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„Gelegenheit, Neues auszuprobieren“

Margret Schmal war Lehrerin und widmet sich mit großer Leidenschaft der Kunst
Margret Schmal findet ihre künstlerischden Motive oft in der Natur und der Architektur.
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Margret Schmal mag die Lieder von Gerhard Gundermann. Sie erinnern die 72-Jährige an ihre Jugend, die sie in der „Braunkohlenlandschaft“ im südlichen Brandenburg, damals Bezirk Cottbus, verbrachte. Die Bagger, Tagebaue und Fabriken, die der Liedermacher zum Thema seiner Songs machte, kennt Margret Schmal nur zu gut. „Wir haben 300 Meter von einer Brikettfabrik und 500 Meter von einem Kraftwerk entfernt gewohnt“, sagt sie.
Als sie 1980 nach Schwerin gekommen sei, habe sie sich fast wie im Paradies gefühlt, sagt sie: ringsum Wälder und die saubere Luft, die sie richtig durchatmen ließ.

In unserer Stadt arbeitete sie wie zuvor auch schon im Süden der Republik als Lehrerin für Kunst und Geschichte. Kunst faszinierte sie von klein auf. Sie malte und zeichnete immer gern; ihre Kunstlehrerin förderte das junge Talent zudem. Dass sie nach dem Abitur Angewandte Kunst studieren wollte (auf Burg Giebichenstein), habe ihren Eltern aber missfallen. „Sie wollten lieber etwas Solides für mich“, blickt sie zurück. „Und ich hatte damals auch nicht den Mut, etwas zu tun, was meine Mutter und mein Vater, der auch Lehrer war, nicht guthießen.“

Also studierte Margret Schmal von 1966 bis 1970 an der Karl-Marx-Universität Leipzig Pädagogik mit dem Hauptfach Kunst.

In den folgenden 36 Jahren als Lehrerin habe sie sich nicht nur im Rahmen der üblichen Fortbildungen, sondern auch privat mit den unterschiedlichen Aspekten und Techniken der Kunst beschäftigt.
Nach der Wiedervereinigung erweiterten sich die Möglichkeiten auch in dieser Hinsicht enorm. So unternahm sie mehrere Studienreisen und belegte Kurse unter anderem bei den Schweriner Künstlern Thomas Sander und Ulf Rickmann. Ganz unterschiedliche Dinge habe sie von den beiden gelernt. Während sie von Sander viel erfahren habe über die Freiheit der Kunst und deren Ausdrucksformen, brachte ihr Ulf Rickmann die Tiefdrucktechnik Aquatinta näher. Nach wie vor arbeite sie gern mit dieser Variante der Druck­grafik – neben Malerei, Mischtechniken und Keramik.

Bedingt durch Schulschließungen endete ihre Berufslaufbahn etwas früher als geplant, und sie ging vorzeitig in Rente. Sie ging mit der Situation postiv um und nahm nochmal richtig Anlauf: „Ich empfand das so, dass noch ein neuer Lebensabschnitt möglich wurde mit Zeit und Gelegenheit, Neues auszuprobieren, und mit noch intensiverer Beschäftigung mit Kunst.“

Ihre Sujets, egal ob für Malerei oder Grafik, findet sie vor allem in der Natur. „Ich male und zeichne gern Landschaften. Was mir dabei jetzt aufgefallen ist: Sie sind menschenleer. Ich weiß gar nicht, warum. Vielleicht ist es die Begeisterung für die mecklenburgische Landschaft an sich“, überlegt sie. Gern sei sie draußen an der Natur, um dort zu beobachten, zu malen, zu zeichnen. „Ich staune immer wieder über die vielfältigen Farben und interessanten Strukturen – bei Pflanzen, im Himmel, im Meer“, schwärmt sie. Aber ebenso freue sie sich über gelungene Architektur. Die vielen Bilder in ihrem kleinen Atelier im Bleicher­ufer 11 zeugen von beidem.

Inzwischen ist Margret Schmal Mitglied im Pommerschen Künstlerbund sowie im Wallauer Fachwerk in Hessen, und sie leitet seit 2010 den Kunstverein Goderner Kreis. Sie zeigte ihre Werke auch schon vielfach öffentlich – in mehreren Einzelausstellungen und als Be­teiligte an Gemeinschaftsausstellungen vorwiegend in Mecklenburg-Vorpommern.

Und sie nahm begeistert mit ihren Werken an der Höfischen Weihnacht im vergangenen Jahr im Innenhof des Schweriner Schlosses teil. Sie freue sich schon, auch dieses Jahr wieder dabei zu sein.  Gleich nebenan im Staatlichen Museum Schwerin führt sie hin und wieder als freie Mitarbeiterin Besuchergruppen durch die Ausstellungen.

„Das ist für mich eine wunderbare Erweiterung meines Gesichtskreises und eine große Bereicherung durch die intensive Beschäftigung mit den alten Meis­tern, der Moderne und besonders auch mit den Sonderausstellungen. Es fasziniert mich zu sehen, wie jeder Künstler einen ganz eigenen Weg im künstlerischen Ausdruck findet.“

Das ist auch ihr Anspruch ans Kunstschaffen: den eigenen Stil zu entwickeln und weiter auszuarbeiten – auch wenn sie sich selbst nicht als Künstlerin bezeichnen möchte. Dazu habe sie zu großen Respekt vor denjenigen, die Kunst studiert haben und mit der Kunst ihr Geld verdienen. S. Krieg