Stadt

Uhrwerk in Einzelteilen

Turmuhr der Schelfkirche wird in Leipzig generalüberholt
René Sieber von der Firma Bernhard Zachariä bei der Demontage des Uhrwerks unter der Turmspitze
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Von einem „Jahrhundertereignis“ spricht Hans-Joachim Dikow, der das Projekt „Kirchturmuhren in Not“ mit ins Leben gerufen hat. Es kommt tatsächlich sehr selten vor, dass ein so großes Uhrwerk wie das in der Schelfkirche fachgerecht komplett zerlegt wird. Und das kann auch nicht jeder. Ende Februar hat sich die Firma Bernhard Zachariä aus Leipzig der Sache angenommen.

Die drei Handwerker mussten jeder etwa zwanzig Mal die teils engen Stufen bis unter die Kirchturmspitze hoch- und runterlaufen, bis alle Zahnräder, Wellen, Walzen und so weiter in den Autos verfrachtet waren. Jetzt befindet sich das in seine Einzelteile zerlegte kleine technische Wunderwerk in der Werkstatt in Leipzig.

Mitarbeiter Tom Träger sagt: „Wir schauen schon bei der Demontage, welche Bauteile defekt sind, aber richtig auf Fehlersuche gehen wir bei uns in der Werkstatt.“ Das Uhrwerk muss nämlich generalüberholt werden. Und das klappt direkt oben im Turm der Schelfkirche nicht. Frank Blumrich, Chef des Leipziger Trios, nennt die weiteren Schritte: „Nachdem wir alle Teile genau angeschaut haben, werden sie gegebenenfalls repariert, dann bauen wir das Uhrwerk zusammen – Zeiger kommen auch ran – und lassen es min­des­tens drei Wochen in der Werkstatt laufen, um zu sehen, ob wirklich alles reibungslos funktioniert. Danach nehmen wir das Uhrwerk wieder auseinander.“

Die Reparatur kostet mit allem Drum und Dran – inklusive pro­fes­sio­nellem neuem Aufzugswerk – etwa 15.000 Euro; einen Teil der Kos­ten trägt die Kirchgemeinde selbst, der größte Teil aber wird durch Spenden aufgebracht, vor allem gesammelt vom Initiator, dem „Kirchturmuhren in Not“-Projekt, sowie dem 1. Mecklenburger Uhrenclub.

Dikow weiß: „Die Uhr wurde im Jahr 1863 eingebaut, und das Uhrwerk war das erste öffentlich zugängliche in Schwerin. Zudem war die Schelfkirche zu dieser Zeit das höchste Bauwerk unserer Stadt.“
Und da müssen die Leipziger Monteure auch wieder hoch, um alle Einzelteile an ihren Platz zu bringen und zu einem funktionierenden Uhrwerk zusammenzubauen. Das wird wohl im Sommer sein.