14.07.2026

Leo

Zeitnah

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Mache ich eigentlich einen hastigen Eindruck? Wohl eher nicht. Ich liege hier auf meinem Sockel, schaue friedlich in die Welt und mache mir meine Gedanken. Zum Beispiel über das Wort zeitnah. Das hörte ich, als ich neulich mal die Hilfe eines Behördenmitarbeiters brauchte. Nachdem ich ihn mehrere Male telefonisch mit meinem Anliegen behelligt hatte, ließ er mich wissen, dass er sich zeitnah zurückmelden würde. 

Leo sagt ...

Erst verging eine Woche, dann ein Monat. Okay, dachte ich, der Mann hat möglicherweise viel zu tun oder Urlaub oder ein kaputtes Telefon. Aber irgendwann fragste dich schon, wie nah eigentlich zeitnah ist. Nah am heute? Oder mehr so in der Nähe einer nicht näher definierten Zeit in ferner Zukunft? Ich also wieder an den Hörer. Leute, Leute, da konnte ich mir vielleicht etwas anhören! „Sie wissen doch, dass ich mich melde, wenn ich Zeit dafür habe!“, bellte mir der Mann unfreundlich ins Ohr. Seitdem weiß ich, dass zeitnah auch ein euphemistischer Begriff für den Satz „Auf meinen Anruf können Sie lange warten!“ sein kann. Doch kommt Zeit, kommt Rat. In meinem Fall lautete der einfach, es mal an anderer Stelle zu versuchen. Und siehe da: Ein freundlicher Mensch rief mich nach einer Stunde zurück, nahm mein Anliegen wohlwollend zur Kenntnis und machte einen Terminvorschlag, bei dem er meine zeitlichen Einschränkungen berücksichtigte. Jetzt überlege ich, ob ich dem anderen Kollegen noch absagen muss. Ich glaube, ich sollte das zeitnah tun.

Euer Museumslöwe
(notiert von Katja Haescher)