11.08.2026

Leo

Old school

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Als Museumslöwe bin ich schon etwas älter. So verfüge ich noch über einen Festnetzanschluss, einen Autoatlas und ein Taschenmesser – alles Dinge, deren Nutzung sich die Generation Alpha gar nicht vorstellen kann. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. So staunte der Enkel einer Bekannten unlängst über deren Fernsehzeitung und die Vorstellung, die Kiste wegen einer bestimmten Sendung zu einer bestimmten Uhrzeit anzuschalten. Hääää? Wer macht denn so was? Dass einst sogar das Radio-Programm mittels Zeitung publik gemacht wurde, wäre jungen, streamenden Menschen wohl noch rätselhafter.

Leo sagt ...

Ich dagegen gebe mich immer wieder als Vertreter einer Generation zu erkennen, die wahrscheinlich noch mit den Dinosauriern gut bekannt gewesen ist. Ich zahle mit Bargeld, schreibe das Wort Kuss mit ß und sage zum Eurovision Song Contest Grandprix. Alter, wo hast du denn in den zurückliegenden 30 Jahren gesteckt, ist noch eine der harmloseren Reaktionen, die ich darauf zu hören bekomme. Aber ist es denn meine Schuld, dass ich immer weniger durchblicke? Was ich noch als Radioreportage kenne, ist heute ein Podcast. Mein Hausmeister nennt sich Facility Manager und ich traue mir nicht mehr, ihn anzurufen, weil er wahrscheinlich gerade mit wichtigem Managerkram beschäftigt ist. Aber was soll‘s. Als Head Receptionist des Museums mache ich jetzt, was ich am besten kann: unbeteiligt geradeaus schauen. Das, habe ich erfahren, nennt sich dann Work-Life-Balance.

Euer Museumslöwe
(notiert von Katja Haescher)