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Eine kleine Station wird gross

40 Jahre Orthopädische Klinik im Krankenhaus am Crivitzer See / Zeitzeugen erinnern sich
Ein Patient wird in der Klinik für Orthopädie auf eine Kniearthroskopie vorbereitet. Fotos: MediClin
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Fast auf den Tag genau vier Jahrzehnte ist es her, dass die Orthopädische Station im Crivitzer Krankenhaus ihre Arbeit aufnahm. Noch bevor in der damaligen Bezirksstadt Schwerin die Klinik für Orthopädie in der Werderstraße eröffnet wurde, war die Crivitzer Einrichtung die erste orthopädische Station für den gesamten Bezirk.
Zeitzeugen erinnern sich noch heute gern an den bedeutenden Tag am 1. Mai 1972. Hanna Holst war zu diesem Zeitpunkt stellvertretende Stationsschwester. Patienten in 25 Betten, aufgeteilt auf fünf Zimmer, wurden von ihr, von sieben examinierten Schwestern und zwei Stationshilfen betreut. Die größte Neuerung: Die gemischten Station behandelte Männer und Frauen gleich, zuvor waren die Geschlechter immer getrennt untergebracht worden.
„Etwa drei Wochen verbrachten zum Beispiel Patienten mit Bandscheiben-OP in unserem Haus“, blickt Hanna Holst auf die Anfänge zurück. „An zwei Tagen in der Woche wurde operiert.“ Ein einziger OP-Saal stand dafür zur Verfügung. Selbst an die allerersten Operationen, die hier stattfanden, kann sie sich gut erinnern: Behoben wurden ein Hallux valgus (umgangssprachlich: Ballenzehe), ein Meniskus wurde operiert und eine Synovektomie, also eine Abtragung der Gelenkinnenhaut am Knie bei rheumatoider Arthritis.
Operationen für Hüftenersatz wurden allerdings nur in Rostock oder Greifswald durchgeführt. Darauf warteten Patienten zu jener Zeit circa eineinhalb Jahre. Knie-Endoprothesen gab es noch gar nicht, erst nach 1990 gehörten solche Eingriffe in Crivitz zum medizinischen Standard.
Und auch weitere Anekdoten malen ein lebendiges Bild vom Klinikbetrieb Anfang der 1970er-Jahre: „Wurde zum Beispiel ein Patient in das Grenzgebiet der DDR entlassen, musste ein spezieller Transport organisiert werden, weil nicht jeder Fahrer berechtigt war, Personen in diese Zone zu bringen.“ Keine fahrbaren Betten, viel Improvisation, auch Hilfsmittel mussten die Schwestern oft selbst herstellen. Die Halterungen für Unterarmgehstützen etwa stellte man aus Schlüsselhalterungen aus dem Werkzeugkasten eines W 50-LKW her.
Auch der damalige Chefarzt der Orthopädie, Dr. med. Alexander Scholz, kann viele solcher Geschichten erzählen. Schnell entwickelte sich seine Abteilung zu einem für die damalige Zeit hochmodern ausgestatteten Fachorthopädischem Zentrum. Neben den speziellen orthopädischen Leiden versorgten die Ärzte auch Unfallpatienten aus der unmittelbaren Umgebung.
Schwester Annaliese, die heute als  leitende OP-Schwester in Crivitz tätig ist, kann sich sogar noch an die wirklich erste OP erinnern: Am 9. Mai 1972 wurde ein Meniskus-Patient operiert. Kein einfaches Arbeiten, weiß sie von damals zu berichten, denn wenn im Operationssaal Röntgenbilder benötigt wurden, wurde eine Aufnahme „geschosssen“, dann lief jemand mit der Röntgenplatte hin und her, um das Bild zu entwickeln – so lange stand die Operation still. Zum Glück wurde etwas später ein Röntgen-Durchleuchtungsgerät angeschafft. „Es gab zu der Zeit auch noch keinen Narkosearzt“, erzählt Schwester Annaliese, „also hat der Operateur die Narkose allein durchgeführt und dann an eine der OP-Schwestern übergeben.“ Auch die Instrumente wurden bis zur Eröffnung der Sterilisationsabteilung 1980 selbst aufbereitet und sterilisiert. Heute unvorstellbar: Tupfer und Bauchtücher wurden im OP selbst ausgekocht und sterilisiert.
Nach 1990 wurde die Orthopädische Abteilung am Krankenhaus Crivitz weiter modernisiert und von Chefarzt Dr. Scholz und Oberärztin Radloff bis 2006 als große Belegabteilung weitergeführt. Seit 2006 ist Dr. med. Frank Rimkus der Chefarzt von Orthopädie und Chirurgie. Zeitgleich wurde eine neue Hauptabteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie im Krankenhaus am Crivitzer See eingerichtet. Fachspezifische Operationen unterschiedlichster Art werden hier heute selbstverständlich durchgeführt. So gehören zum Beispiel auch Wechseloperationen von gelockerten Hüft- und Knie- endoprothesen längst zum festen Programm. Sportverletzungen, wie der Kreuzbandriss, Meniskusverletzungen und Sehnenverletzungen an der Schulter werden fast ausnahmslos arthroskopisch, mit der sogenannten Schlüsselloch-Technik, versorgt. Auch in der Schulterchirurgie hat sich die Klinik seit der Eröffnung vor 40 Jahren einen überregionalen Ruf erarbeitet.


Kurzinfos:

MediClin Krankenhaus am Crivitzer See
Amtsstr. 1
19089 Crivitz
Telefon: (03863) 520-0
Telefax: (03863) 520-158
www.krankenhaus-am-crivitzer-see.de