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Zurück auf den eigenen Beinen

Das Sanitätshaus Kowsky betreut mit Leif Schellknecht seinen ersten Roboteranzug-Träger
Eine Maschine zum Anziehen: Leif Schellknecht ist mit seinem Exoskelett zum Check im Sanitätshaus Kowsky Schwerin beim Orthopädiemeister Torsten Lindig
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„Sag Bescheid, wenn Du mal wieder im Schlossparkcenter unterwegs bist. Dann komm ich und mach ein paar Fotos von dir.“ Leif Schellknecht lächelt: „Mach ich“, antwortet er und winkt Orthopädietechnikmeister Torsten Lindig noch kurz zu, bevor er das Sanitätshaus Kowsky verlässt. Der 47-Jährige ist gut drauf.

Alles läuft bestens für den querschnittsgelähmten Rollstuhlfahrer, der mit seiner Familie in Karstädt lebt. Seit er am Körper dieses Gerüst trägt, das an einen Roboter erinnert, kann er seine Beine wieder bewegen. Mit Hilfe von Schienen, die an seinen Ober- und Unterschenkeln entlang laufen und in den Schuhen enden. Dort sorgen Metallplatten dafür, dass Leif Schellknecht seine Füße anheben kann. Sensoren messen die Bewegungen seines Oberkörpers und setzen sie in Schritte um. Über eine Steuerung am Handgelenk kann er die Geschwindigkeit eingeben.

Auch heute hat der Mecklenburger bei seinem Besuch im Sanitätshaus Kowsky ordentlich Gas geben.
Schließlich wollte er Orthopädietechnikmeister Torsten Lindig, der sich um ihn und das Exoskelett kümmert, zeigen, wie gut es mit dem Aufstehen, Hinsetzen, Gehen und Richtung wechseln klappt. Sogar das Treppensteigen ermöglicht das Gerät. Seine Tochter wohnt im fünften Stock; ohne Fahrstuhl, und bis dort hinauf hat er es schon geschafft!

Leif Schellknecht war Industriekletterer, bis er vor knapp zwei Jahren aufgrund einer Tumor­erkrankung eine Rückenmarksschädigung erlitt. Ein Leben im Rollstuhl lag vor ihm. Als er vom Exoskelett hört, fährt er zur größten deutschen Rehamesse (RehaCare) nach Düsseldorf. Am Stand der Firma ReWalk steht für ihn fest: „So ein Teil will ich haben.“

Kein leichtes Unterfangen. Das Exoskelett ist erst seit 2013 in Deutschland erhältlich. Aufgrund der hohen Kosten – Leif Schellknecht schätzt sie samt Training und allem drumherum auf 150 000 Euro – gibt es hierzulande bisher nur wenige, die so eine Art Robotergerüst tragen. Tendenz steigend. Schließlich besitzt das Exoskelett von ReWalk auch eine Hilfsmittelnummer und damit die Voraussetzung für eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung. „Letztlich“, weiß Torsten Lindig, „hängt die Bewilligung noch von vielen einzelnen Faktoren ab, wie Körpergröße, Gewicht, Knochendichte, Lähmungsgrad und eigener Fitness. Größere Chancen hat auch, wer noch nicht zu lange im Rollstuhl sitzt.“   

Torsten Lindig ist jedenfalls stolz, dass er als Orthopädietechnikmeister erstmals jemanden mit so einem hochentwickelten Reha-Gerät begleiten kann. Und er freut sich unglaublich mit ihm, wenn er Fortschritte macht: „Und die macht er. Seit diesem September besitzt Leif Schellknecht sein eigenes Exoskelett und schon sieht man, wie gut es ihm tut. Seine Verdauung hat sich verbessert, die Durchblutung, die Muskelmasse nimmt zu. Er schläft ruhiger und fühlt sich seelisch stabiler“, sagt Lindig. Schellknecht fügt hinzu: „Letzteres liegt natürlich daran, dass man sich ganz anders wahrgenommen fühlt, wenn man steht. Es wird nicht immer nur auf dich ’herabgeschaut’, sondern du begegnest den Menschen auf Augenhöhe.“

Auch auf Arbeit klappt es prima. Der Karstädter arbeitet zwei Wochen durchgängig für ein Off­shore-Windkraftunternehmen auf Rügen. Dabei verbringt er jeden Tag bis zu acht Stunden am Stehpult. Auch in seiner Freizeit nutzt er das Exoskelett, so oft es geht. Zum Beispiel für einen Stadtbesuch und Bummel durch das Schweriner Schlossparkcenter. Aus eben diesem Grunde möchte Torsten Lindig beim nächsten Mal ein paar Fotos von ihm schießen – damit ihm Interessierte, die zu ihm kommen, auch all die Dinge glauben, die er ihnen über Leif Schellknecht und dessen Roboteranzug erzählt.  

Wer auch auf den Rollstuhl angewiesen ist und daran Interesse hat ReWalker zu werden, kann sich die notwendigen Informationen jederzeit im Sanitätshaus Kowsky holen.