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Unermüdliches Wirken für den Dom

Den Förderkreis Schweriner Dom e.V. gibt es seit 20 Jahren; die Stadtvertreterin Gerlinde Haker und der Journalist Thomas Balzer stehen dem Verein vor.
Gerlinde Haker und Thomas Balzer stehen dem Förderkreis Schweriner Dom e.V. vor. Zum Vorstand gehören außerdem Rechtsanwalt Detlef Elss, Klaus Afflerbach, Reinhard Dietze, Hendrik Haker, Susanne Herweg, Dr. Jürgen Maier, Anke Prinzler, Jochen Rößler und Domprediger Albrecht Martins. Foto: Beate Schöttke-Penke
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Der Dom zu Schwerin steckt für Gerlinde Haker und Thomas Balzer voller Spendengeschichten. „Sehen Sie die Sonnenuhr? Was muss ich geben, damit sie wieder schön wird?“, erinnert sich Gerlinde Haker an die Worte eines Hamburgers, der prompt 5000 Mark für deren Sanierung spendierte. Die Bülow-Platten wiederum strahlen deshalb in neuem Glanz, weil die weit verzweigte Familie von Bülow – wozu der als Loriot bekannte Vicco von Bülow gehörte – im Vorfeld eines Schweriner Familientreffens das dafür notwendige Geld gab. Die Aufzählung der durch Spenden ermöglichten Verschönerungen in Schwerins höchstem Gebäude ließe sich fortführen. Ob für die Restaurierung der Turmuhr oder des Lostealtars, der Assistenzfiguren des Triumphkreuzes oder des Cornelius-Fensters im Hohen Chor, ob für das Grabmal Herzog Christophs oder des Christophorus-Wandgemäldes – für immer neue Sanierungsvorhaben hat der Förderkreis Schweriner Dom e.V. in den letzten 20 Jahren unermüdlich Geld gesammelt. Sowohl Beiträge seiner 200 Mitglieder und ebenso vieler Freunde, als auch eingeworbene Spenden stellte er zur Verfügung.

Gerlinde Haker erinnert sich an die Anfänge des bürgerschaftlichen Engagements in der Landeshauptstadt: „Zu Heiligabend 1989 kamen die Menschen in Strömen zu uns. In der Domgemeinde organisierten wir, dass der Dom die ganzen Tage bis über Neujahr offen war. Gute Begegnungen gab es. Darüber hinaus ließen die Besucher, angerührt durch die in den Monaten zuvor geschehenen Veränderungen, sehr viel Geld da, insgesamt 70 000 Mark. Mit diesem Geld sanierten wir 1992 – als sich der Förderkreis mit 26 Mitgliedern gegründet hatte – als Erstes das Triumphkreuz. Dies ist eine Leihgabe aus der zerbombten Marienkirche in Wismar. In den 80er-Jahren hatten wir es bekommen, wurmstichig und unansehnlich.“ Für Gerlinde Haker, stellvertretende Vorsitzende des Förderkreises seit den Anfangstagen, stand außer Frage, dass sie sich für den Dom engagieren wollte. „Es ist der schönste Arbeitsplatz in Schwerin“, sagt die SPD-Stadtvertreterin in dem Büro, von dem aus sie seit 1990 Öffentlichkeitsarbeit am Schweriner Dom machte. Die Zimmerwände schmücken verschiedenste Dombilder, der Blick durch die Fenster geht direkt auf den Eingang. „Schauen Sie, sobald die Tür vormittags geöffnet wird, stellen sich die ersten Besucher ein“, untermauert sie die Bedeutung des Gebäudes für die Stadt.

Nicht nur Christen fänden den Weg hierher. „Allein über das Triumphkreuz könnte man Bücher schreiben“, ergänzt Thomas Balzer, seit 2008 Vereinsvorsitzender. Für den NDR-Redakteur, der sich gern mit geschichtlichen Themen beschäftigt, ist das Triumphkreuz mehr als nur ein saniertes Ausstattungsstück. „Die Marienkirche, dieses nicht mehr in der Hansestadt existierende Bauwerk, ist ein Mahnmal, wie die DDR-Gesellschaft mit Andersdenkenden umgegangen ist. Mit der Rettung des Triumphkreuzes ist mehr geglückt als die Sicherung eines Kunstschatzes“, erläutert er. Warum er sich für den Dom engagiert? Für den heute 47-
Jährigen liegt die Antwort auf der Hand. Als Jugendlicher engagierte er sich in der Pauls- und in der Petruskirchgemeinde. „Durch den Umzug der größer werdenden Familie landete ich im Gemeindebereich des Doms“, erzählt er. Als Kirchgemeindemitglied ist es für ihn folgerichtig, sich im Förderkreis zu engagieren. Hier die Domgemeinde und die Landeskirche, die sich um den Erhalt des Bauwerkes kümmern, dort der Förderkreis, der sich um die Sanierung von Ausstattungsstücken bemüht. Der Schweriner, der durch seinen Beruf viele Leute kennt, versteht sich als Türöffner auch für Menschen, die kein Verhältnis zum Glauben haben, sich dennoch aber für Kulturgüter wie den Schweriner Dom einsetzen möchten. „Der Förderkreis hat große Akzeptanz in der Stadt. Das ist irgendwie beeindruckend“, sagt er. Immer gebe es irgendwelche Projekte, an deren Umsetzung der Verein arbeitet. Nicht nur Kunstgüter wurden saniert, sondern zugleich auch dokumentiert, welche Schätze der Dom birgt, erläutert der Förderkreisvorsitzende mit Blick auf zahlreiche Publikationen zum Dom, die in den letzten Jahren entstanden sind. Überdies habe sich ein aktives Vereinsleben entwickelt. Mitgliederversammlungen mit interessanten Vorträgen, das adventliche Zusammensein und die alljährliche Domtafel im Januar sind wiederkehrende Höhepunkte.

Gerlinde Haker verweist auf die hohen Geldbeträge, die seit 18 Jahren bei dem Benefizessen in der Thomaskapelle eingeworben werden. „Dass bürgerliches Engagement im besten Sinne lebt, wenn man ein Ziel hat, ist ein tolles Gefühl“, untermauert Thomas Balzer. Und will zum Abschluss unseres Gespräches unbedingt noch in den Dom, zum nächsten Sanierungsprojekt des Förderkreises. Drei der Chorumgangsfenster sind schon saniert, für die letzten drei braucht es noch 60 000 Euro.