18.04.2019

Leute

"War schon immer ein kleiner Rebell"

Interview mit Heiko Steinmüller in der Reihe "Köpfe aus Schwerin"
Heiko Steinmüller, 49 Jahre, Inhaber „Steinis Pub“
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Heiko, du bist stolz auf deinen zweifelhaften Ehrentitel „Unfreundlichster Wirt“. Das ist doch alles Ironie, oder? Und wer hat dir den Titel überhaupt warum verliehen?
Natürlich ist das Ironie! Ich kam zu dem Namen durch Manni Schmidt. Manni ist ein Vollblutmusiker, der als Gründungsmitglied von der Metalband Rage und später als Gitarrist unter andrem bei Grave Digger zu internationalem Ruhm kam. Wir hatten damals im „Headbangers“, meinem ersten Laden, eine Buchlesung zum Thema Geschichte des Heavy Metal in Deutschland. Zu dieser Veranstaltung kam Manni als Ehrengast, ich war sowas von stolz und aufgeregt. Manni bekam mit, wie ich mit meinen Gästen redete und meinte scherzhaft: „Steini, du bist der unfreundlichste Wirt Ostdeutschlands!“. Später signierte er mir mein Exemplar so. Seitdem ist das mein Titel, und der ist Programm. Natürlich ist das scherzhaft von mir gemeint, aber es entwickelte sich wie von selbst zu meinem Markenzeichen.

Du hast nach einigem Hin und Her in der Lübecker Straße nun den Wunschstandort für deine Kneipe gefunden. Was planst du mit „Steinis Pub“ künftig?
„Steinis Pub“ ist eine Adresse für jedermann, und das ist es, was mich besonders stolz macht. Hier sitzt der Arzt neben einem Punk, und alle reden bei einem gemütlichen Bierchen über Musik. Wir haben eine Vielzahl an Veranstaltungen – vom Poetry Slam über Lesungen bis zu Konzerten verschiedenster Couleur. Mein Ziel ist es, diesen kleinen Ort auch weiterhin der Szene sowie allen Interessierten als Oase jenseits des Alltags und frei von politischen Ansichten anzubieten.

Du bist bekannt dafür, einen Schottenrock zu tragen, hast sogar im Kilt geheiratet. Was verbindet dich so sehr mit Schottland?
Vor meiner Zeit als Wirt war ich lange Jahre als Lkw-Fahrer tätig. In dieser Zeit fuhr ich sehr oft nach Großbritannien, insbesondere nach Schottland, irgendwann dann fast ständig für eine schottische Partner-Niederlassung. Ich habe mich vom ers­ten Tag an in dieses Land verliebt, die Leute und ihre Geschichte faszinierten mich. Vielleicht eine Art innerer Verbundenheit, da auch ich schon immer ein kleiner Rebell war und auch die Auseinandersetzung gegen scheinbar „größere Gegner“ nicht scheute. Auch heute noch versuche ich, so oft es geht, dem Land einen Besuch abzustatten.

Bei den Kommunalwahlen im Mai trittst du für die SPD an. Wie kam es dazu?
Zu allererst muss ich sagen, dass ich durch meinen jahrelangen Ärger mit Teilen der Stadtverwaltung ein gebranntes Kind war. Da kam eines Tages der nicht ganz ernstgemeinte Gedanke auf, selbst als OB zu kandidieren. Dadurch lernte ich Rico Badenschier kennen und war sofort von ihm begeistert. Selten in meinem Leben habe ich einen so ehrlichen und aufrechten Menschen kennengelernt! Deshalb war klar, dass Rico bei mir im „Rock Palast“ als einziger Kandidat Wahlkampf machen durfte. Die folgende Zeit zeigte, dass es mehr als eine gute Wahl war. Nun hat Schwerin für die Szene meines Erachtens nach noch eine Menge Nachholbedarf, ich glaube, dass ich durch meine Erfahrungen der letzten Jahre vielleicht ein gutes Stück dazu beitragen kann, dies zu ändern. Also bin ich im Herbst letzten Jahres in die SPD eingetreten und merkte sehr schnell, dass ich genau hier hingehöre! Interview: S. Krieg