Stadt

Für ein lückenloses Radwegenetz

Interview mit Madleen Kröner, Sprecherin der Initiative Radentscheid Schwerin, in der Reihe "Köpfe aus Schwerin"
Madleen Kröner, 62 Jahre, Sprecherin der Initiative Radentscheid Schwerin
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Im deutschlandweiten Fahrradklimatest erhält Schwerin keine besonders guten Noten …
Um genau zu sein, ist es Schulnote 4, wobei die 5 am schlechtesten wäre.

Dabei sind in den letzten Jahren doch hier immer mehr Radwege und -streifen geschaffen worden. Was läuft denn Ihrer Ansicht nach trotzdem falsch?
Es sind nur einzelne Wege, die zwar schön sind, aber dann im Nichts enden. Der Radstreifen zum Beispiel am Obotritenring ist nur für sehr Mutige geeignet. Gerade mal
13 Prozent der Schüler kommen mit dem Fahrrad zur Schule, über 50 Prozent der Grundschüler werden mit dem Auto der Eltern gebracht. Das zeigt doch deutlich, dass Eltern den Schulweg für zu gefährlich halten.

Welche Vorschläge leitet die Initiative Radentscheid Schwerin daraus ab?
Wir wollen ein Bürgerbegehren für mehr Investitionen in ein stadtweites lückenloses Radwegenetz. Radwege sollen von Gehwegen und Straßen baulich getrennt werden, weil das für alle Verkehrsteilnehmer sicherer ist. Und wir brauchen dringend mehr Fahrradabstellanlagen.

Betrachten Sie das Thema auch aus der umgekehrten Perspektive? Oder anders gefragt: Was können die Radfahrer selbst für ein besseres Miteinander im Straßenverkehr tun?
Ich selbst halte mich an die Regeln der StVO – aber es gibt nicht DIE Radfahrer, so wenig wie es DIE Autofahrer gibt. Ich halte überhaupt nichts davon, Radfahrer und Autofahrer gegeneinander aufzubringen. Wir als Radentscheid Schwerin wollen nicht das Autofahren verbieten. Aber viele wissen zu wenig über die Rechte von Radfahrern. Manche Auto­fahrer sind davon überzeugt, dass Radfahrer gar nicht auf der Straße fahren dürfen. Auch den Mindestabstand von 1,50 Meter beim Überholen kennen viele nicht.

Was kann Schwerin von Städten mit einem deutlich besseren Fahrradklima lernen?
Stellen Sie sich vor, es gibt Gehwege, auf denen nur Fußgänger gehen. Daneben gibt es Radwege, die baulich von den Straßen getrennt sind. Jeder, der möchte, kann hier Rad fahren und fühlt sich sicher dabei. Und es gibt Straßen für alle, die auf das Auto angewiesen sind. Wir wollen nicht die autogerechte Stadt, wir wollen die menschengerechte Stadt.

Klassische Argumente fürs Radfahren sind Umwelt- und Klimaschutz sowie gesundheitliche Aspekte. Welche Vorteile bringt es noch, das Auto stehen zu lassen und sich auf den Sattel zu schwingen?
Radfahren ist leise und verbraucht sehr wenig Fläche. In Schwerins Innenstadt sind Sie auf jeden Fall schneller per Rad als mit dem Auto. Und billiger ist es auch, Sie müssen keine Parkgebühren zahlen. Das klassische Argument, dass der Einzelhandel die Autos in der Innenstadt braucht, ist längst widerlegt. Studien sprechen von der „höheren Portemonnaie-Dichte“, wenn die Kunden nicht mit dem Auto, sondern stressfrei zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem ÖPNV kommen. Interview: Stefan Krieg