14.07.2026

Hausgeschichten

Eine Wohnung für den Gärtner

Das Alte Hofgärtnerhaus in der Schlossgartenallee ist heute Teil des Residenzensembles
Das Bild, fotografiert aus der Schlossgartenallee in Richtung Greenhouse, zeigt rechts das Hofgärtnerhaus um 1907 – und damit vor dem Umbau.
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Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und öfter ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Heute in der Schlossgartenallee 2, wo Hofgärtner Theodor Klett am schönsten Ort eine Dienstwohnung erhielt.

Es ist ein Haus, wie gemacht für einen Gärtner. Gleich am Küchengarten gelegen, am Wege von der Hofgärtnerei zur Artilleriewache und nur ein paar Baumlängen vom Schlossgarten entfernt. Wie gemacht für einen Künstler noch dazu, denn Theodor Klett war nicht nur Hofgärtner, sondern auch Gartengestalter. Übrigens mit Tradition, denn bereits Urgroßvater, Großvater und Vater Klett hatten als Gärtner in fürstlichen Diensten gestanden.

Als Männer mit dem grünen Daumen spielten sie am Hof eine wichtige Rolle. So wichtig, dass Großherzog Friedrich Franz I. Christian Klett, dem Vater Theodors, ein Grundstück schenkte. Darauf befand sich die ehemalige Wohnung des Schiffbauers, die aber abgebrochen wurde. Klett ließ neu bauen und vermietete die Büdnerei, während er selbst eine Dienstwohnung nutzte. Das hat Chris-tine Rehberg-Credé bei ihren Recherchen zu der „Gärtnerdynastie“ herausgefunden. Und auch, dass Theodor Klett 1835 als junger, unverheirateter Hofgärtner noch bei seinem Vater wohnte. 
Doch dann kam Paul Friedrich, der 1837 den Thron von seinem Großvater Friedrich Franz übernahm. Paul Friedrich verlegte die Residenz wieder nach Schwerin, was für die Stadt einen großen Aufschwung bedeutete. Nicht nur der Fürst selbst, sondern auch das Gefolge aus Beamten und Dienern brauchte Wohnraum. In diesem Zusammenhang kaufte der Großherzog in den Jahren 1838 und 1839 mehrere Häuser. Darunter war auch die so genannte Klettsche Büdnerei von Vater Klett in der heutigen Schlossgartenallee 2. 

Möglicherweise, schreibt Christine Rehberg-Credé, hatte sich Theodor zu diesem Zeitpunkt bereits in die väterliche Büdnerei eingemietet. Im Archiv ist sein Ersuchen um eine Dienstwohnung erhalten – und dass er 50 Reichstaler Mietzuschuss erhielt, weil ihm eine solche nicht nachgewiesen werden konnte. Nach dem Rückkauf der Büdnerei durch den Großherzog verfügte dieser, dass das Wohnhaus nebst Hintergebäuden an den Hofgärtner Theodor Klett zu übergeben sei. Zwar erhielt der Gärtner kein Gartenland dazu, wohl aber die Möglichkeit, überschüssiges Gemüse aus dem Küchengarten für die eigene Wirtschaft zu nutzen. 
Und eine solche hatte Thodor Klett inzwischen, denn die Dienstwohnung hatte ihm die Möglichkeit gegeben zu heiraten. Dennoch bewohnte er das Haus nur wenige Jahre, und um 1841 zog die junge Familie in das Haus am Schleifmühlenweg 4, idyllisch am Faulen See gelegen.

In der Schlossgartenallee 2 wohnten weiterhin Gärtner, schließlich war das Gebäude ein Teil der Infrastruktur der Residenz. Als Bestandteil des Ensembles steht es heute als „Altes Hofgärtnerhaus“ auf der Welterbe-Liste. Allerdings hat es sich seit den Zeiten von Theodor Klett als Hausherr sehr verändert. 1909 wurde in der Schlossgartenallee 2 umgebaut. Die Kubatur lehnte sich dabei eng an den Vorgängerbau, ebenfalls ein anderthalbgeschossiges Wohnhaus, an. Neu war dagegen ein mittiger, zweigeschossiger Rundgiebel. „Unklar ist, ob es sich um einen durchgreifenden Umbau oder einen Neubau unter Einbeziehung älterer Bauteile handelte“, sagt Christine Rehberg-Credé. Vermutlich, so die Historikerin, stecken in dem Gebäude jedoch Steine, die beim Abbruch von vier Pavillons im oberen Küchengarten als Baumaterial gewonnen wurden. 

Und noch einmal zurück zu Theodor Klett: Dem wurden vom Großherzog selbst „unermüdlicher Fleiß“ und „vorzügliches Geschick“ bescheinigt, gerade bei der Erweiterung des um die Ecke gelegenen großherzoglichen Schlossgartens. Und auch der steht natürlich als Bestandteil des Residenz-Ensembles auf der Welt­erbe-Liste.

Katja Haescher