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Die Stadt passt zu mir und ich zu ihr

Interview mit Christian Hajdas in der Reihe "Köpfe aus Schwerin"
Christian Hajdas, 42 Jahre, Geschäftsführer Designschule Schwerin
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Sie sind Mann der ersten Stunde bei der Design­schule Schwerin. Wann und wie kam es zur Gründung der Schule in unserer Stadt?
Das Wann ist einfach zu beantworten: Die ersten Gründungsideen entwickelten sich im Oktober 2000, die GmbH wurde im April 2001 gegründet, und den Schulbetrieb mit den ersten zwei Klassen haben wir im September 2001 aufgenommen. Das Wie ist im Nachhinein betrachtet eher ein Zufallsprodukt. Im Jahr 2000 war ich als Assistent der Geschäftsleitung bei einem privaten Bildungsträger angestellt und entwickelte zu der Zeit fast wöchentlich Ideen, was meine berufliche Zukunft betrifft. Aus heutiger Sicht betrachtet waren viele davon sicher naiv, allerdings muss man bedenken, dass ich im Jahr 2000 auch gerade erst 22 Jahre alt war. Letztendlich war es eher Zufall. Ich lernte seinerzeit Dr. Waßermann und Prof. Kummert kennen, die sich mit der Idee trugen, eine Schule in Schwerin zu gründen. Der Rest ist schnell erzählt. Aus den ersten Ideen entwickelten sich konkrete Pläne, bis letztendlich die Designschule Schwerin tatsächlich entstand.

Würden Sie sich selbst auch als Kreativen bezeichnen, oder fühlen Sie sich eher bei Zahlen und Organisation wohl?
Ja, als kreativ würde ich mich in jedem Fall bezeichnen, aber nicht im künstlerisch-gestalterischen Bereich. Meine kreativen Stärken liegen eindeutig im konzeptionellen und auch im handwerklichen Bereich.

Welche Rolle spielt Design in Ihrem privaten Bereich?
Ich bin ein großer Anhänger der Bauhausphilosophie und deren Credo, dass die Form stets der Funktion folgen sollte.  Insofern werden Sie in meinem privaten Umfeld eher klare Formensprachen und eine auf die Funktion ausgerichtete Einrichtung finden.

Wie sehr und auf welchen Wegen bereichert die Designschule aus Ihrer Sicht unsere Stadt?
Grundsätzlich bereichert jede Wissen vermittelnde oder Wissens schaffende Einrichtung eine Region positiv. Das „wie sehr“ hängt sicherlich auch immer mit der Größe einer Einrichtung zusammen, und da unsere Schule eine eher kleine, aber feine Einrichtung ist, werden die positiven Auswirkungen auf die Stadt auch immer überschaubar bleiben.
Trotzdem ist es wichtig für eine Landeshauptstadt wie Schwerin, eine Ausbildungsstätte für angewandte Kunst zu haben. Letztendlich sind einige unserer Absolventen in Schwerin geblieben und haben sich erfolgreich selbstständig gemacht. Viele sind in ein Angestelltenverhältnis eingetreten und wieder andere haben eine durchaus beachtliche Kariere vorzuweisen.
Darüber hinaus arbeiten wir eng mit dem Theater, dem Museum, der Kirche oder aber auch der regionalen Wirtschaft in Projekten zusammen.

Was mögen Sie darüber hinaus an Schwerin, und was müsste besser werden?
Ich mag vor allem die Größe Schwerins. Für meinen persönlichen Geschmack passt die Stadt gut zu mir und ich zu ihr. Ich bin hier geboren und war in meinem Leben viel unterwegs, muss aber ehrlich sagen, dass trotz aller Dinge, die man sicherlich immer besser machen könnte, Schwerin aus meiner Sicht in den vergangenen Jahren deutlich mehr richtig als falsch gemacht hat. Aber wenn Sie unbedingt einen Kritikpunkt hören wollen, so denke ich, ist bei der Willkommenskultur für Schüler und Studenten noch einiges an Luft nach oben.

Interview: Stefan Krieg