Leo

Auf ein Neues

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An so einem Jahr ist wirklich nichts mehr dran. Ich weiß nicht, wie oft ich von hier oben schon neujahrsseligen Menschen zugesehen habe. Aber in letzter Zeit kommt es mir so vor, als würden die Abstände zwischen den Prosits Neujahr immer kürzer. Und wenn ich meine Ohren spitze, höre ich, dass auch Menschen ähnliche Wahrnehmungen haben.

„Du warst mir dat nich glöwen, Jung, aber je oller du warst, desto schneller löpt de Tiet“, hörte ich neulich einen Großvater zu seinem Enkel sagen. Recht hat er. Und Alltagsstress hin oder her: Es ist gerade deshalb enorm wichtig, Wichtiges gleich zu tun. Freunde zu treffen zum Beispiel. Orte zu besuchen, die man schon immer mal sehen wollte. Sich Zeit zu nehmen, einfach mal dazusitzen und zu gucken, wie ich es auf meiner Museumstreppe regelmäßig tue. Das ent­spannt selbst eine steinerne Miene, so viel kann ich verraten. Selbst mit dem Vergessen der guten Vorsätze muss man sich ja inzwischen beeilen. Und wenn plötzlich März ist und man immer noch ins Fitnessstudio geht oder nicht mehr raucht, kann man das eigentlich auch bis zum nächsten Dezember so lassen – der ist ohnehin schneller da, als man denkt.
Das wusste übrigens schon der Schriftsteller Erich Kästner, der einst sehr schön den Januar bedichtet hat und dabei mit folgender Feststellung endete: „Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege. Und stirbt in einem Jahr. Und das ist bald.“

Euer Museums-Löwe
(notiert von Katja Haescher)