Wirtschaft PR-Anzeige

„Das Gedächtnis des Landes“

Im Landeshauptarchiv herrscht prima Klima für historische Papiere
Das Gebäude des Landeshauptarchivs wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Baubeginn für den schlichten Zweckbau war 1909.
like-imagelike-image
share email
dislike-imagedislike-image

Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und mehr ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Heute im Landeshauptarchiv, in dessen Regalen sich Akten zu kilometerlangen Beständen reihen.

Papier ist schwer. Das weiß jeder, der schon mal beim Umzug Bücherkisten getragen hat. Im Landeshauptarchiv in Schwerin lagern Akten, die aneinandergereiht eine Länge von mehreren Kilometern ergeben würden. Dazu kommen Bücher, Urkunden, Karten und Pläne, kurz: Tonnen über Tonnen an wertvollen Archivalien. Zum Glück verfügt das Gebäude in der Graf-Schack-Allee über ein Magazin, dessen Statik dieser Fülle gewachsen ist. In diesem Jahr wird das Haus am Burgsee 100 Jahre alt.

Als der junge Architekt Paul Ehmig 1909 mit dem Bau des Schweriner Archivgebäudes begann, stand er nicht nur vor der schwierigen Aufgabe, die zahlreichen Akten unterzubringen. Auch der morastige und feuchte Baugrund unmittelbar am Seeufer war eine Herausforderung. Ehmigs Archivgebäude steht deshalb wie so viele andere Bauten in diesem Gebiet auf Pfählen. Auf diese Pfähle setzte der Architekt ein Stahlgerüst, das den „Körper“ des Magazins formt und von den Wänden verkleidet wird. Teile dieser Stahlkonstruktion bilden im Innern des Magazins gleichzeitig die Seiten der Regale, in denen die Akten aufbewahrt werden. Die Fußböden der einzelnen Etagen könnten diese Last nicht tragen.

Insgesamt gibt es im Magazin, das sich wie ein großer Quader in das u-förmige Verwaltungsgebäude des Archivs schiebt, sieben Etagen. Dass es der schlichte Zweckbau in sich hat, zeigt auch die Tatsache, dass in Mecklenburg-Vorpommern im Bundesvergleich auf der geringsten Fläche die größte Menge von Archivgut aufbewahrt wird. „Vielleicht hätte Paul Ehmig nicht ganz so viele Fenster einbauen sollen“, wünscht sich Archiv-Mitarbeiterin Elke Krügener. Denn zu viel Licht ist wie zu viel Feuchtigkeit und zu viel Wärme Gift für historische Papiere. Deshalb herrschen im Magazin konstante Temperaturen von 16 bis 18 Grad Celsius. Die Luftfeuchtigkeit liegt zwischen 45 und 65 Prozent. Als Ehmig das Gebäude errichtete, ließ er außerdem Pappeln anpflanzen. Die schnell wachsenden Bäume spendeten dem Archiv Schatten und zogen gleichzeitig Feuchtigkeit aus dem Untergrund. Heute sind die Mitarbeiter besorgt, wenn die Temperaturen zu sehr klettern.

Ehmigs Bäume mussten nämlich vor einigen Jahren gefällt werden und ohne den Schatten der Kronen kann es bei direkter Sonneneinstrahlung in einigen Räumen sehr warm werden. Kein Wunder, dass sich alle sehnlich neue Bäume um das Archiv wünschen.
Apropos neu: Der markante Bau, der wie viele Archive zur Zeit des deutschen Kaiserreiches entstand, ist zwischen 2008 und 2010 umfassend saniert worden. Das prächtige Vestibül und das Treppenhaus erhielten dabei ihre historische Farbgebung zurück und erstrahlen jetzt in einem prächtigen Blau. Die Erhaltung des historischen Baudenkmals ging mit einer Modernisierung und Anpassung an moderne Nutzungsanforderungen einher, die das 100 Jahre alte Gebäude fit für die Zukunft macht. Und das Interesse am „Gedächtnis des Landes“ ist groß: Im vergangenen Jahr erhielt das Landeshauptarchiv Schwerin rund 2000 schriftliche und 2000 mündliche Anfragen.
Historiker, Studenten und Familienforscher arbeiten regelmäßig in den beiden Lesesälen und können aus einem gewaltigen Fundus schöpfen. Denn zum Gesamtbestand des Landeshauptarchivs, das auch noch über eine Außenstelle in Ludwigslust verfügt, gehören 15.000 Urkunden, mehr als 23 Regalkilometer Akten und mehr als 100.000 Karten und Pläne. Alle diese Dokumente geben Aufschluss über 800 Jahre mecklenburgische Geschichte. In der Graf-Schack-Allee ist sie gut verwahrt.