14.05.2021

Leute

Die Tierliebe weitergegeben

Interview mit Joachim Kellermann in der Reihe "Köpfe aus Schwerin"
Joachim Kellermann, 72 Jahre Mitarbeiter Tierheim Schwerin
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Viele Menschen holen sich in der Corona-Zeit gegen Einsamkeit und Langeweile vierbeinige Begleiter aus den Tierheimen. Beob­achten Sie das in Schwerin auch?
Diese Beobachtung haben wir in unserem Tierheim bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht gemacht, oder der Interessent hat diesen Grund nicht angegeben, was er ja auch nicht muss. Unser Tierheim ist für den allgemeinen Besucherverkehr zur Zeit geschlossen und nur für bestimmte dringende Problemfälle nach Vorabsprache zugänglich

Was raten Sie Menschen, die Hund oder Katze aus dem Tierheim „adoptieren“ möchten?
Die meisten Menschen, die ein Tier „adop­tieren“ wollen, verfügen bereits über Erfahrung im Umgang mit einem Haustier. Ansonsten, insbesondere für „Neustarter“, gibt unser fachlich versiertes Personal notwendige Hinweise beziehungsweise erfragt die zu erwartenden Lebensbedingungen für das Tier. Eine artgerechte Haltung steht dabei im Vordergrund – zum Beispiel einen großen Hund in eine Wohnung zu vermitteln, insbesondere höher gelegene, wird vermieden. Ebenso kann eine Katze, die bisher als Freigänger lebte, nicht plötzlich nur in einer Wohnung leben.
Es gibt darüber hinaus eine Fülle von Faktoren, die unbedingt zu berücksichtigen sind und hier nicht in allen Details beantwortet werden können – es gilt aber der Grundsatz, dass Mensch und Tier zusammenpassen müssen. Eine zeitlich begrenzte Übernahme eines Haustiers als „Therapiemittel“ für besondere persönliche Probleme ist nicht möglich.

Welches sind die häufigsten Gründe, warum Tiere bei Ihnen abgegeben werden?
Das Betreiben eines Tierheims ist eine ordnungspolitische Pflichtaufgabe für die Kommunen. In der überwiegenden Anzahl der Vorgänge sind die Erkrankung beziehungsweise das Ableben der Tierhalter ein Grund für die Abgabe des Haustiers. Aber auch Haftzeiten, Beschlagnahme aus nicht artgerechter Haltung oder Vernachlässigung sind neben vielen anderen Gründen dafür ursächlich, dass die Tiere bei uns aufgenommen werden.

Wie lange arbeiten Sie schon für das Tierheim, und wie sind Sie dazu gekommen?
Ich persönlich bin seit dem Erreichen meines Pensionsalters im Jahr 2008 im Betreiberverein des Tierheims ehrenamtlich tätig und als Mitglied des Vereinsvorstandes für den Schriftverkehr zuständig. Dazu gekommen bin ich durch sogenanntes Gassigehen, wodurch die Vereinsmitgliedschaft nahe lag und ich später in den Vorstand des Tierschutzvereins hineinwuchs.

Was machen Sie sonst in Ihrer Freizeit? Sind Tiere Ihr Hobby?
Meine Familie besitzt ein Eigenheim in Schwerin, wo es immer etwas zu machen gibt. Bei entsprechender Witterung bin ich sehr viel mit dem Fahrrad unterwegs und erkunde unsere nähere und weitere Umgebung, die man eigentlich nur so kennen lernen kann. Mit Tieren bin ich von Kindesbeinen an verbunden, meine Eltern hatten eine kleine Landwirtschaft. Besonders froh bin ich darüber, dass diese Tierliebe auch an meine Kinder und Enkelkinder weitergegeben wurde. Als sehr bedrückend empfinde ich die Situation im Bereich der Nutztierhaltung, die mit den für uns geltenden Haltungsnormen in keiner Weise vergleichbar ist. Interview: S. Krieg