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Der Schaffner

Thomas Plötz bildet Zugbegleiter aus und engagiert sich bei den Mecklenburgischen Eisenbahnfreunden
Thomas Plötz auf der Plattform eines historischen Waggons. Er trägt hier die Uniform eines Unterassistenten der Deutschen Reichsbahn. Foto: S. Krieg
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Er ist Eisenbahner durch und durch. Sogar in seiner Freizeit beschäftigt er sich mit Lokomotiven und Waggons. Angefangen hat bei dem heute 45-Jährigen buchstäblich alles ganz klein. „Ich habe als Junge eine Modell-Eisenbahn betrieben“, sagt Thomas Plötz und schmunzelt.
Geboren und aufgewachsen in Schwerin besuchte er hier die Schule bis zur zehnten Klasse und lernte anschließend bei der Deutschen Reichsbahn den Beruf Schienenfahrzeugschlosser mit der Spezialisierung zum Triebfahrzeugführer. Oder kurz: Thomas Plötz wurde Lokführer. „Ich bin mit einer Diesellok groß geworden“, sagt er. Ab 1990 fuhr er vor allem auf den Linien Rostock-Lübeck und Schwerin-Hamburg.
Als sich 1994 dann die Reichsbahn und die Bundesbahn zur Deutschen Bahn vereinigt hatten, gab es auf einmal zu viele Lokführer – und Plötz musste umschulen. Er wurde Zugbegleiter, wie es offiziell heißt. Er hat aber auch nichts dagegen, einfach Schaffner genannt zu werden.

Also kontrolliert er jetzt Fahrkarten? Plötz lacht. „Ja, das gehört auch dazu. Aber die Aufgaben eines Zugbegleiters sind schon sehr vielfältig. Als erstes geht es um die Kundenbetreuung in allen Fragen. Ich informiere zum Beispiel über Tarife, gebe Tipps, wie man sparen kann, sage den Fahrgästen, wo sie am besten umsteigen, helfe mobilitätseingeschränkten Personen beim Ein- und Aussteigen und mache die Durchsagen im Zug.“
Im Jahr 2000 stand er auf einmal vor einer schweren Entscheidung: Es gab die Chance, wieder als Lokführer zu arbeiten. Allerdings hätte er dafür nach Hamburg wechseln müssen. Er entschied sich dagegen und hat dies auch nicht bereut. „Man lernt als Zugbegleiter viele angenehme Leute kennen“, sagt er. Er räumt aber ein, dass es in Einzelfällen auch mal Unstimmigkeiten gebe, die er aufzulösen habe. Das gehöre zu seinem Job jedoch einfach dazu. „Wissen Sie, wenn immer alles glatt liefe, dann hätte man ja auch nichts zu erzählen“, sagt er.

Erzählen, das kann Plötz. Und das muss er inzwischen auch. Denn seit 1. Juni dieses Jahres ist er Ausbilder für die Zugbegleiter der DB Regio, Nordost. Zuvor hatte er sich bereits als stellvertretender Teamleiter um rund 75 Kollegen gekümmert. Zwei bis drei Schichten pro Monat übernehme er aber immer noch. „Praxis ist Praxis“, betont er. „Mir würden sonst die Gespräche mit den Leuten fehlen. Vieles entwickelt sich auch weiter, wird moderner. Und da wäre es doch traurig, wenn ich meinen Schülern nur aus der Theorie erzählen könnte.“
Selbst wenn er eigentlich gar keinen Dienst hat, ist Thomas Plötz hin und wieder als Zugbegleiter unterwegs – das dann in historischen Waggons, die von einer Dampf­lokomotive 91?134 gezogen werden. Der Verein Opens external link in new windowMecklenburgische Eisenbahnfreunde Schwerin bietet solche Sonderfahrten seit 2009 an. Plötz ist seit 23 Jahren Mitglied des Vereins, der auch das Schweriner Eisenbahn- und Technikmuseum betreibt.
Zum ers­ten Mal ratterte die Lok während der BUGA nach Rehna und Ludwigslust. Später wurden zum Beispiel auch Touren nach Wismar zum Hafenfest und Nikolausfahrten angeboten. Für die Sonderfahrten steigt er sogar in eine Reichsbahn-Uniform aus den siebziger Jahren, die ihn laut Schulterstücken als Unter­assis­ten­ten ausweist. Als Schaffner von anno dazumal begegne er hin und wieder älteren Leuten, für die das Fah­ren in den Waggons mit Holzbänken einst Alltag war.

Aber auch viele ganz junge Reisende finden sich meist unter den Passagieren. Plötz weiß: „Vorschulkinder sind in dem richtigen Alter, sie an das Thema Eisenbahn heranzuführen.“ Bei seinem anderthalbjährigen Enkel Oskar hat er dafür noch ein bisschen Zeit, sein mittlerweile 17-jähriger Sohn Marvin hingegen begeistere sich schon länger für die Bahn.

Wann die Eisenbahnfreunde wieder Sonderfahrten anbieten, ist noch offen; zunächst müssen die Wagen zur Revision, das ist nicht ganz billig und dauert eine ganze Zeit, weil sie komplett auseinander- und wieder zusammengebaut werden. Das Museum neben dem Schweriner Hauptbahnhof öffnet für Besucher aber auf jeden Fall weiterhin jeden letzten Sonnabend im Monat, das nächste Mal also am 29. Juli. S. Krieg