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„Ich werde mich nicht verkleiden“

Songrocker Pingo Schlüter überrascht Fans und Musikerkollegen mit Solo-Album „Debüt“
Pingo mit Pingoshirt und Pingozouki. Foto: Matthias Friel
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Vergessen Sie alles, was Sie über diesen Mann zu wissen glauben: Pingo Schlüter ist jetzt Solist. Der bis vor ein paar Jahren als Boss der Schweriner Rock`n`Roll-Gangster
„Strafsache Dr. Schlüter“ bekannte Musiker hat die drohende Rocker-Rente gegen ein neues Bühnen-Ich eingetauscht. Ergebnis ist das Album „Debüt“, dessen Veröffentlichung am 13. April im E-Werk mit einem ersten Konzert gefeiert wird. Grund genug für ein klärendes Gespräch.

Pingo, das Abschiedskonzert der  „Strafsache Dr. Schlüter“ ist eine kleine Weile her, jetzt das neue Album – musste das sein?
Zunächst einmal hat „Strafsache“ als Cover- und Showband mit meinen Songs nicht so sehr viel zu tun. Dafür war eher „Canguru“ gemacht. Mit dieser Band hatten wir übrigens zum 20. Jubiläum des Schweriner Neuen Forums 2009 ein Revival in der Originalbesetzung von 1989, das war fantastisch. Viele der neuen Songs klingen rockiger als die von Canguru. Der Schritt von dort zu meiner neuen Platte war aber gar nicht so groß. Als Singer/Songrocker setze ich unterschiedliche Gitarren und meine Pingozouki für verschiedene Stimmungen ein. Freunde betrachten meine Gitarren-Schwäche schon mit gewisser ironischer Distanz – aber die Instrumente kommen tatsächlich zum Einsatz.
(Der bekennende „Anonyme Guitarholiker“ hat seiner „Sucht“ eine Karikatur gewidmet, die man sogar anziehen kann: www.pingoshirts.
matthiasfriel.de – die Red.)


Also ein klares Ja – die Platte musste sein, weil ich auch in den letzten Jahren immer Songs geschrieben habe. Die wollte ich schließlich aufnehmen und anderen Leuten als Material vorschlagen. Vor zwei Jahren gab es dann eine Idee zu einem Projekt, das sich vorerst nicht verwirklichen ließ, und dadurch wieder die Besinnung auf diese Songs. Ein Soloprogramm zu konzipieren, ging dann total schnell – anders als man das als Teil einer Band gewohnt ist. Eine neue, sehr befriedigende Erfahrung. Das Album ist also eigentlich aus mehreren Zufällen heraus entstanden. Der sichtbare Unterschied zu „Strafsache“ ist wohl der: Ich werde mich nicht verkleiden.

Eines der Lieder auf „Debüt“ ist Urgestein Keith Richards von den Rolling Stones gewidmet. Warum?

Keith ist einfach ein Typ. Er hat zum Beispiel die offen gestimmte 5-saitige Gitarre berühmt gemacht, die benutze ich deshalb auch für den speziellen Sound in „Keef“.
Darüber hinaus nimmt der Text diese unsägliche Professionalität auf die Schippe, dass für alle Personen des öffentlichen Lebens ab einem bestimmten Alter der Nachruf vorproduziert in der Schublade liegt. Gleichzeitig ist das Lied natürlich meine Hommage an ihn und der Wunsch für ein noch langes, langes Leben.

Den ersten Solo-Abend gibt es im E-Werk. Wo würdest Du am liebsten auftreten, wenn Du die Wahl hättest?
Das mache ich gar nicht an bestimmten Lokalitäten fest. Ich möchte dort auf der Bühen stehen, wo ich ein offenes Publikum antreffe, wo ich über die Musik mit den Leuten nach dem Konzert ins Gespräch komme. Der Speicher in Schwerin war und ist zum Beispiel solch ein Ort. Der Anlass kann ein kleiner oder ein großer sein, Hauptsache die Atmosphäre stimmt. Ich trete zum Beispiel auch gern für caritative Zecke auf. Im E-Werk ist auf jeden Fall eine ordentliche Premierenparty mit `ner gemeinsamem Jam geplant, zum Beispiel mit der  Band „Schade“ von den beiden „Strafsache“- und „Canguru“-Urgesteinen Maike und Ulli – ich freu mich riesig darauf.

Noch einmal zurück zu den Stones: Die haben 2012 ihr 50. Bühnenjubiläum gefeiert. Ist das auch für den 53-jährigen Pingo eine Aussicht?
Das ist natürlich ein klarer Vorteil als Singer/Songrocker: Du kannst in Ehren ergrauen. Aber wie und wann das Schreiben von Songs funktioniert – wann es fließt – das lässt sich schlecht planen. Immer nur die alten Songs zu spielen, macht sicher auf Dauer keinen Spaß, dann muss man aufhören.

Zum guten Schluss und ganz spontan: Wenn Du ein neues Schwerin-Lied schreiben müsstest, wie lauteten davon die ersten Zeilen?
Das ist schwer zu beantworten. Ich habe ja schon mal die heimliche Nationalhymne von M-V geschrieben, sie heißt „Die Skyline von Teterow“, Schwerin kommt da mit drin vor. In die Richtung würde es wohl gehen.
Den Song habe ich gerade aktualisiert. Drücken werde ich mich um das Thema auf jeden Fall nicht – so wie ich mich auch um manch anderes Thema nicht rumdrücke. Immerhin heißt der erste Song auf der Platte „Sex? Macht? Sinn?“.