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Zusammenarbeit ist gefragt

Rüdiger Born, Präsident des Golfverbandes Mecklenburg-Vorpommern, im Interview
Ein seltener Moment: Die Pause im Sessel ist für den vielbeschäftigten Rüdiger Born eher eine Ausnahme. Foto: privat
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Golf als Sport der Reichen und Schönen? Dieses Klischee zeigt sich heute an vielerorts überholt. Auf dem Grün tummeln sich Menschen wie du und ich. Die Hobbygolfer schätzen die Nähe zur Natur ebenso wie das sportliche Kräftemessen – und sind damit auf den Plätzen im Bundesland bestens aufgehoben. Über die Ansprüche, die an moderne Golfanlagen gestellt werden, über Werbung, Wettbewerber und Wirtschaft kam SCHWERIN live mit  Rüdiger Born ins Gespräch, dem Präsidenten des Golfverbandes MV.

Herr Born, der Winter ist kein Freund der Golfer, Anfang 2013 bescherte er Ihnen einen mühsamen Start in die Saison. Wie ist jetzt, am Saisonende, die Stimmung auf den Plätzen?
Richtig ist, dass alle Anlagen in diesem Jahr eine nicht einfache wirtschaftliche Situation durchmachen. Auch weil in den letzten zwei Jahren das Wetter nicht wirklich „golffreundlich“ war. Das ist im Prinzip wie in der Landwirtschaft: Lange Winter, Regenperioden oder wochenlange Hitze setzen uns zu. Nur im Gegensatz zu vielen Agrarbetrieben beanspruchen Golfanlagen weder Sonderförderungen, noch würden sie welche bekommen. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass Mecklenburg-Vorpommern als Flächenland und durch die Bevölkerungsstruktur nur ein begrenztes einheimisches Potential hat – Golfanlagen finanzieren sich ausschließlich über Beiträge und Greenfee-Einnahmen. Sie erhalten keine Zuschüsse, wie etwa kommunale Sportstätten. Ungefähr 50 Prozent aller Einnahmen müssen wir über Touristen erwirtschaften. Die Pflege einer Golfanlage kostet pro Jahr mindestens 500.000 Euro. Da sehen Sie: Nimmt man alle Anlagen zusammen, sind die Ausfälle der letzten Jahre schnell im siebenstelligen Bereich.

In der letzten Zeit sind viele Plätze ausgezeichnet worden: 2011 wurde „WINSTONlinks“ zu Deutschlands bestem neuen Golfplatz gekürt. Der „Golf und Country Club Fleesensee“ wurde kürzlich in das angesehene Netzwerk „European Tour Destination“ aufgenommen. Wie steht es um die Qualität der Golfplätze im nationalen und internationalen Vergleich?
Sowohl im nationalen als auch im internationalen Vergleich verfügen wir über Spitzenplätze. Natürlich können diesen Anspruch nicht alle Anlagen erfüllen. Das ist auch richtig so, denn Freizeitgolfer und Touristen möchten technisch weniger anspruchsvolle Plätze spielen und einfach Spaß haben. Plätze für Einsteiger sind wichtig, denn jeder Anfänger ist perspektivisch ein Mitglied auf einer Anlage.
Vorteilhaft ist, dass vielen unserer Plätze hochklassige Hotels mit Wellnessbereichen oder ähnlichem angeschlossen sind und wir viele Kooperationen mit anderen Freizeitbereichen haben. Allerdings besteht im Shopping-Segment in unserem Land eindeutig Nachholbedarf – besonders weil wir auch viele weibliche Besucher haben.

Welchen Herausforderungen müssen sich die Platzbetreiber im Wettbewerb darüber hinaus vor allem stellen? Golfanlagen sind Wirtschaftsunternehmen. Deutschland befindet sich natürlich im Wettbewerb mit traditionellen Destinationen wie Portugal oder Spanien. In den letzten Jahren haben auch andere Bundesländer wie Bayern, Schleswig-Holstein oder Baden-Württemberg Golf als Tourismusfaktor entdeckt. Auch im Interesse der mit Golfanlagen kooperierenden Hotelbetriebe ist es notwendig, künftig noch stärker um Gäste mit höherer Wertschöpfung zu werben. Wir sollten verstärkt entsprechende Netzwerke aufbauen. Events wie die Hanse Sail, die Doberaner Rennwoche, unser Musiksommer oder Einrichtungen wie das Ozeaneum sollten stärker im Verbund arbeiten. Besonders unsere Premiumanlagen haben enorme Kosten im überregionalen Marketing. Diese Aktivitäten kommen dem ganzen Bundesland zugute. Verbesserungswürdig ist die Zusammenarbeit mit den Fährlinien und insbesondere mit dem Flughafen Laage. Bei der bekannten wirtschaftlichen Situation dieser Unternehmen wundert mich das schon, dass es von ihrer Seite kaum Bemühungen in Richtung Kooperation gibt.

In diesem Jahr fanden die „WINSTONgolf Senior Open” und die „Europameisterschaft der golfenden Journalisten” statt. Wie wichtig sind solche Veranstaltungen? Schon jetzt ist der Anteil ausländischer Besucher auf unseren Anlagen höher als in anderen touristischen Bereichen. Insbesondere Skandinavien, die Niederlande oder auch die Schweiz sind hier zu nennen. Überregionale Events machen uns nicht nur national bekannter. Nicht zu unterschätzen ist auch die Mundpropaganda und die dazugehörige Präsenz in den Medien. Sicher wäre es wünschenswert, wenn auch andere Verbände und Einrichtungen sich verstärkt im internationalen Marketing engagieren würden. Hotellerie, Einzelhandel oder kulturelle Einrichtungen würden davon ebenso profitieren. Und nicht zuletzt steigern solche Großveranstaltungen das Image unseres Bundeslandes. Auch der Golfverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. unterstützt diese Turniere finanziell.
Nicht vergessen sollte man in diesem Jahr die EPD-Tour am Fleesensee, wo es demnächst auch ein Leistungszentrum für Jugendliche geben wird, oder den Jungen- und Mädchen-Länderpokal von Deutschland im Golfpark Strelasund.

Sie stehen einer mittelständischen Firmengruppe vor, sitzen neben dem Golfverband in weiteren Gremien und gelten als Netzwerker, der immer die richtigen Ansprechpartner kennt. Hat sich das so ergeben, oder haben Sie bewusst daran gearbeitet?
Nein, ich habe lediglich Prioritäten gesetzt. Natürlich gehört auch Glück dazu, aber ich glaube nicht an Zufälle. Eher daran, dass etwas zurückkommt, wenn man vorausschauend arbeitet und ein zuverlässiger Partner ist. Gelegentlich als unbequem zu gelten und auch Neid muss man dafür leider in Kauf nehmen. Ich bin überzeugt, dass wir alle auch eine Verantwortung über den persönlichen Bereich hinaus haben, z.B. für die Region, in der wir leben. In puncto Zusammenarbeit gibt es bei uns nach wie vor erhebliches Entwicklungspotential. Wir sollten die relative Überschaubarkeit unseres Landes als Chance verstehen, kurze Entscheidungswege und persönliche Kontakte können ein Vorteil sein. Natürlich fehlt mir oft die Zeit für das Privatleben und das eigene Golfspiel – leider, denn darin wäre ich gern viel besser.