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Bakterien – Segen und Fluch des Menschen
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Es ist schon erstaunlich, wenn man bedenkt, dass jeder Mensch mehr Bakterien mit sich trägt als er eigene Körperzellen besitzt. Nur die ersten 9 Monate unseres Lebens im Mutterleib bis zur Geburt sind wir keimfrei, danach werden wir schlagartig mit Mikroorganismen konfrontiert, die einen entscheidenden Einfluss auf unser weiteres Leben und Wohlbefinden haben. Zu den Mikroorganismen, die unsere sogenannte Normalflora darstellen, gehören Bakterien, Pilze und Parasiten.
Nach groben Schätzungen kommen im menschlichen Körper ca. 1500 verschiedene Bakterienarten vor.  Allein auf unserer etwa 1,6 Quadratmeter großen Haut leben so viele Mikroorganismen wie Menschen auf unserem Planeten. Die Gesamtzahl unserer Mikroorganismen macht ca. 1 kg unserer Körpermasse aus.  
Und das ist gut so! Denn unsere sogenannte Normalflora hat viele wichtige Aufgaben.

Der Segen

So bilden ortsansässige Bakterien auf der Haut eine „Schützenlinie“ und können somit  das  Eindringen von krankmachenden Bakterien verhindern. Jedoch können Verletzungen der Haut dazu führen, dass Bakterien – auch aus unserer Normalflora – in die Wunden eintreten und Entzündungen hervorrufen. Gerade jetzt zur Herbst- und Winterzeit, wo die Kälte die Haut wieder rau und rissig macht, sollte besonders auf die Pflege exponierter Hautareale (z.B. Hände und Gesicht) geachtet werden.
Im Darm benötigen wir die Bakterien ebenfalls als „Schützenlinie“, die die Ansiedelung von Durchfallerregern wie z.B. Salmonellen erschweren. Erst wenn eine bestimmte Anzahl an Salmonellen (ca. 100 000) mit verunreinigten Nahrungsmitteln aufgenommen wird, schaffen sie es, die „Schützenlinie“ der Darmflora zu durchdringen und sich im Darm anzusiedeln und zu wässrigen Durchfällen zu führen.
Weiterhin ist die Darmflora unerlässlich bei der Verdauung von Nährstoffen und unserer Versorgung mit lebenswichtigen Vitaminen (z.B. Vitamin K). Aber auch die Wirksamkeit mancher Medikamente (z.B. das Herzmedikament Digoxin) wird erst durch die Verstoffwechslung von Bakterien im Darm erreicht.
Bakterien der Normalflora trainieren täglich unser Immunsystem!
So gibt es Untersuchungen, die belegen dass auf  einem Bauernhof  aufgewachsene Kinder seltener an Allergien erkranken als Kinder, die in der Stadt aufwachsen. Dafür werden nach bisherigen Erkenntnissen bestimmte Bakterien verantwortlich gemacht, die das Immunsystem der Kinder beeinflussen sollen.
Der tägliche Kontakt mit überwiegend harmlosen Mikroorganismen, die nicht nur zu unserer Normalflora gehören sondern überall in unserer Umgebung und im Haushalt vorkommen, stimuliert unser Immunsystem. Deshalb sollten Desinfektionsmittel in haushaltsüblichen Reinigungsmitteln und Waschmitteln wirklich nur dann zum Einsatz kommen, wenn ein Familienmitglied an einer Infektionskrankheit erkrankt ist und eine weitere Übertragung verhindert werden muss. Der falsche Einsatz von Desinfektionsmitteln führt zur Selektion von resistenten Bakterien und kann somit bei Infektionen zu einem Nichtansprechen der Antibiotika-Therapie führen.

Der Fluch

Andererseits gibt es aber auch eine negative Seite der Normalflora: die Mehrzahl der Infektionen, die nicht im Krankenhaus erworben sind, werden von der körpereigenen Bakterien der Normalflora verursacht. Dies kann dann möglich werden, wenn die körpereigene Immunabwehr z.B. altersbedingt oder durch Fehl- oder Mangelernährung geschwächt ist.
Auch eine Chemotherapie bei Krebserkrankungen oder andere Arzneimittel können unsere Körperabwehr schwächen. Aber nicht nur durch die Schwächung unserer Körperabwehr, sondern auch die Störung des Gleichgewichtes zwischen den einzelnen Mikroorganismen z.B. nach einer Antibiotika-Therapie kann zu Infektionen führen.
So wird beispielsweise nach einer Therapie mit einem breit wirksamen Antibiotikum, die Darmflora so aus dem Gleichgewicht gebracht - weil viele der Darmbakterien ebenfalls durch diese Therapie abgetötet werden-  dass nur gegen diese Therapie resistente Bewohner des Darms überleben. Häufig gehört dazu Clostridium difficile, ein Bakterium, das schwere Darmentzündungen mit Durchfällen auslösen kann. Die Folge davon ist eine weitere notwendige Antibiotika-Therapie. Den Aufbau der normalen Darmflora können  beispielsweise auch  die lebenden Bakterien im Joghurt unterstützen.
Im Krankenhaus finden wir heute bedingt durch viele schwer kranke Patienten, die eine Antibiotikabehandlung benötigen, eine Selektion von resistenten Bakterien, die nicht mehr auf alle Antibiotika ansprechen.
Es ist bekannt, dass mit zunehmender Aufenthaltsdauer im Krankenhaus mehr Patienten von diesen Bakterien besiedelt werden. Dabei kommt es nur in wenigen Fällen zu einer Infektion. Allerdings stellen diese Patienten wiederum eine Infektionsquelle für andere Patienten dar. Ein Beispiel hierfür ist der MRSA (Methicillin resistenter Staphylococcus aureus). Um eine Ausbreitung dieses Bakteriums im Krankenhaus zu verhindern, sind strenge Hygienemaßnahmen einzuhalten.
 Aber auch nach Entlassung aus dem Krankenhaus kann die Kolonisation weiterbestehen. Dieses kann nur dann gefährlich werden, wenn die Abwehrlage des Körpers sich ändert und zu einer Infektion führt. Denn nicht immer wird vor jeder Antibiotika-Therapie eine mikrobiologische Untersuchung mit Testung des Resistenzverhaltens der Bakterien durchgeführt, was wiederum zum Versagen der Therapie führen kann.

Fazit

• Bakterien der Normalflora und in unserer Umgebung sind wichtig für uns!
• Durch unsere Hände werden die meisten Infektionen übertragen! Handhygiene schützt vor vielen Infektionen!
• Der regelmäßige Gebrauch von Desinfektionsmitteln im Haushalt ist unnötig und schädlich!
• Antibiotika sollten nur bei schweren Infektionen oder Patienten mit eingeschränkter Körperabwehr eingenommen werden, um eine Resistenzentwicklung bei den Bakterien zu verhindern!
• Eine gezielte Verordnung von Antibiotika ist wichtig um weitere Resistenzentwicklungen der Bakterien zu verhindern.    

Dr. med. Andrea Starke,
labor-mvz westmecklenburg

Schmudlach-Oswald-
Kettermann & Kollegen

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