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Von klein auf bei der Feuerwehr

Karl-William Leonhardt ist Stadtwehrführer und leidenschaftlicher Physiotherapeut
Karl-William Leonhardt (30) in seiner Dienstuniform
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„Meine Freundin weiß, dass ich ein kleines Rad ab habe, was meine ehrenamtliche Arbeit angeht“, sagt Karl-William Leonhardt und lacht. Seit März dieses Jahres ist er als Stadtwehrführer Chef der Freiwilligen Feuerwehren Schwerins plus zweier Betriebsfeuerwehren. Klar bereite ihm die Tätigkeit Freude, sonst würde er es ja nicht machen, aber es hänge eben reichlich Zeit daran.
Das gilt auch für seinen Job. Zusammen mit Peggy Scheitz betreibt er eine Physiotherapiepraxis. „Mit vierzig Stunden kommst du als Selbstständiger nicht hin“, sagt er. „Abrechnun­gen, Buchhaltung und so weiter müssen auch erledigt werden, der ganze Papierkram. Aber Phy­sio­therapeut zu sein, steht für mich im Fokus. Meine Berufung ist es, am Patien­ten zu arbeiten.“

Vielleicht kann man sagen, dass der Weg von Karl (auf den William legt er nicht so viel Wert) Leonhardt schon früh vorgezeichnet war. Auf die Physiotherapie sei er gekommen, weil seine spätere Geschäftspartnerin zum Bekanntenkreis seiner Eltern gehörte und sie den jungen Burschen für den Beruf begeisterte. Sein Großvater war von 1990 bis 2006 Landesbrandmeister von Meck­len­burg-Vorpommern. „Für ein Kind ist die Feuerwehr natürlich immer spannend“, sagt er. „Wenn Opa zu Terminen bei der Feuerwehr gefahren ist, war der Enkel, so oft es ging, dabei.“
Der gebürtige Schweriner erwarb nach der Schule beim städtischen Fachgymnasium für Wirtschaft und Verwaltung die Fachhochschulreife und ließ sich direkt darauf ebenfalls in Schwerin zum Physiotherapeuten ausbilden. Anschließend noch fix die Zusatzqualifikation zur manuellen Lymph­drainage angehängt. Und los ging‘s ins Berufsleben.

Nein, ging‘s nicht. „Im Januar 2011, als ich meine Zusatzausbildung machte, reifte in mir der Gedanke, mal für längere Zeit ins Ausland zu gehen. Wann, wenn nicht jetzt?, dachte ich mir. Ich hatte damals weder Frau noch Kind“, blickt der heute Dreißigjährige zurück. Und der Gedanke reifte schnell, denn schon zwei Monate später saß er im Flugzeug zum anderen Ende der Welt. „Ich wollte unbedingt nach Neuseeland. Mich hat fasziniert, dass es so weit weg ist. Und dann die Natur, die Leute, die Kultur, das Freiheitsgefühl“, schwärmt er.
Er fuhr in einem dort erworbenen Kleinbus zusammen mit anderen Backpackern über die Inseln, verdiente sich zwischendurch Geld bei Ernte und Verpackung von Kiwis. Ein paar Monate reiste er dann mit einer entfernten Bekannten aus Schwerin weiter. Sie wurde in Neuseeland seine Lebens­partnerin, und inzwischen hat er mit ihr eine kleine Tochter.

Bevor es die beiden wieder nach Deutschland führte, verbrachte das Paar noch ein paar Wochen in Australien. „Von dort aus habe ich mich bereits für einen Job beworben und das Bewerbungsgespräch per Skype geführt“, sagt Leonhardt. So konnte er direkt nach der Rückkehr in die Heimat im Januar 2012 in seinen erlernten Beruf einsteigen. Aber nicht in der Praxis, die er inzwischen sogar führt. Dorthin kam er erst Ende 2013. „Ich wurde abgeworben“, sagt er schmunzelnd.
Auch sein Hobby bei der Feuerwehr nahm er wieder auf. Bereits im Alter von zehn Jahren, wurde er Mitglied der Jugendfeuerwehr, verbrachte einen Großteil seiner Kindheit und Jugend dort, nahm an Ausbildungsdiensten und Wettkämpfen teil. Später wurde er zum Landesjugendsprecher der Landesjugendfeuerwehr gewählt. Er sagt, er habe in dieser Funktion „jugendpolitische Arbeit für Kinder auf Landesebene“ gemacht.

Mit 18 Jahren trat er in den aktiven Dienst der Freiwilligen Feuerwehr Schwerin-Mitte ein und wurde schnell Truppenführer Atemschutzgeräteträger. Ab 2017 bekleidete er das Amt des Stadt­jugend­feuerwehrwarts; Stellvertreter für diesen Posten war er bereits 2012, gleich nachdem er seinen Aus­lands­­aufenthalt beendet hatte. Und nun also agiert Karl Leonhardt ehrenamtlich als Stadtwehrführer. Was wiederum eine Menge an Schreibtischarbeit bedeute und ihm kaum Zeit für Einsätze und Ausbildung lasse. Neben dem Organisatorischen zählen zu seinem recht großen Aufgabengebiet unter anderem die Öffentlichkeitsarbeit und die Verbindung zur politischen Ebene. Er ist auch Gruppenführer und wird demnächst dar­über hinaus an einem Zugführerlehrgang teilnehmen.

Und das alles, obwohl er sich zu Hause um sein Baby kümmert, nebenbei das Haus modernisiert, gern mal mit dem eigenen Boot auf dem Schweriner See unterwegs ist, sich auch öfter mit Freunden trifft. Und dann noch die berufliche Selbstständigkeit. Da braucht man doch eigentlich 25-Stunden-Tage. „Wie gesagt“, fasst Karl Leon­hardt augenzwinkernd zusammen, „für das Ehrenamt müssen einem schon ein paar Latten am Zaun fehlen, sonst würde es keiner machen.“ S. Krieg