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„Ich möchte einen großen Auftritt!“

Seit 20 Jahren macht Anne Holz TAGGS – Theater am Goethe-Gymnasium Schwerin
Ein aufmunterndes Wort von Anne Holz genügt und schon produzieren sich die Theater spielenden Acht- bis Zehnklässler am Goethe-Gymnasium vor der Kamera.
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Deutschunterricht für die 6.2m am Goethe-Gymnasium in Schwerin. Gut zwanzig Schüler proben in der Aula das Stück „Wie ist wohl mein wahr Gesicht?“ – ein selbst erarbeitetes Stück, bei dem sich die Mädchen und Jungen mit der beginnenden Pubertät auseinandersetzen.
Wie immer, wenn Anne Holz mit Kindern und Jugendlichen Theater macht, ist viel Spaß im Spiel. „Ich möchte einen großen Auftritt! Es ist eure Bühne! Kommt, gebt alles!“, ermuntert sie die Sechstklässler, die mit ihrem Stück bald Premiere haben. Beim KinderTheaterFestival in Rudolstadt werden sie in ein paar Wochen zum ersten Mal in ihrem Leben vor einem großen Publikum spielen.
Auf der Bühne stehen, Theater machen, in andere Welten und Sprachen eintauchen – im anschließenden Gespräch erzählt Anne Holz, die Deutsch- und Geschichtslehrererin am Schweriner Goethe-Gymnasium, dass sie davon schon seit ihrer Kindheit träumt.
Früh geht sie ins Theater, macht mit im Theaterjugendklub, übernimmt Statistenrollen und singt außerdem im Chor der Goethe-EOS, die sie besucht. Das experimentelle Theater von Christoph Schroth zieht sie magisch an, ein erster Berufswunsch reift. Sie will Schauspielerin werden. Noch während der Abiturzeit bekommt sie ihren ersten Sohn Robert. Den versäumten Schulstoff holt sie schnell nach, das Abi macht sie zeitgleich mit den Anderen aus der Klasse; doch ein anschließendes Jahr Arbeit in einer Kita lässt sie die Verantwortung für ihr Kind klarer sehen. Statt Schauspiel zu studieren, entscheidet sie sich – wie ihre Mutter – für den geregelteren Lehrerberuf, will Deutsch – ihr Lieblingsfach – und Geschichte unterrichten.
Zum Ende des Studiums in Leipzig wird die Beststudentin zum zweiten Mal Mutter, bleibt anschließend als Assistentin an der Uni, bildet bis 1990 Lehrerstudenten aus und will promovieren. Dann wird ihre Mutter sehr krank, zurück nach Schwerin zieht es nun Anne Holz. In der Zeit der politischen Umwälzungen in Deutschland, als in Schwerin Einstellungsstopp für Lehrer herrscht, hat sie Glück. Am Goethe-Gymnasium wird eine Stelle als Sozialkundelehrerin frei. Die bekommt sie zunächst auf Probe und wird danach übernommen. Sie ist nun wieder an der Schule, an der sie selbst einmal gelernt hat, mit dem langjährigen Schulleiter Peter Dethlofff, der jeden Lehrer-Neuzugang danach befragt, was er der Schule über die eigentliche Berufstätigkeit hinaus zu geben bereit ist. Die Theater-Begeisterung von Anne Holz ist ungebrochen, so nutzt sie die Chance, als Marianne Wörner ans Fridericianum delegiert wird und übernimmt deren erste Theatergruppe.
„Außer Enthusiasmus und einer spielwütigen Truppe hatte ich von nix ne Ahnung“, erinnert sich Anne Holz an die Anfänge von Theater am Goethe-Gymnasium Schwerin (kurz TAGGS) und stürzt sich mit Elan in die ganz andere Art von Unterricht. Ein Zusammenspiel, in dem jeder gefordert ist, seine Ideen einzubringen. Eine Teamarbeit, in der Höhen und Tiefen gemeinsam durchlebt werden. Ein Prozess, in dem die Unbekannten immer größer als die Bekannten sind. Ein Unterricht, in dem körperlicher Einsatz, rhetorische Fähigkeiten und nicht zuletzt das Selbstbewusstsein jedes Schülers geschult wird. Ihr Rüstzeug für den „Job“ des Spielleiters holt sich die Schwerinerin bei Workshops in Hamburg, bei Theaterpädagogen und bei einem Begleitstudium „Darstellendes Spiel“ in Rostock. Sie fühlt sich in einer glücklichen Position, kann mit den Zehn- bis Achtzehnjährigen, die sie unterrichtet, immer gleich umsetzen, was sie gerade lernt. Und fährt mit Inszenierungen erste Erfolge ein. Heute resümiert sie: „Mit Kindern und Jugendlichen Theater machen ist ein unglaublich dankbares Arbeiten“ und weint dem einstigen Berufswunsch keine einzige Träne nach.
Natürlich ist die dreifache Mutter (Tochter Hannah wurde vor 12 Jahren geboren) dem Schweriner
Theater treu geblieben. Oft allerdings zieht es sie nach Hamburg, ins Thalia-Theater – ihre Lieblingsspielstätte. Auch den 49. Geburtstag jetzt im Mai wird sie dort verbringen. Nichts Leichteres als Faust I und II steht dann auf dem Spielplan.