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Babys ganz nah bei Mama

Geburtsklinik setzt auf fortschrittliches Konzept in Stillberatung und nachgeburtlicher Betreuung
Expertin Gudrun von der Ohe zeigte im Seminar unter anderem verschiedene Anlege-Möglichkeiten zum Stillen des Kindes. Foto: MediClin
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Kein Getränk und kein Lebensmittel ist so wertvoll für ein Neugeborenes wie Muttermilch. Punkt. Doch obwohl Frauen heute deutlich aufgeklärter Mutter werden, mit dem Stillen, der natürlichsten Sache der Welt, haben sich viele werdende Familien vor der Geburt ihres Kindes kaum umfassend auseinandergesetzt. Vorurteile aus Großmutters Zeiten, wohlgemeinte Ratschläge von Frauen aus Verwandtschaft und Freundeskreis – das Sammelsurium ist groß und die Verunsicherung oft noch größer. Dabei ist bei der Entscheidung über die Ernährung des Babys in den
ersten Monaten nichts so wichtig wie die eigene Gewissheit. „Jede Frau hat das Recht zu entscheiden, stille ich oder nicht“, bestätigt Dr. Martina Müller, Oberärztin der Geburtsklinik im Crivitzer
MediClin Krankenhaus. Körperliche Voraussetzungen können eine Rolle spielen, kulturelle Hintergründe oder einfach persönliche Befindlichkeiten. „Auch wenn die Muttermilch perfekt auf die Bedürfnisse des Neugeborenen abgestimmt ist, noch dazu kostet sie keinen Cent, wollen und können wir niemanden zum Stillen bewegen, der das nicht möchte.“

Sich die Erfahrung anderer zu Hilfe zu nehmen, kann dabei auch hinderlich sein. Das Zauberwort heißt: Information. Nur wer das Für und Wider abwägen kann, ist in der Lage, eine sinnvolle Entscheidung zu treffen. Davon ist man im Krankenhaus überzeugt und hat deshalb ein Seminar mit der renommierten Stillberaterin Gudrun von der Ohe angeregt. Eingeladen waren Anfang Juni alle Mitarbeiterinnen der Geburtsklinik, inklusive der freien Hebammen, die in der Klinik Beleggeburten betreuen. Selbst die erfahrenen Geburtshelferinnen, Ärzte und Schwestern konnten von der Expertin Neues lernen. Vor allem zum Thema Kommunikation rund ums Stillen. „Uns ist es wichtig, mit einer Stimme zu unseren Frauen zu sprechen. Auch die Crivitzer Kinderärztin haben wir deshalb mit einbezogen“, betonen Pflegedienstleisterin Anja Hell und die leitende Hebamme Stephanie Barckhold. Wichtig sei es vor allem, mit Vorurteilen und starren Verhaltensmustern aufzuräumen. Zu denen gehören unter anderem die „verbotenen“ Lebensmittel für die Mutter oder die festgelegten Stillzeiten. „Acht Mal am Tag sein Kind an die Brust zu nehmen, ist keine Seltenheit“, klärt die Hebamme auf. Schließlich – auch das wurde im Seminar eindrucksvoll vermittelt – müsse ein Säugling am Tag so viel Nahrung aufnehmen, wie ein durchschnittlicher Erwachsener, wenn er 11 kg essen würde. Kein Wunder, dass für mehr als trinken und schlafen keine Kraft bleibt!
Auch andere Vorgehensweisen, die lange irrtümlich zum Krankenhausalltag gehörten, hat man in der Crivitzer Geburtsklinik zu den Akten gelegt. So ist es hier heute sowohl nach der spontannen Geburt als auch nach den meisten Kaiserschniten eine Selbstverständlichkeit, dass das Baby ganz nah bei Mama bleiben darf. „Lasst das Kind doch bei der Mutter – nach zwei Stunden wird es nicht gewachsen sein!“ forderte auch Gudrun von der Ohe im Seminar. Soll heißen: Vermessen werden kann später, viel wichtiger ist das Beisammensein. „Wir praktizieren auch das von der Expertin empfohlene Bonding“, fügt Oberärztin Müller hinzu. „Dabei wird das Neugeborenene in einem breiten Tuchgürtel eng um die Mutter gelegt und erhält den größtmöglichen Kontakt.“ Vor allem nach Kaiserschnitten habe sich
diese einfache Methode bewährt. Die Kinder dürfen so ein großes Stück der körperlichen Nähe „nachholen“, die sie während der operativ durchgeführten Geburt nicht durchleben konnten.
Möglichst früh, da sind sich Hebammen, Schwestern und Ärzte in Crivitz einig, sollten schwangere Frauen sich ausführlich über das Stillen informieren. In der Klinik ist eine entsprechende Beratung Bestandteil der Anmeldung vier bis fünf Wochen vor dem Entbindungstermin. Die Natur bietet sogar einen Kompromiss an zwischen Ja und Nein: „Nach
neusten Erkenntnissen können auch Mütter, die sich gegen das Stillen entschieden haben, ihren Babys etwas Gutes mitgeben“, erklärt Hebamme Steffi. „Die geringe Menge Vormilch, die das Baby unmittelbar nach der Geburt zu sich nimmt, hat bereits eine ungeheuer positive Wirkung auf das Immunsystem des Neugeborenen, wie eine erste kleine Impfung.“
Diese „Fütterung“ setzt noch nicht die Produktion von Muttermilch in Gang; sie fließt erst nach dem Start etwa am dritten Tag. Dann kommt es zum Sattwerden nur noch auf die Technik an. Die aber lässt sich leicht erlernen – von der Mutter, das Kind beherrscht diese natürlichste Sache der Welt meis-tens von ganz allein.


Kurzinfos:

MediClin Krankenhaus am Crivitzer See
Amtsstr. 1
19089 Crivitz
Telefon: (03863) 520-0
Telefax: (03863) 520-158
www.krankenhaus-am-crivitzer-see.de