen, auf denen er unterwegs ist, kenne er mittlerweile „so gut wie in- und auswendig“, sagt er.

In seiner Freizeit jedoch will der 42-Jährige mit Seen und Flüssen nichts zu tun haben. Lieber gehe er mal zum Bowling. Vor allem aber beschäftigt er sich gern mit seinen beiden Kindern, einem vierjährigen Sohn und einer sechsjährigen Tochter. Stefan Krieg