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„Ein bisschen wie Kriminalistik“

Dr. Tilo Schöfbeck ist freiberuflicher Bauforscher und hat viel Ahnung von Dendrochronologie
Dr. Tilo Schöfbeck (43, Vater zweier Kinder) auf der Terrasse vor seinem Büro in Schwerin Foto: S. Krieg
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„Man könnte sagen, Bauforschung ist Archäologie an stehenden Gebäuden“, vergleicht Dr. Tilo Schöfbeck sein Fachgebiet mit einem anderen. Und eigentlich wollte der 43-Jährige ja auch immer Archäologe werden. Schon sein Vater habe sich für die Altertumskunde interessiert. Aber es kam anders.
Geboren wurde Schöfbeck in Görlitz. Als er ein Jahr alt war, zogen seine Eltern jedoch mit ihm in den Norden. Die Landschaft hier hatte es ihnen angetan, und so ließen sie sich in Hohen Viecheln in einer Büdnerei nieder. „Am liebsten hätte mein Vater einen Einzelhof gehabt“, sagt Schöfbeck. Das sei aber nicht möglich gewesen, weil die Stromleitung für den Keramikbrennofen in diesem Fall zu lang geworden wäre.
Jedenfalls ist er als Sohn zweier bildender Künstler aufgewachsen, was ihn mit geprägt hat. Seine Mutter Anneliese Schöfbeck stellt übrigens ab 20. Mai auf Schloss Wiligrad einige ihrer Werke aus. „Ohne meine Eltern wäre ich nie dahin gekommen, wo ich jetzt bin“, sagt er.

Als junger Bursche war der heutige Opens external link in new windowBauforscher bereits ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger. „Ich kam viel raus, war bei Ausgrabungen dabei, unter anderem auf dem Burgwall in Dobbin, wo wir Bronzeteile und Scherben gefunden haben.“ Toll seien auch seine Erlebnisse im Spezialistenlager junger Archäologen gewesen. „Da haben wir drei Tage lang auf einem  germanischen Urnenfriedhof ausgegraben“, erinnert er sich gern an aufregende Jugendtage.

Mit diesen Erfahrungen ging er 1992 ins Studium der Ur- und Frühgeschichte an die Humboldt-Uni nach Berlin (und dann nach Bamberg und Greifswald). In dieser Zeit arbeitete er parallel als studentische Hilfskraft („Hiwi“) bei Dr. Karl-Uwe Heußner im Dendrolabor des Deutschen Archäologischen Instituts. Spätestens in jenen Tagen verliebte er sich in die Dendrochronologie. Dendro was? Es handelt sich hierbei um eine Methode zur Altersbestimmung von Objekten aus Holz; dazu werden die Jahresringe der verwendeten Baumstämme analysiert. Die Dendrochronologie ließ ihn nicht mehr los, und er begann sich zunehmend für Gebäude zu interessieren. Zudem war er später in Bamberg studentischer Mitarbeiter beim Projekt „Gefügekunde und Dendrochronologie in Mitteldeutschland“.

Ungewöhnlich spät, nämlich erst nach dem Studium, trat er seinen Zivildienst an – das aber sehr gern, denn er durfte für das Land Brandenburg als Bauforscher arbeiten. Er untersuchte hier unter anderem das Fachwerk von Kirchen, vor allem – wie könnte es anders sein – auf dendrochronologische Art.
Inzwischen hat er eine riesige Menge an Kirchen erforscht, aber auch viele andere Gebäude. „In Norddeutschland bin ich einer von denen, die sich mit Holz­kons­truk­tionen am besten auskennen“, stellt er fest. Mit seiner Doktor­arbeit begann er im Jahr 2000. Das Buch erschien Anfang 2014 und heißt „Mittelalterliche Kirchen zwischen Trave und Peene: Stu­dien zur Entwicklung einer norddeutschen Architekturlandschaft“.

Inzwischen ist er in Mecklenburg-Vorpommern, aber auch schon mal runter bis Stendal als freiberuflicher Bauforscher unterwegs. Und was macht er da? Schöfbeck erläutert: „Ich gucke mir Architekturgeschichte direkt am Objekt an: Wie hat sich das Haus über die Jahre verändert, und was davon war zuerst da? Das ist schon ein bisschen wie Kri­mi­na­lis­tik. Ich bin sozusagen das Röntgenauge des Denkmalpflegers.“
Er forscht jedoch nicht nur an Bauten, sondern untersucht auch Möbel und Kunstwerke dendrochronologisch. Und jetzt ist er sogar Besitzer eines historischen Hauses. S. Krieg