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„Ich muss den Trafo riechen“

Im Porträt: Tobias Struck, innovativer Ingenieur bei der Wemag und Freund nostalgischer Technik
Tobias Struck spielt ganz gern mal am Flipper, vor allem aber interessiert ihn dessen Technik. Foto: SN live
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Strom, Spannung, Schaltkreise – Struck. Ja, Tobias Struck ist doch reichlich technikvernarrt. Und das schon von klein auf. Bereits als etwa Elf- bis Zwölfjähriger habe er zusammen mit seinem Cousin an ausgedienten Commodore-Computern aus dem Westen gebastelt. Auch erste Programme, in BASIC, habe er für die PCs geschrieben.

Es hätte beim Hobby bleiben können, aber Struck wollte auch beruflich mit Platinen, Halbleitern und Drähten zu tun haben. Also studierte er an der Fachhochschule Stralsund Elektrotechnik, wobei er sich auf Regenerative-Energien-Technik spezialisierte. Das führte ihn letztlich – nach einem kurzen Intermezzo als Software-Entwickler bei einer kleinen Firma im Schweriner TGZ – im Jahr 2000 zu seinem jetzigen Arbeitgeber, der Wemag.

Für diesen regionalen Energieversorger leitete er das bundesweit beachtete Projekt Batteriespeicher. Zu Eröffnung im vergangenen Jahr war sogar Vizekanzler Sigmar Gabriel in Schwerin. „Es gibt zwar noch nichts Konkretes, aber ich denke, weitere Speicher dieser Art werden in den kommenden Jahren folgen, und das Thema wird mich weiter begleiten“, sagt der 39-Jährige. „Die Arbeit an dem Projekt Batteriespeicher war auf jeden Fall klasse. Es passt einfach zu mir, immer mal wieder etwas Neues zu machen.“

Und dass er dafür nicht einmal den Arbeitgeber wechseln müsse, gefalle ihm ebenso gut. Schließlich war er bei der Wemag schon in unterschiedlichen Abteilungen tätig. Er begann im Vertrieb, baute dann den Bereich Netzstrategien mit auf und ist mittlerweile für „Innovation und neue Geschäftsfelder“ zuständig. Jedenfalls dürfe ihm seine Arbeit nicht zu theoretisch sein, zumindest nicht auf Dauer. „Irgendwann muss ich dann wieder den Trafo riechen“, sagt er und schmunzelt.

Leitungen, Lämpchen und Lötpunkte spielen bei seinem Hobby eine große Rolle: Tobias Struck ist Vizevorsitzender des Öffnet externen Link in neuem FensterFlippermuseums Schwerin. „Ich spiele ganz gern mal an so einer Kiste, dies allerdings nicht so gut wie andere. Deswegen bin ich auch eher der Typ, der die Geräte repariert.“

So um 1996/97 fing seine Leidenschaft für die elektronischen Kugelspielgeräte an. Er habe sich damals – wieder zusammen mit seinem Cousin – einfach mal einen Flipper für Zuhause gekauft und damit eben nicht nur gespielt, sondern auch die Technik hinter den vielen bunten Elementen genauer unter die Lupe genommen.
Aus einem wurden vierzehn. Vier davon habe er jetzt noch im Keller stehen, die meisten anderen befinden sich im Flippermuseum. Er ist einer der Mitgründer des Museumsvereins, die Idee dazu stammt jedoch vom Museumschef Arne Hennes. „Das war 2007“, erinnert Struck sich. „Da stand ein Artikel in der Tageszeitung, den ich erst gar nicht gesehen habe. Aber meine Frau wies mich drauf hin. Sie sagte, guck mal, da sind noch mehr so Verrückte wie du.“

Das Flippermuseum befand sich zunächst in einem winzigen Raum, nach mehrmaligen Umzügen haben Hennes, Struck und ihre Mitstreiter den bislang besten Standort gefunden: ein ehemaliges Verwaltungsgebäude in der Weststadt, Friesenstraße 29, wo sie jetzt 400 Quadratmeter im Erdeschoss nutzen. Es seien nicht nur Schweriner, die hier zum Spielen kommen, sagt er, sondern Flipperfreunde aus ganz Norddeutschland. „Erstaunlicherweise mehr Wessis als Ossis“, fügt er hinzu.

Unseren Fototermin im Museum nutzte er gleich, ein bisschen etwas über Funktionsweise und Aufbau der unterschiedlichen Flipper zu erläutern. Die Vor- und Nachteile von LEDs und Glühlampen erwähnte er dabei ebenso wie Anordnung und Aufgaben der Steuer­einheiten. „Letztlich“, sagt er, „sind die Flipper nichts anderes als Computer.“ Überhaupt sei er immer noch „ziemlich computeraffin“. Er hat zu Hause sogar einen eigenen Mediaserver in Betrieb, auf dem auch Überwachungssoftware für sein Eigenheim in Stralendorf liegt. Sie liefert ihm unter anderem Kamerabilder von Haus und Hof aufs Smartphone.

Manchmal aber hat der Vater einer dreijährigen Tochter und eines fünfjährigen Sohnes genug von Bytes und Bits, von Schaltungen und Speichern. Dann geht es raus in die Natur: aufs Wasser zum Angeln.  Stefan Krieg