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„Konzentriere mich auf eine Sache“

Nicolas Schlegel leitet die Gartensparte „Erholung“ und will dort neue Wege gehen
Nicolas Schlegel (42) in der Gartenanlage nahe des Ostorfer Sees
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Gemeinschaft. Ehrlichkeit. Solidarität. Das sind Begriffe, die Nicolas Schlegel im Gespräch immer wieder verwendet. Es seien eben Prinzipien, nach denen er lebe. Als weiteres Lebensmotto gibt er aus: „Probleme sind Aufgaben, die man nicht lösen kann. Ich habe keine wirklichen Probleme.“ Vielleicht ist Schlegels Großvater auch ein bisschen daran schuld. In dessen Haus in Rellingen bei Hamburg verbrachte er einen Großteil seiner Kindheit und Jugend, nachdem er zuvor mit seinen Eltern auf einem Gutshof in Gammelby bei Eckernförde gewohnt hatte. Seinem Opa jedenfalls habe er sehr viel geholfen bei allem, was am und ums Haus zu tun war: Holz- und Steinarbeiten, Elektro- und Wasserinstallationen – die Aufgaben waren sehr vielfältig und bildeten die Grundlage für sein handwerkliches Können.
„Das Haus verfügte übrigens über eine Wärmetauscheranlage“, sagt Schlegel, „so bin ich mit den Anfängen privater ökologischer Energieerzeugung in den achtziger Jahren aufgewachsen.“ Saubere Umwelt zählt auch zu seinen  Lieblingsthemen.

Anfang der 90er Jahre kam sein Vater als Finanzbeamter nach Schwerin, und die Familie Schlegel zog nach Retgendorf. Dort lernte er Gas- und Wasserinstallateur und bildete sich später zum Brandschutztechniker weiter. Für eine Brandschutzfirma kam er dann in der halben Welt herum.  Seine erste Baustelle war 2000 in  Liverpool, seine letzte 2006 in Zilina (Slowakei). 1999 lernte er seine jetzige Frau kennen und wurde Schweriner, 2006 beschloss er, lieber zu Hause bei Ehefrau und Tochter zu bleiben.
„Es war eigentlich immer mein Traum, zur Berufsfeuerwehr zu gehen. Als Brillenträger wurde mir dies leider verwehrt. Aber mit der Brandschutztechnik war ich wenigstens schon mal dicht dran“, sagt er lachend. Für die Freiwillige Feuerwehr stellte die Brille kein Hindernis dar. Schon 1991 trat er in die Freiwillige Feuerwehr Rellingen ein, wechselte 1995 zu der seines damaligen Wohnortes Retgendorf und ist seit 2006 Mitglied der Feuerwehr Schwerin-Mitte. Dort brachte er es zum Gruppenführer, Kreisausbilder und Maschinisten. Kurz nach seinem Beitritt gründete er den Förderverein FF-Schwerin-Mitte  und wurde dessen Vorsitzender. Anstelle seines Wehrdienstes verpflichtete Schlegel sich 1995 beim Katastrophenschutz in Leezen. Auch heute noch, längst nach dem Ablauf seiner Pflichtzeit, gehört er dem Katas­trophenschutz weiter an.

Beruflich ging der Neu-Schweriner ab 2006 abrupt ganz andere Wege; jetzt stürzte er sich in die Vermittlung von Finanzdienstleis­tungen. Auf die Dauer war das aber für den „Hansdampf in allen Gassen“, wie er sich selbst nennt, offenbar doch nicht das Richtige. 2011 ließ er die Vermögensberatung in den Hintergrund rücken und machte sich selbstständig als handwerklicher Dienstleister. Sechs Jahre später nahm er dann lieber einen 30-Stunden-Job bei einer Elektrofirma an, wo er in erster Linie mit Veranstaltungselektrik zu tun hat.
Er habe dies vor allem getan, um Zeit zu gewinnen für Familie und Ehrenamt. Seit 2014 leitet Schlegel die Gartensparte „Erholung“, wo er 2010 zusammen mit seiner Frau eine Parzelle übernahm. Insgesamt verfügt die Anlage über 325 Parzellen. „Unsere Sparte ist damit die größte in Mecklenburg-Vorpommern und die viertgrößte in ganz Norddeutschland“, freut sich der Kleingärtner.

Sein Ziel sei es, hier neue Wege zu gehen, anders zu sein. „Ganz wichtig sind für mich Gemeinschaft, Integration und Inklusion“, sagt er. „Insgesamt stellen wir jährlich 18 Festivitäten auf die Beine. Wir möchten damit das Gemeinschaftsgefühl unter den Kleingärtnern fördern. Das ist gerade in Anbetracht dessen wichtig, dass wir hier eine bunte Mischung an Leuten haben. Drei Parzellen werden von behinderten Menschen geführt, außerdem sind bei uns im Verein Menschen aus 20 Ländern Mitglieder, unter anderem Schweden, Tschechen, Österreicher, Tunesier, Polen, Russen, Ägypter und ein Israeli. Durch die gemeinsamen Aktivitäten lernen sich alle besser kennen, was wiederum die Solidarität untereinander stärkt.“
Inklusion erlebe Schlegel auch in seinem Berufsalltag – bei Aufträgen in den Dreescher Werkstätten, wo er öfter zu tun hat. „Die behinderten Menschen dort sind immer ehrlich und direkt. Das mag ich sehr, weil es meinem Naturell so nahe kommt. Diese Ehrlichkeit vermisse ich bei den allermeisten gesunden Menschen“, erläutert er. Neue Wege werden in der Garten­sparte jedoch auch in puncto Technik beschritten: Seit einiger Zeit verfügt die Anlage über WLAN. Vor allem aus Sicherheitsgründen, wie Schlegel betont. Überwachungs­kameras und Alarmanlagen seien so entsprechend vernetzt.

Reichlich zu tun also für Nicolas Schlegel. „Aber ich konzentriere mich im Ehrenamt auf nur eine Sache“, betont der 42-Jährige. „Deswegen habe ich auch den Vorsitz beim Feuerwehrförderverein aufgegeben, als ich begann die Garten­sparte zu leiten.“ Für zwei weitere Hobbys nimmt er sich jedoch zusätzlich Zeit: Politik und Imkerei. Seit 2014 betätigen er und seine Ehefrau sich als Imker; fünf Bienenvölker haben sie momentan. Vielleicht auch als weiteren kleinen Beitrag für Natur und Gemeinschaft.
Was das Thema Ökologie betrifft, lobt er seine Heimatstadt: „Schwerin beginnt, sich jetzt mehr und mehr für Naturschutz und Umwelt zu engagieren. Ich möchte diesen guten Weg weiter voranbringen helfen.“ S. Krieg