13.10.2026

Leo

Volle Punktzahl

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Wir leben in einer Zeit ständiger Bewertungen. Seit jeder zu jedem und zu allem alles sagen kann, hagelt es Noten, Punkte, Sterne. Vier von fünf Sternen für den Film, den Einkauf, die Behandlung beim Zahnarzt. Und wo droht nicht überall der Punktverlust. Fünf Minuten an der Kasse? Na warte! In der Küchenschublade des Ferienhauses fehlte ein Topfuntersetzer? Bääng! Der Kellner konnte die Liste der Allergene nicht aus dem Kopf aufsagen und hat zudem noch Gluten falsch ausgesprochen? Tja, da muss man leider was abziehen.

Leo sagt ...

Neulich erzählte mal ein Comedian, warum er für seinen Auftritt von einem Zuschauer nur einen von fünf Punkten bekam. Weil der Gast nämlich auf dem Weg zum Veranstaltungsort in einen Schauer geraten und nass geworden war. Und das doof fand. Gut, vielleicht hatte der Comedian ja im Interesse einer guten Story übertrieben. Aber nur vielleicht, denn worüber manche Leute meckern, ist schon interessant. Das geht bis zu: Der Postbote, der das Paket gebracht hat, hat zu leise geklingelt! Da frage ich mich, wie die Bewertung meiner Person aussehen würde. Guckt mit versteinerter Miene unfreundlich geradeaus? Imitiert eine Sphinx (kulturelle Aneignung)? Hat langweilige, biedere Farbe, die aus der Nähe betrachtet fleckig aussieht? Ich weiß es nicht. Was ich weiß, ist aber, dass viele Menschen keine Bewertung schreiben, wenn es nichts zu meckern gibt. Insofern möchte ich allen, die meinem Mimimimi bis hierher gefolgt sind, einfach mal die volle Punktzahl geben. 

Euer Museumslöwe
(notiert von Katja Haescher)