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"Wir sind klassische Kochtopfangler"

Interview mit Uwe Köhler in der Reihe "Köpfe aus Schwerin"
Uwe Köhler, 68 Jahre, Vorsitzender des Anglervereins Schwerin-Süd
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Wo ist Ihr liebster Platz zum Angeln?
Auf der Ostsee, überall dort, wo ich mit meinem Schlauchboot zum Trailern hinkomme. Mittlerweile sind dafür auch gute Apps erfunden worden, zum Beispiel „Boating“, die mir sagen, wo es am besten von der Wassertiefe und so weiter passt.

Die Ostseeküste ist lang.
Meine Frau und ich sind Camper und sehr flexibel – von der Flensburger Förde bis nach Rügen waren wir überall schon angeln. Als Mecklenburger bleiben wir aber hauptsächlich in Mecklenburg.

Und was ist mit den Schweriner Seen?
Als Dauercamper in Retgendorf angeln wir oft auf dem Schweriner Außensee.

Welche Eigenschaften außer Geduld und ein Faible für Natur und Wasser muss ein Angler mitbringen? Und was ist überhaupt so toll am Angeln?
Ich sage immer: Angeln ist Leidenschaft. Warum sie ausgerechnet mich erwischt hat, weiß ich nicht. Aus meiner Familie und meinem Freundeskreis hat niemand geangelt. Aber ich habe schon mit sieben, acht Jahren angefangen – wie alle Kinder erstmal mit der Bambusrute. Aber ich habe günstig eingeheiratet. (lacht) Meine Frau konnte ich schnell vom Angeln überzeugen, und meine Schwiegereltern haben schon immer gern geangelt.
Die Leidenschaft ist das Erste. Das Zweite ist tatsächlich die Liebe zur Natur. Ich finde es einfach schön, wenn ich draußen auf der Ostsee bin und kein Land mehr zu sehen ist. Das hat mit Geduld nichts zu tun; die brauche ich dafür nicht.

Welchen Fisch mögen Sie am liebsten, und bereiten Sie ihn auch selbst zu?
Wir sind klassische Kochtopfangler. Wir angeln nur den Fisch, den wir auch gern essen. Es gibt viele Fische, die wir mögen, am liebsten jeden Seefisch, den wir kriegen können: Dorsch, Scholle, Makrele, Wittling und alle anderen Ostseefische, die man essen kann.
Das Mittagessen kann meine Frau besser kochen als ich, deswegen überlasse ich ihr das in der Regel. Für das Räuchern bin ich zuständig. Kleiner Tipp: selbst geräucherten Fisch mit Gewürzen in Öl einlegen. Das ist ganz lecker. Und der Fisch hält sich auf diese Weise im Kühlschrank sehr lange.

Was war Ihr bisher spektakulärster Fang?
Für mich der Fisch meines Lebens war eine Meerforelle, die ich vor ungefähr zehn Jahren aus der Ostsee gezogen habe, 13 Pfund schwer und 85 Zentimeter lang. Die haben wir gebeizt und dann wie Räucherlachs in Scheiben geschnitten auf der Stulle gegessen.

Sie können ja nicht ständig auf dem Wasser sein. Was machen Sie sonst so?
Seit sechs Jahren bin ich Rentner und muss nebenbei noch ein bisschen Geld verdienen, damit wir unseren Hobbys Angeln und Reisen frönen können. Ja, wir reisen viel und sind dabei mit dem Zelt unterwegs. Wir haben zum Beispiel schon die türkische Küste bereist und dabei auf türkischen Zeltplätzen übernachtet, die keinen Komfort, aber herrliche Naturerlebnisse bieten. Unsere Reisen finanziere ich mit dem Überspielen von Videokassetten – VHS, Camcorder, auch gerissene Bänder – auf DVD oder USB-Stick. Ich habe zuletzt in der IT gearbeitet, die Leidenschaft für die Technik ist geblieben. Deswegen kenne ich mich auch ganz gut mit Computern aus. Ich hatte für das Überspielen sogar schon je einen Auftrag aus Philadelphia und Tokio. Interview: S. Krieg

Uwe Köhler ist Vorsitzender des Anglervereins Schwerin-Süd.