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DIE GRÖßTE GARNISON IN MECKLENBURG

Schwerin konnte mit den herzoglichen stationierten Truppen gut leben
Ein gewohntes Bild im Schwerin des 19. Jahrhunderts: Parade auf dem Alten Garten.
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Schwerin, vor 850 Jahren von Heinrich dem Löwen gegründet, präsentiert sich heute als Stadt mit unverwechselbarem Flair. Als „Stadt der Seen und Wälder“ besang sie einst der Gelehrte Friedrich Lisch. Heute ist die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns wegen ihres märchenhaften Schlosses, der wunderschönen Gärten und ihrer einmaligen  Kunstschätze ein Anziehungspunkt für Besucher aus Nah und Fern. In einer 12-teiligen Serie erzählen wir die Geschichte der Jubilarin. Autor ist Bernd Kasten, Leiter des Schweriner Stadtarchivs.

Als Opfer erlebt

Während im benachbarten Preußen schon früh ein ausgedehnter Militärkult betrieben wurde, fühlten die Mecklenburger, die Kriege meist als Opfer und nicht als Sieger erlebt hatten, wenig Begeisterung für Soldaten. Das änderte sich nach dem deutschen Sieg über Frankreich 1871 nachhaltig. Hatten die Einwohner Schwerins die herzoglichen Truppen früher als eine Bürde und eine Last angesehen, so konnte ihnen nun die Garnison gar nicht groß genug sein. Als 1890 das Schweriner Jägerbataillon nach Elsass-Lothringen verlegt werden sollte, lief der Magistrat zu höchster rhetorischer Form auf: „Die Hausbewohner sind in Verzweiflung, [...] die Geschäftleute sehen ihrem Ruin entgegen“. Der Gewerbeverein befürchtete durch die Reduzierung der hier stationierten Truppen eine deutliche Erhöhung der Arbeitslosigkeit. Allein Bürgermeister Bades „flehentliches Bitten“ an den Großherzog, das „hereinbrechende Verderben“ doch noch zu verhüten, fand kein Gehör. Die Bevölkerung reagierte mit großer emotionaler Anteilnahme auf den Abzug des Bataillons.

Neue Garnisonen

Die Befürchtungen erwiesen sich jedoch als übertrieben. Das Kaiserreich, das sich von allen Seiten bedroht fühlte, rüstete stetig auf. Für neue Truppen wurden neue Garnisonen gebraucht. Bürgermeister Bade verfügte hier über die besten Kontakte zum Flügeladjutanten des Großherzogs und anderen Stabsoffizieren.

Zuschlag für Schwerin

Und auch der Landesherr selbst wollte so viele Soldaten wie möglich in seiner Residenz. Mitbewerber wie Güstrow oder Altona hatten hier keine Chancen, Schwerin erhielt den Zuschlag. Zwei zusätzliche Bataillone wurden in die Stadt gelegt. Auf dem Ostorfer Berg entstand 1899 eine neue Artilleriekaserne und in der Werderstraße bald darauf auch eine neue Kaserne für die Grenadiere. Insgesamt war der Magistrat mit seiner Ansiedlungspolitik sehr erfolgreich.

Mit zwei Infanteriebataillonen und zwei Artillerieabteilungen einschließlich diverser höherer Kommandostäbe besaß Schwerin vor dem ersten Weltkrieg die mit Abstand größte Garnison in Mecklenburg. Militärparaden, Platzkonzerte, reitende Offiziere und marschierenden Soldaten prägten das Stadtbild in auffallender Weise.