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25 Jahre im Dienst: Lothar Dornau ist Küster der Schweriner Schelfkirche, am 1. August feierte er Jubiliäum
Lothar Dornau bereitet unter anderem Gottesdienste vor, wozu er zum Beispiel den Altar herrichtet.
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„Im Prinzip mache ich hier nichts anderes als zu Hause, nur in wesentlich größerer Dimension“, sagt Lothar Dornau über einen wesentlichen Teil seiner Arbeit als Küster der Schweriner Schelfkirche. Einkaufen, Geld verwalten, für Ordnung sorgen und vor allem handwerkern – hier ist der 49-jährige Schweriner voll in seinem Element.

Dornau ist gelernter Bau- und Möbeltischler. Tischler sei zwar sein Traumberuf, er wollte sich jedoch innerhalb dessen in Richtung Res­taurierung und Denkmalpflege spezialisieren, was zunächst nicht klappte. In der Schelfkirche konnte er dann aber voll loslegen. Zu tun gab es, als er am 1. August 1989 seinen Dienst als Küster antrat, und in den vielen Jahren danach – bis heute – jedenfalls genug. Zum Beispiel half er mit, die Fürstengruft zu sanieren. Acht Jahre dauerte es, bis die Grablege und die darin befindlichen Särge im September 2013 wieder hergerichtet waren.

Dornau erzählt auch gern über die Adligen, die sich in der Krypta haben bestatten lassen. Und nicht nur über diese: Er kennt sich aus mit Herzögen, Fürstenhäusern und deren Bande untereinander. „Geschichte ist mein Steckenpferd“, sagt der Küster. „Hätte ich unbedingt etwas studieren müssen, dann wäre ich Historiker geworden.“ Klar, dass er auch in der Historie seiner eigenen Familie nachforscht.
Zum Beispiel hat er herausgefunden, dass Vorfahren seiner Mutter seit 1684 in der Gegend Cramon gelebt haben, wo er seit elf Jahren ein Haus besitzt. Zur Schelfkirche finden sich in seiner Familie auch langjährige Verbindungen: Seine Urgroßeltern ließen sich dort trauen, sein Großvater wurde in der Schelfkirche konfirmiert, seine Mutter und er selbst getauft. Mit der eigenen Konfirmation dauerte es jedoch. Seine Eltern hatten Bedenken, dass dem Jungen seine berufliche Zukunft im Staate DDR verbaut würde. So ließ sich Lothar Dornau erst nach Abschluss der Lehre als Erwachsener konfirmieren.

„Ich weiß nicht, ob ich auch in einer anderen Kirche als Küster angefangen hätte“, überlegt Dornau, „aber wohl nicht.“ Als Pastor Matthias Fleischer ihn vor 25 Jahren gefragt hatte, ob er diesen Dienst übernehmen möchte, zögerte er zunächst. Aber dann dachte er an viele andere Menschen, die sich selbstlos für die Schelfgemeinde engagierten, und sagte sich: Ja, das kann und das will ich auch. Immerhin habe er plötzlich lediglich etwa ein Drittel dessen verdient, was er als Tischler bekam.

Handwerklich austoben konnte er sich in der Kirche trotzdem. „Aber das Praktische ist eben nur ein Teil meiner Arbeit“, betont Dornau. „Vor allem durfte ich in den vergangenen 25 Jahren viele interessante Menschen kennen lernen.“ Politiker waren ebenso darunter wie Adlige und weltbekannte Künstler. Aber er berichtet auch von einem kleinen Jungen, der ihn jeden Nachmittag bei der Arbeit begleitete und sogar zu seinem Ersatzpapa Lothar ziehen wollte, als seine Mutter gestorben war. Daraus wurde nichts. Aber als Erwachsener kehrte er zurück und besuchte den Küster bereits mehrfach. „Solche Erlebnisse gehören mit zum Aufregendsten in meiner Arbeit“, sagt Dornau.

Als Küster ist er erster Ansprechpartner in der Gemeinde, quasi der Mann für alles. Aber er braucht eben auch sein Refugium auf dem Lande. Landschafts- und Gartengestaltung sei sein drittes großes Interessengebiet nach der Geschichte und dem Handwerk. Vor allem liebe er es aber, Häuser und Räume herzurichten. Oder auch einfach, Möbel aus Holz zu fertigen. „Ich erschaffe gern etwas komplett selbst – von der Idee bis zum fertigen Objekt“, sagt er.

Was er bei seiner Arbeit in der Gemeinde nicht vorfindet, hingegen zu Hause vor der Tür hat, ist ein 40.000 Quadratmeter großes Grundstück. Darauf: Obstbäume, ein kleiner Garten – und viel Platz für seine Pferde, ein eigenes, der Wallach Lucas, sowie zwei weitere zur Pflege. Außerdem besitzt er Hühner, zwei Hunde und vier Katzen. Es gibt in seinem Heim also viel zu besorgen, zu verwalten, in Schuss zu halten. Er tue dies wirklich gern, sagt er. Eben genau wie in der Gemeinde.